Sparks & Visions: Internationales Jazzfestival im Theater Regensburg 2024 (News)


Sparks & Visions (Jazzfestival)

Datum: 19.01. bis 21.01.2024
Venue: Theater am Bismarckplatz Regensburg

Sparks & Visions


Adresse:

Theater Regensburg
Anstalt des Öffentlichen Rechts

Bismarckplatz 7
93047 Regensburg

Theaterkasse +49 (941) 507 24 24
karten@theaterregensburg.de
www.theaterregensburg.de

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Pressemitteilung

Sparks & Visions zeigte bei seiner Premiere im Januar 2023 mit einem international und durchweg hochkarätig besetzten Programm, wie vielfältig Jazz sein kann.

Der enorme Zuspruch von seiten des anwesenden Publikums und der Presse („ein faszinierendes Musikpanorama“, Roland Spiegel, BR-Klassik u.v.m.) motivierten Veranstalterin Anastasia Wolkenstein zur Planung einer weiteren Ausgabe, die vom 19.-21.01.2024 über die Bühne gehen wird. Auch diesmal macht eine Kooperation mit dem Theater Regensburg möglich, dass alle Konzerte in dem 170 Jahre alten Dreirangtheater stattfinden können.

An drei Tagen werden acht hervorragende Bands mit Musikerinnen und Musikern aus acht Ländern nach Regensburg kommen und Jazz in vielen seiner Facetten präsentieren wie auch Musik, die in spannende Art und Weise über ihn hinausgeht. BR-Klassik schneidet das gesamte Festival mit und wird die Aufnahmen zu späterem Zeitpunkt senden.

Das Festival startet am Freitagabend mit einem Konzert der ukrainischen Sängerin und Kulturbotschafterin GANNA, die in ihrem Soloprogramm auf kreative, respektvolle und auf sehr elektronische Art und Weise mit traditionellem ukrainischem Liedgut umgeht.

Es geht weiter mit einem furiosen Ritt des Teis Semey Quintetts. Der dänische Gitarrist versammelt ein paar der talentiertesten Musiker der aktuell vielbeachteten jungen Szene Amsterdams und präsentiert eine Mischung aus Punk, Jazz und dänischer Folklore, die nicht nur hochvirtuos sondern auch unglaublich unterhaltsam ist.

Den Eröffnungsabend in dem atmosphärischen und mit hervorragender Raumakustik gesegneten Theater beschließt das Duo um die britische Gesangslegende Norma Winstone mit dem jungen Pianisten Kit Downes, der schon bei der Festivalpremiere am Eröffnungsabend auftrat, damals mit dem Trio Enemy. Das Duo wird ein Programm präsentieren, was im Laufe des Jahres als Album bei ECM erscheinen wird.

Den Samstagabend eröffnet der niederländische Pianist Wolfert Brederode gemeinsam mit seinem Schlagzeuger und Percussionisten Joost Lijbaart und dem Matangi Quartett. Sein preisgekröntes ECM-Album „Ruins and Remains“ befasst sich auf sehr berührende Art und Weise mit den Themen Verlust und Trauer und trägt letzten Endes auch eine große Hoffnung mit sich.

Als nächstes kommt das Publikum in den Genuss einer der mitreißend-charmanten Konzerte der estnischen Sängerin und Multi-Instrumentalistin Kadri Voorand mit dem Bassisten Mihkel Mälgand. Hierbei reichen sich Jazz, Pop und humorvolle Performance die Hand.

Zum Ende des Abends präsentiert der Londoner Keyboarder Produzent und Keyboarder Alfa Mist sein aktuelles Album „Variables“ und besticht durch breite Klangflächen und überraschend vielfältige und miteinander harmonierende Soundelemente zwischen Jazz und Hip Hop.

Das Sonntagsprogramm beginnt 2024 um 11.00 vormittags und umfasst zwei Konzerte.

Die griechische, in Berlin lebende und mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnete Vibraphonistin Evi Filippou wird gemeinsam mit dem preisgekrönten rumänisch-deutschen Bassisten Robert Lucaciu auftreten und improvisierend die lebendige Tradition des Balkans mit der kosmopolitischen Entwicklung zeitgenössischer europäischer Musiklandschaften verbinden.

Zum Abschluß des Festivals präsentiert der norwegische Pianist und Komponist Tord Gustavsen mit seinem Trio ein neues Programm, welches 2024 auf ECM erscheinen wird. Dieser vollendete Pianotriojazz mit elektronischen Elementen und seiner Mischung aus skandinavischer Melancholie und Herzenswärme wird das Publikum wunderbar erfüllt in den restlichen Sonntag entlassen.

Wie bei der Festivalpremiere wird das Bühnenbild von Künstler Karl Iaro das Thema „Sparks & Visions“ optisch perfekt umsetzen.

Dieses ästhetische Setting unterstützt das Hauptanliegen des Festivals: Jazzfans ein qualitativ hochwertiges und vielfältiges Programm mit der einen oder anderen Neuentdeckung zu bieten und Menschen, die bisher noch keinen Jazz hörten, zu zeigen, dass dieser für jeden etwas bereithält, der sich für Musik und Menschen interessiert.

Sparks & Visions schenkt in einer kalten und dunklen Zeit Licht und Wärme und bereitet den Boden für Begegnungen von Musikliebhaberinnen und allgemein interessierten und offenen Menschen, die bereit sind sich verführen, inspirieren, berauschen zu lassen und sich gemeinsam mit den Musikerinnen auf Entdeckungsreise zu begeben.

Das Internationale Jazzfestival Sparks & Visions wird veranstaltet durch eine gemeinnützige UG mit Anastasia Wolkenstein als Geschäftsführerin und Kuratorin des Festivals. Sie ist seit über 14 Jahren im Musikgeschäft als Agentin für hochkarätige und preisgekrönte Musiker*innen des zeitgenössischen Jazz tätig, war u.a. zweimal Hauptjurymitglied beim Deutschen Jazzpreis und ist seit 2023 künstlerische Leiterin des internationalen Festivals Jazz&TheCity in Salzburg.

Tagestickets und ein Festivalpass für alle drei Tage sind ab Montag, den 20.11.2023 beim Theater Regensburg (Theaterkasse und online) und der Regensburger Touristinformation erhältlich.

Informationen zum Programm ab 20.11.2023 unter www.sparks-and-visions.com


Künstler:innen des Sparks & Visions 2024

Ganna

(Sparks & Vision, 19.01.2024, 19:00)

„Starke Stimme, starker Sound“, bringt der Deutschlandfunk Kultur die Musik der ukrainischen, seit ihrem 13. Lebensjahr in Deutschland lebenden Sängerin, Komponistin und Pianistin auf den Punkt. Das größte österreichische Rundfunkprogramm Ö1 schwärmt gar, Ganna Gryniva sei „eine der eindrucksvollsten Sängerinnen und Musikerinnen der europäischen Jazz- und Weltmusikszene“.

Seit sie 2020 als Protagonistin der Jazz Thing-Reihe „Next Generation“ vorgestellt wurde, liebt das Publikum die Geschichtenerzählerin, die ihre Inspiration aus alten Volksliedern ihrer Heimat schöpft. Deren archaisch anmutende Klänge bettet sie in emotionsgeladene, jazzgefärbte Arrangements ein, die auf klassische Klänge und moderne Improvisation treffen.

Dieser zauberhaften Genremixtur kann sich niemand entziehen: So wurde schon Grynivas 2022er-Album „Home“ als Soundtrack des mit dem Grimme Preis 2023 ausgezeichneten Dokumentarfilms „When Spring Came to Bucha“ ausgewählt. Das neue, Ende 2023 in Kooperation mit dem Schweizer Improvisationsschlagwerker Julian Sartorius veröffentlichte Album „Kupala“ macht einen Schritt in Richtung Elektronik, die auch fester Bestandteil der neuen Solo-Performances ist.

Hier verbindet die studierte Philosophin und Hochschulabsolventin im Fach Improvisierter Gesang ihren eigenwilligen Gesang mit Loops, Samples und anderen Effekten zu einer Musikwelt, bei der die Ursprünglichkeit und Kraft ukrainischer Vokaltradition auf experimentelle Electronica stößt, welche sich wiederum ob so manch unerwarteter Harmonien und Rhythmen zu einer überaus aufregenden Klangwelt verdichten, die den perfekten Auftakt zur 2024er-Ausgabe von Sparks & Visions bildet.

Ganna Gryniva – voice, effects


Teis Semey Quintet

(Sparks & Vision, 19.01.2024, 20:30)

Der preisgekrönte dänische Gitarrist, Komponist und Bandleader Teis Semey hat sich in den letzten Jahren mit seinem Punk-infundierten Spiel einen Namen in der Jazzszene gemacht – ob mit der zwischen skandinavischem Folk, Indiepop und Improjazz oszillierenden Band Midnight Mess, dem dänisch-italienischen Duo Raw Fish, das sich an den Schnittstellen von HipHop, Indie-Rock, elektronischer und improvisierter Musik bewegt, oder seinem avantgardistischen Quintett, das heute Abend seine charmante Mixtur aus Punk, Jazz und 70er-Jahre-Verfolgungsjagd-Soundtrack hören lässt. Und natürlich auch eine (gar nicht mal so kleine) Prise untergründigen Humor, der kennzeichnend für alle Arbeiten von Semey ist.

Eng damit verbunden ist die supersympathische Bühnenpräsenz dieses ungebändigt-nonchalanten Künstlers, der eine unfassbare Metamorphose vom dänischen Bauernjungen zum Streetpunk zum Jazzer hingelegt hat.

Nach drei Alben mit seinem 2017 gegründeten Quintett arbeitet Teis Semey jetzt am Release des vierten, wobei er auf die Verquickung von Punk und Free Jazz mit skandinavischen Liedern setzt, welche er in einem Buch seiner verstorbenen Großmutter gefunden hat. Die energetische Melange, die dabei entsteht, ist so ehrlich wie virtuos, gnadenlos tanzbar, flammend engagiert – und mitunter von nahezu überirdischer Schönheit.

Teis Semey – guitar
José Soares – alto saxophone
Jesse Schilderink – tenor saxophone
Jort Terwijn – bass
Jamie Peet – drums


Norma Winstone & Kit Downes

(Sparks & Visions, 19.01.2024, 22:00)

Norma Winstone, die „Grande Dame des europäischen Jazzgesangs“, ist aktuell wieder in aller Munde, seitdem HipHop-Star Drake auf dem Song „IDGAF“ seines neuen Albums ein überirdisches Eingangs-Sample von „The Tunnel“ hören lässt, einem Stück des Trios Azimuth mit Winstone am Gesang.

Der Rest des Songs mag Geschmackssage sein, fest steht, dass er sich derzeit knapp 122 Millionen Streams erfreut. Ohnehin ist die 1941 in London geborene Chanteuse und ehemalige Hochschullehrerin der Londoner Royal Academy of Music, von der sie 2013 zum Honorary Member ernannt wurde, umtriebig wie je:

Nachdem sie 2021 eine Auszeichnung für ihre Verdienste um dem Jazz bei den Parliamentary Jazz Awards erhielt, legt sie 2023 mit dem Tenorsaxophonisten Klaus Gesing und dem Pianisten Glauco Venier das Album „Dance Without Answer“ nach.

Kit Downes spielte auf dem letztjährigen Sparks & Visions-Festival mit seiner Band ENEMY im Trio. Dieses Jahr überrascht der britische Pianist und Organist mit Vorliebe für das Spannungsfeld zwischen Progressive Rock und Minimalismus im Duo mit ECM-Star Norma Winstone.

Gemeinsam haben der 1986 – und damit satte 45 Jahre nach ihr – geborene, ebenfalls mehrfach preisgekrönte Downes, der auch an der Royal Academy of Music in London unterrichtet, und die allürenlose Diva ein Projekt ins Leben gerufen, das eine Mixtur aus gemeinsamen Neukompositionen, traditionellen Melodien aus ganz Europa und persönlicher Lieblingsmusik zu Gehör bringt, etwa von Pianist John Taylor oder Gitarrist Ralph Towner. Das dazugehörige Album wird 2024 bei ECM Records erscheinen – und vorher schon als Sternstunde des ersten Festivaltages bei Sparks & Visions zu hören sein.

Norma Winstone – voice
Kit Downes – piano


Wolfert Brederode – Ruins And Remains

(Sparks & Visions, 20.01.2024, 19:00)

Den Auftakt zum zweiten Festivaltag macht der 1974 bei Den Haag geborene Pianist und Komponist Wolfert Brederode mit seinem Projekt Ruins and Remains. Das gleichnamige, 2022 bei ECM Records erschienene und 2023 mit einem Edison Award ausgezeichnete Album, das bereits 2018 entstand, bezieht seinen Titel auf das Ende des Ersten Weltkrieges, welches zum Entstehungszeitpunkt genau einhundert Jahre zurücklag.

Die oftmals melancholischen Kompositionen und Arrangements, die Brederode hier für Klavier, Schlagwerk und Streichquartett schrieb, kreisen um die Themen Verlust und Trauer, aber auch um eine mit der erstaunlichen Resilienz der Menschheit verbundene Hoffnung.

Bereits vorher hat Brederode drei weitere Alben für ECM aufgenommen: einmal mit seinem Trio, einmal im Quartett sowie als fester Duo-Partner der Schweizer Folk/Jazz-Vokalistin Susanne Abbuehl. Mit „Ruins and Remains“ hat er im minimalistischen Kammerjazz ein zu Hause gefunden, folgt sein Spiel hier doch der Devise: weniger ist mehr.

Das begleitende Matangi Quartet entspinnt seine feinsinnigen Folk-Zitate über den perkussiven Effekten von Joost Lijbaart, sekundiert von Streicherobertönen und verschiedenen Drones, die von der selbst die winzigsten Klangnuancen einfangenden Akustik des Sendesaals Bremen, wo das Album entstand, noch befördert werden.

Auch die hervorragende Raumakustik des 170 Jahre alten, klassizistischen Regensburger Theaters bei Sparks & Visions ist wie geschaffen für das eigenwillige Klanguniversum, dessen unaufdringliche, aber nichtsdestotrotz immens betörende Atmosphäre tief berührt.

Wolfert Brederode – piano
Joost Lijbaart – drums, percussion

Matangi Quartet
Maria-Paula Majoor – violin
Dmitri Ivanov – violin
Karsten Kleijer – viola
Arno van der Vuurst – violoncello


Kadri Voorand & Mihkel Mälgand

(Sparks & Visions, 20.01.2024, 20:30)

Gleich ihr erstes international veröffentlichtes, schlicht mit „In Duo with Mihkel Mälgand“ betiteltes Album, das Ende 2019 erschienen ist, katapultierte die damals 33-jährige Pianistin, Komponistin und Sängerin aus Estland kurz darauf auf die Titelseite des renommierten Jazzthetik-Magazins.

Kein Wunder, besticht die Platte doch nicht nur mit einem reizenden englisch-estnischem Sprachgemisch, sondern vor allem auch mit ebenso minimalistisch-spröder wie charmant-struppiger Songwritingkunst. Da heißt es im Opener dann schon mal „I’m in love with the roses you brought/I’m not in love with you“, während ein anderes Stück augenzwinkernd verkündet: „I must stop eating chocolate“.

Voogrand selbst rührt nicht nur gesangsbegleitend die Tasten, sondern auch Kalimba, Violine und ein Sammelsurium elektronischer Effekte – und das sowohl auf der Studioaufnahme wie auch live.

Ihr Partner Mälgand unterstützt mit einfühlsam-reduziertem Kontrabassspiel, greift aber auch ab und an zu Gitarre, E-Bass und, je nach Setlist, Cello oder Percussions. Neben Selbstgeschriebenem hat das Duo gegen den Strich gebürstete, oft in halsbrecherischem Tempo vorgetragene Coverversionen im Gepäck. Was auch immer die beiden aufs tagesaktuelle Programm setzen: Die Auftritte von Voorand und Mälgand sind jedes Mal ein Feuerwerk an Temperament, Virtuosität und Humor − gute Laune garantiert!

Kadri Voorand – voice, effects, piano, violin
Mihkel Mälgand – bass


Alfa Mist

(Sparks & Visions, 20.01.2024, 22:00)

Wo sich auf dem letztjährigen Sparks & Visions-Festival Kamaal Williams als Vertreter der New London Jazz-Beatmaker die Ehre gab, übernimmt diesjahr Alfa Mist diese Rolle. Der unter dem bürgerlichen Namen Alfa Sekitoleko Geborene verdiente sich im Teenageralter seine musikalischen Sporen als Grime- und Hiphop-Produzent, bevor er sich selbst das Klavierspielen beibrachte. Zu seinen Idolen zählt er neben Miles Davis vor allem Hollywood-Komponist Hans Zimmer. Kein Wunder, dass Alfa Mists 2015er-Debüt-EP Nocturne, ein Jazz-inspirierter Flirt mit TripHop, NuSoul und Spoken Word, etwas verwunschen Soundtrackhaftes eignet.

Auf seinem aktuellen, mittlerweile fünften Album Variables besticht der Nordlondoner mit üppigem Bigband-Swing, als hätte es Breakbeat, Mixtapes und alles, womit sich der neue London Sound sonst so brüstet, nie gegeben. Doch je tiefer man in Variables vordringt, desto mehr Clubgrooves nimmt man wahr, die sich allesamt um die Frage nach nurture vs. nature spinnen. Mit seinen ersten Alben, so der Musiker, hätte er sich darauf fokussiert zu klären, wer er sei. Nun sei es ihm darum zu tun, herauszufinden wo er stehe – und vor allem: wie er dorthin gekommen ist.

Seine philosophischen Betrachtungen hüllt der meisterhafte Beatfrickler in luxuriöse Klanggewänder, gewoben aus dem nachlässig-smoothem Flow seiner introspektiven Poesie, unterlegt mit mal romantisch-reduzierten Akustikgitarrensounds, mal mit der satten Opulenz von Bläsern und Streichern, wobei ihm der Brückenschlag von klassischem Clubjazz zu laid back HipHop, von Spiritual Jazz zu psychedelischem Afro Pop, von düstrem LoFi-Schlafzimmercharme zu prächtiger Orchestrierung gelingt, immer die gemeinsamen Wurzeln von Jazz und HipHop betonend. Schließlich wusste schon Quincy Jones: If you’re really into jazz, there’s no way to dislike hiphop!

Alfa Sekitoleko – Keys
Jas Kayser – Drums
Johnny Woodham – Trumpet
Jamie Leeming – Guitar
Kaya Thomas-Dyke – Bass, Vocals


Evi Filippou & Robert Lucaciu

(Sparks & Visions, 20.01.2024, 11:00)

Der dritten Festivaltag von Sparks & Visions ist dieses Jahr im Geiste einer Matinée angelegt. Diese wird eröffnet durch ein dynamisches Duo, das von der griechischen Vibraphonistin Evdoxia „Evi“ Filippou und dem deutsch-rumänischen Kontrabassisten Robert Lucaciu gebildet wird. Allein die künstlerische Verflechtung ihrer jeweiligen kulturellen Hintergründe bildet ein wohltemperiertes Potpourri aus der lebendigen Tradition des Balkans und der kosmopolitischen Entwicklung zeitgenössischer europäischer Musiklandschaften.

Neben ihrem Quintett inEvitable, dessen Album als bestes Debütalbum mit dem Deutschen Jazzpreis 2023 ausgezeichnet wurde, spielt Filippou in Zweierformationen wie dem ff duet mit der Singer/Songwriterin Katerina Fotinaki oder dem Duo blowslap mit dem Saxophonisten Hayden Chisholm.

Solokonzerte führten sie beispielsweise 2020 zum Klaeng-Festival in Köln, während sie selbst seit 2021 das Berliner Festival Bitches Brew organisiert. Lucaciu spielt in den Formationen PLOT und Nautilus, in seinem eigenen Projekt Fallen Crooner und ist auf Platten von renommierten Jazz-Künstler*innen wie Günter Baby Sommer oder Arne Jansen zu hören. 2023 wurde er mit dem Kathrin-Preis der Kategorie „Kathrin Lemke Scholarship for Young Jazz Improvisers“ ausgezeichnet.

Gemeinsam entspinnen Filippou und Lucaciu ihre Improvisationen wie einen zarten Tanz, mal einander eng umschlungen, dann wieder losgelöst der eigenen Melodie nachgehend, ineinander übergehend, nur, um sich gleich darauf wieder voneinander zu trennen, um Momente von Freude, Trauer und all der undefinierbaren Räume dazwischen letztlich doch miteinander – und dem Publikum – zu teilen.

Evi Filippou – vibraphone
Robert Lucaciu – bass


Tord Gustavsen Trio

(Sparks & Visions, 21.01.2024, 12:30)

Für einen unvergesslichen Matinée- und damit gleichzeitig Festivalabschluss zeichnet diesjahr das neue Trio des norwegischen Pianisten Tord Gustavson verantwortlich, der – sekundiert von Steinar Raknes am Bass und Jarle Vespestad am Schlagwerk – hier nicht nur die Tasten drückt, sondern auch allerlei Elektronika an Bord hat. Gemeinsam entwickeln die drei Musiker die für Gustavsens Musik charakteristischen Elemente weiter und schlagen dabei auch den einen oder anderen bislang nicht begangenen Weg ein.

Unter dem Titel „Opening“ wird das Album im April 2024 als erste Trioaufnahme Gustavsens mit Raknes am Bass erscheinen, der sich in das erprobte Zusammenspiel der Kernbesetzung nahtlos einfügt.

Die zart-forschende Gruppendynamik stellt so manche Frage in den Raum, wirft so manches Geheimnis auf, die auf unerwartete Weise beantwortet und das in ganz eigenem Tempo enthüllt wird, sodass man fast schon von introspektivischer Klangforschung sprechen könnte. „Der Drang, etwas zu sagen“, so der Pianist, „sei es abstrakt oder lyrisch, muss von innen kommen“.

So habe es sich bei den Aufnahmen besser, natürlicher, kurz: richtiger angefühlt, „zuerst zu atmen, die Klanglandschaften auf organischere Weise aufzuspannen und die Melodien gewähren zu lassen, wenn sie von selbst kommen wollen“. Wenn Gustavsen seinen mikroskopischen Fragmenten, kurzen Akkordketten und bedacht sparsamen Motiv-Andeutungen alle Zeit der Welt lässt, sich zu entwickeln, nimmt das Publikum in Echtzeit daran teil. „Das“, erklärt er, „habe ich in Solokonzerten in letzter Zeit oft gemacht: Themen aus der Dunkelheit einfach auftauchen lassen, bevor sie wieder fast unbemerkt in die schattige Unterströmung abtauchen.“

Damit gelingt es ihm, ein authentisches Nordic Jazz Feeling zu kreieren, das neben aller Melancholie immer durch ein großes Maß an Wärme besticht, die ans Herz geht und mit einem wohligen Gefühl in den Rest-Sonntag entlässt.

Tord Gustavsen – piano, electronics
Steinar Raknes – bass
Jarle Vespestad – drums


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Sparks & Visions 2023


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