Albie Donnely’s Supercharge: Blues-Club Baden-Baden 2023 (Live)


Albie Donnelly’s Supercharge

Datum: 11.11.2023
Venue: Blues-Club Baden-Baden
Show: European Tour 2023
Website: Supercharge
Autor/Fotograf: Jörg Neuner


Line-up | Supercharge

Albie Donnelly – tenor sax, vocals
André Tolba – guitar, vocals
Jürgen Wieching – bariton sax, vocals
Thorsten Heitzmann – trombone, vocals
Sascha Kühn – keyboard
Wolfgang Diekmann – bass
Uwe Petersen – drums


Setlist (ungefähr) | Supercharge

Rocket 88
Gagster Of Love
Natural Ball
Last Two Dollars
Choo Choo Cha Boogie
Boogie Thing
Whisky Drinkin’ Woman
Lovin’Cup
She’s Got The Money
A Good Fool Is Hard To Find
Mellow Saxophone
Don’t Worry About A Thing
Comin’ Home
Caravan
Caledonia
Happy Birthday Blues

Encore

Hoochie Coochie Man
Jump Jive An’ Wail


Die nächsten Konzerte von Supercharge:

25.12. Jazzclub, Thalwil, CH
27.12. Club, Heiligenhaus
28.12. Laboratorium, Stuttgart
29.12. Hirsch, Metzingen
24.02. Sunset Event Location, Kerstenholz, CH
25.02. Spectrum, Augsburg

Weitere Konzerte auch der anderen Projekte von Albie Donnelly auf www.superchargeonline.eu


Konzertbericht

Sahnetorte und Kirschkuchen

Die Band ist noch backstage, aber die Bühne ist schon reichlich gefüllt ― über die ganze Breite wächst ein Wald von vier doppelten Mikrophonen. Am rechten Rand fügt sich eine Posaune auf ihrem Ständer unauffällig in das Dickicht ein. In der Mitte steht ein respekteinflößendes Bariton-Saxophon zwischen dem dürren Gezweig wie eine hundertjährige Eiche im Birkenhain. Das rote Keyboard ganz rechts wirkt dagegen puppig. Im Hintergrund steht die mächtige Burg des Drumkits, gekrönt von einer weitläufigen Dachlandschaft aus Cymbals und HiHats. Die Bassdrum gibt Auskunft über den Burgherrn:

Albie Donnelly’s Supercharge

Donnelly und seine Mannen erscheinen und komplettieren das Instrumentarium. Der Meister selbst mit seinem mächtigen gravur-verzierten Tenor-Saxophon. André Tolba mit einer Telecaster ― normalerweise der Platzhirsch auf dieser Bühne, wirkt die Gitarre heute fast exotisch zwischen dem vielen Blech. Die Verteilung der übrigen Blasmusiker ist optisch sehr eindeutig geregelt ― Jürgen „Big Jay“ Wieching verfügt über die gleiche herausragende Statur wie sein Saxophon und Thorsten Heizmanns Posaune würde sich in seinen Händen wahrscheinlich verformen wie Trinkhalme, die zu lange im Gin-Tonic standen. Wolfgang „Bolle“ Diekmann bringt einen roten 5-Saiten-Bass und Sascha Kühn klemmt sich hinter das Keyboard. Uwe Peterson erklimmt die Drum-Burg.

Supercharge

Drei Mann holen Luft und das Dach des Löwensaals hebt sich um einen guten Meter ― und wird genau dort bleiben bis zur letzten Zugabe.

Supercharge sind keine Leisetreter

Der Blues-Club ist seit 23 Jahren nicht unbedingt verdächtig, Leisetreter zu buchen für die ca. 10 Konzerte im Jahr. Aber der Schalldruck, der heute gleich mit dem ersten Takt aus den Boxen bläst, ist eine Nummer für sich ― Rocket 88. Mindestens…

Verkehrte Welt heute, könnte man meinen. Im Löwensaal haben üblicherweise die Gitarren die Lufthoheit, von melodiös über sägend bis krachend. Und manchmal gibt es eine Horn-Section als bereichernde Kirsche auf die Sahnetorte obendrauf.

Weniger Blues oder Blues-Rock heute. Aber 130 Ticket-Reservierungen für den heutigen Abend: Blues-Club-Rekord.

Supercharge steht seit nunmehr 50 Jahren für gutlaunigen tanzbaren R&B und Swing, dominiert vom Saxophon und der sonoren Stimme des schwarzbärtigen Charakter-Kopfes Albie Donnelly und begleitet von kräftiger Blechlawine. In derartigen Konstellationen ist die Gitarre normalerweise akustisch eher nicht so wirklich wahrnehmbar…

In der zweiten Nummer Gangster Of Love wird da gleich mal etwas klargestellt ― Tolba geht mit einem knackigen, unverzerrten Gitarren-Sound in einen Dialog mit den Bläsern und es hört sich nicht so an, wie das Verhältnis 1:3 aussehen mag.

Das nächste Stück mit einem jazzigen Posaunen-Solo von Heizmann wird dann in Donnelly-typische höchste Saxophon-Töne getragen. Peterson am Schlagzeug ändert den Kurs Richtung Rock und landet den Vogel mit den Drumsticks wieder sicher am Boden.

Immer wieder gibt es den Kontrast zwischen den kraftvollen Bläsern, die für den Groove sorgen und der warmen Stimme von Donnelly, der dann auch in die launigen Geschichten in seinen Texten einführt und das Publikum mitnimmt.

Die Truppe ist dabei bestens eingespielt. Die drei Bläser untereinander sowieso, vierstimmiger Gesang sorgt für swingende Harmonien. Aber auch die einzelnen Instrumente brillieren immer wieder solo und im Wechsel untereinander. Ein Break aus vollem Gebläse wechselt zu tiefen Gitarrenlicks, geht über in ein Midtempo-Keyboard-Solo, das dann von den Bläsern wieder auf Hochtouren gebracht wird.

Im Laufe des Abends wird Tolba für mich zum heimlichen Helden der Show. Immer wieder bekommt er den Freiraum für unerwartete Rock-Einlagen. Oder auch ein Schuss Exotik: im Laufe eines Solos streicht er die Gitarren-Seiten mit dem Bogen. Das hat man zwar schon gesehen hier, aber nicht mit dem Mikro-Ständer als Bogen, an dem er die Gitarre gefühlvoll entlangführt.

Vor dem Ende des ersten Sets gönnen sich die die Bläser schon mal eine Verschnaufpause und überlassen Tolba die Bühne, die er in bester Chuck-Berry Manier zusammen mit Bass, Keys und Drums so richtig rockt.

Danach gibt es weitere Swing-Klassiker wie Caledonia, das abermals mit einem Donnelly-Solo-Höhenflug abhebt. Oder anspruchsvoll jazziges mit Caravan, das sich mit seinem jammigen Charakter für ein Schlagzeug-Solo anbietet – Peterson beginnt ganz unauffällig auf der Snare und man sieht es seinen Bewegungen gar nicht wirklich an, wie er sich mit Tempiwechseln über das ganze Drum-Kit ausweitet und es aus allen Richtungen kracht.

Auch Diekmann bekommt exklusive Sendezeit für seinen Bass und präsentiert am Bühnenrand in einem eigenen Stück die ganze Bandbreite von typisch stoisch über knackig-rockig bis zu funkigem Slapping. Das Publikum ist alles andere als stoisch…

Letzte Nummer, Tolba übernimmt jetzt vollends die Regie und steigt mit einem ausgreifenden Schritt auf die Bass-Box vor der Bühne – angefeuert von der ganzen Band, die alle Register zieht und das Publikum weiter zum Kochen bringt. Fehlt nur noch der Stage-Dive.

Zugabe, Zugabe …

Ja, da wird es nochmal richtig bluesig mit dem Hoochie Coochie Man, bei dem Tolba überzeugend den Muddy gibt. Donnelly hat nochmal richtig Spaß am Mikrophon hat und bläst dann jede einzelne Note nach Hause.

Als vierstimmiges großes Finale beschließt Jump Jive An‘ Wail dieses etwas andere Konzert: ein fantastisch fruchtiger Kirschkuchen mit der Gitarre als Sahnehäubchen oben drauf – um bei dem vorherigen Bild zu bleiben.


Bildergalerie: Albie Donnely’s Supercharge


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