Siyou’n’Hell: Soulscape Screenshots (Sounds)


Siyou'n'Hell

© Siyou’n’Hell-Soulscape-Screenshots


Siyou’n’Hell

Titel:Soulscape Screenshots
VÖ: 5. Juni 2015
Label: Bassball Recordings/36music
Vertrieb: Broken Silence
Formate: CD, digital


Tracklist

01. Invitation
02. Higher
03. Tiny Little Mad (Appetizer)
04. Be Who You Are
05. Sometimes (More Version)
06. Lovechild
07. Mallberry Moon
08. Nono
09. Lifelines
10. Tiny Little Mad
11. Ain’t Messin ‚Round
12. Sometimes (Less Version)
13. Mountain Bike


Meine unbedingten Anspiel-Tipps fett


Tour

Siyou’n’Hell

feat. Siyou (voc) & Hellmut Hattler (bs)

19.07.2015 Bremen, Breminale
30.07.2015 Baienfurt, Hoftheater Open Air
15.08.2015 Köngen, 3k-Festival
19.09.2015 Neu-Ulm, Edwin-Scharff-Museum (Kulturnacht)

HATTLER

feat. Fola Dada | Hellmut Hattler | Torsten de Winkel | Oli Rubow

  • 16.10.2015 Ravensburg, Zehntscheuer
  • 17.10.2015 Wetzlar, Franzis
  • 23.10.2015 Idstein, Scheuer
  • 24.10.2015 Esslingen, Dieselstrasse
  • 30.10.2015 Hamburg-Bergedorf, Lola
  • 31.10.2015 Jazzville Festival, Weissenhäuser Strand, Ostsee
  • 16.11.2015 Bonn, Harmonie
  • 17.11.2015 Aschaffenburg, Colossaal
  • 28.11.2015 Altenburg, Jazzklub
  • 22.01.2016 Mainz, Jazztage (Schaubühne)
  • 23.01.2016 Glems, Hirsch
  • 29.01.2016 Hannover, Pavillon
  • 30.01.2016 Cloppenburg, Kulturbahnhof
  • 25.02.2016 Grafschaft, Winzerverein Lantershofen
  • 26.02.2016 Offenburg, Reithalle

KRAAN

feat. Peter Wolbrandt (git, voc) | Jan Fride Wolbrandt (dr) | Hellmut Hattler (b)

  • 05.09.2015 Markneukirchen, Reeveland Music Festival
  • 11.11.2015 Hofer Jazztage
  • 12.11.2015 Siegen, Oase

Rezension (Album)

10/12


Eigentlich wollte ich das aktuelle Album „Soulscape Screenshots“ von Siyou Isabelle Ngnoubamdjum und Hellmut Hattler – zusammen sind sie Siyou’n’Hell – längst besprochen haben.

Soulscape Screenshots: Ein Album, das man am Stück hören darf

Die letzten Wochen waren allerdings geprägt von vielen eindrucksvollen Konzerten und zogen damit ein enormes Arbeitsaufkommen für die Bild- und Berichterstattung nach sich. Da stand die Musik aus der Konserve zunächst etwas hinten an.  Aber nur etwas, denn „Soulscape Screenshots“ verschwand während dieser Wartezeit häufiger in der Schublade meines Players und wurde wirklich einige Male komplett durchgehört. Am Stück, also ohne Bedienung der Skip-Taste, deren Drücken immer auch eine gewisse Ungeduld des Zuhörenden signalisiert und Rückschlüsse darüber zulässt, ob ein durchkonzipiertes Album vorliegt oder eben nur vereinzelte, irgendwie auf etwa 45 Minuten Spielzeit verteilte, Höhepunkte.

Soulscape Screenshots – die Eigenkompositionen

Waren die vorangegangenen beiden Alben noch stärker von fabelhaften Interpretationen fremder, dafür bekannter Songs, mitgeprägt, handelt es sich bei „Soulscape Screenshots“ überwiegend um Eigenkompositionen des Künstlerpaares. Eine Ausnahme bildet lediglich „Ain’t Messin‘ Round“ vom noch sehr jungen Gary Clark Jr., welches S’n’H entschlackt und eine deutliche Prise Soul von Siyou und einen ordentlich „funky“ Bass von Hattler verpasst haben.

Eingepackt haben Siyou’n’Hell ihr aus insgesamt dreizehn Songs bestehendes Album zwischen Siyou’s „Invitation“ – eine gute halbe Minute lädt uns ihre Gospel-Stimme zum Zuhören ein – und dem beschließenden, sehr atmosphärischen, „Mountain Bike“. Dazwischen liegen Perlen wie „Higher“ , beim dem das Trio Insingizi aus Simbabwe mit rauer Stimme vokal unterstützt. Bei mir werden Erinnerungen an Paul Simon’s „Graceland“ geweckt, das 1985 ähnliche afrikanische Einflüsse zeigte.

Doch in diese Richtung biegen Siyou’n’Hell im Verlauf des Albums mit Unterstützung ihrer musikalischen Weggefährten – Ali Neander, Jonas Dorn, Joe Fessele, Martin Kasper, Gerry Brown, Jürgen Schlachter, Ralf Damrath, Peter Musebrink, Jan Fride und Joo Kraus – keineswegs ab, sondern bevorzugen Vielfalt. Bei „Be Who You Are“ und „Malberry Moon“ blitzt zum Beispiel dezent Joo Kraus’s Jazz-Trompete durch.

Songs werden in Beziehung zueinander gesetzt

Soulscape Screenshots lebt auch davon, dass Songs in unterschiedlichen Versionen zueinander in Beziehung gesetzt werden. So gibt es „Tiny Little Mad“ in einer kurzen Appetizer Version von Siyou und Hattler, weiter hinten auf der Tracklist dann in Bandversion, ergänzt um  Keyboards und Schlagzeug. Bei „Sometimes“ wird dieses Prinzip umgekehrt – erst die sogenannte „More“-Version mit Band, kurz vor Schluss – als Reprise – dann die entschlackte „less version“, die mir persönlich etwas besser gefällt und uns einen Vorgeschmack auf mögliche Live-Auftritte von Siyou’n’Hell, die in der Regel ohne Bandunterstützung stattfinden, geben.

Das Album von Siyou’n’Hell folgt damit konsequent dem bildhaften Internetauftritt von Hattler, der sich dort im Kontext unterschiedlicher Einflüsse und Projekte zeigt.

Insgesamt eine sehr spannend arrangierte Platte, dabei keine schwerbekömmliche und selbstverliebte Kost!

Hellmut Hattler am Bass

Und eins ist jetzt auch klar. Meine fetten, schon etwas in die Jahre gekommenen JBL Ti 5000, die ich zusammen mit meinem Sohn schon geschätzte tausend Mal umeinander getragen und immer wieder neu positioniert habe, werde ich noch eine ganze Zeitlang im Arbeitszimmer stehen lassen. Sie sind gewiss ein unübersehbares Hindernis, aber der Bass vom Hattler klingt hier selbst von CD so wunderbar warm, dass ich mich von diesen „Ami-Boxen im wahnsinnig unpraktischen Sargformat“ entgegen meiner ursprünglichen Absicht nun doch nicht trennen werde.

© Gerald Langer


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