Biber Herrmann – Schüttekeller Bühl 2017 – Concert – Review

Konzertbericht und Konzertfotos //

Biber Herrmann - Schuettekeller Buehl  - 07.01.2017 © Joerg Neuner
Biber Herrmann - Schuettekeller Buehl - 07.01.2017 © Joerg Neuner

Konzertbericht und Konzertfotos 
Biber Herrmann am 7. Januar 2017 im Schüttekeller in Bühl
See one, listen to six – auf Grounded Tour 2017


Bühl (music-on-net) – Nur EIN Mann mit Gitarre. NUR… Aber wo anfangen?

Die Location: Schüttekeller im badischen Bühl. Traditionsreiche Kleinkunstbühne, auf deren 444. Konzert sich gerade ca. 70 Zuhörer freuen. Wunderschönes altes Natursteingewölbe. Auch das Publikum ist schon etwas gereift.

Das bringt uns zum Thema des Abends: Folk, Blues, Singer-Songwriter. Hat sich bei den Kids halt noch nicht so durchgesetzt. Noch dazu praktisch ganz unelektrisch.

Auf der Bühne: ein Hocker, ein Mikro, ein Ständer mit vier sehr benutzten Akustik-Gitarren und Lücke für eine weitere. Mini-PA.

Auftritt Biber Herrmann mit der fünften Gitarre am Arm, relaxt, freundlich, unaufgeregt. Platziert sich auf dem Hocker, erzählt kurz die Geschichte zum ersten Song aus eigener Feder und legt los, die Stimme von hell und rauchig bis weich und tief.

Vor dem zweiten Stück – Maggie’s Farm – erfahren wir seine persönliche Beziehung zum Blues. Der hätte durchaus auch hierzulande entstehen können, denn die harte Arbeit in steilsten Weinreben ist dem Baumwollpflücken im Mississippi-Delta gar nicht unähnlich. Biber entstammt einem kleinen Weinort im Rheingau und einer Musiker-Familie. Die Musik hat sich letztlich durchgesetzt, der Blues blieb und motiviert ihn immer wieder, die Geschichten des Lebens in faszinierenden Liedern auszudrücken.

Mit seinen verschiedenen Gitarren arbeitet er sich mühelos durch alle Spielarten des Folk and Blues. So wie er es auch tat bei den Vorträgen des legendären Konzertveranstalters Fritz Rau. Der schilderte, wie er zuerst den Blues, dann die Rolling Stones und danach alles, was daraus entstanden ist, in alle Winkel von Europa brachte. Wenn Herrmann loslegt wird das alles sehr präsent.

Vor allem, wenn er bei den alten Klassikern von Muddy Waters oder Willie Dixon zu seiner 92 Jahre alten Resonator-Gitarre greift. Kind Heart Of Woman Blues, Got My Mojo Working, Little Red Rooster, Going Up The Country … Die Finger Wirbeln, das Bottleneck streichelt das Griffbrett, mit einer Wahnsinns-Präzision und – eben Leichtigkeit. Im dicksten Geschnarre und Scheppern von Can’t Be Satisfied klingt da mal zart und hell eine Türglocke durch. Saiten nachstimmen kann man übrigens auch IM Lied…

Zwischendrin gibt es immer wieder die Singer-Songwriter-Geschichten, die ihn so bewegen. Ob das ein kleines Mädchen mit fiesen Eltern im Zoo ist, eine Kettensäge im Südbadischen oder eine Nonne mit nicht ganz keuscher Aura – da geht einer mit offenem Herzen durch die Welt und hält ihr mit seiner Musik den Spiegel vor. Sehr bewegend.

Herrmann spielt ohne Plektrum im Finger-Style-Picking, das er so sensationell zelebriert und das man erst live so richtig genießen kann; wer weiß schon, wie viele Tracks auf der CD da so übereinander liegen.

Aber auf der Bühne sitzt eben NUR der eine und der spielt gerade auch nur EINE der vielen Gitarren. Das teils fachkundige Publikum lauscht gebannt, wie die Leadgitarre mit der Melodie beginnt, sich der Bass auf dicken Saiten dahinter schleicht, die Rhythmusgitarre dazukommt und das Arrangement Fahrt aufnimmt. Dann noch der eine oder andere Schlag auf den Korpus für das Schlagzeug plus Bluesharp plus Gesang. In Just Wanna Make Love To You gipfelt das dann im Solo aller Instrumente – gleichzeit und auf EINER Gitarre…! Es geht aber auch mit dem Plektrum: Nicht so vielschichtig, aber bei Kind Hearted Woman Blues kommt dann dafür ein irrer Speed und Bending dazu.

Leaving Town Blues als Zugabe fährt dann das Publikum wieder ein wenig herunter und gibt ihm die zentrale Botschaft des Blues mit auf den Heimweg: Jeder Abschied ist auch ein Neubeginn und du musst nur nach jeder Bauchlandung wieder auf die Füße steigen.

Und nein, er heißt natürlich nicht wirklich Biber.

Aber die Geschichte erzählt er am besten selbst bei Gelegenheit.

© Jörg Neuner


Tourdaten 2017

13.01.2017             Wunderbar Weite Welt, Eppstein – mit Anja Sachs u.A.

14.01.2017            Kulturkeller im Gensfleisch-Haus, Eltville am Rhein – mit Anja Sachs u.A.

02.02.2017           Kofferfabrik, Fürth

20.03.2017           Brauner’s Blues Corner, Trier

09.04.2017           Theater Nödelmann, Rödermark – Tribute to Fritz Rau

15.07.2017            Magic Bike, Rüdesheim


Line up

Biber Herrmann – Guitar, vocals, harp


Setlist

Set 1:

Angels In The Rain

Maggie’s Farm

Got My Mojo Working

Rain Of Love

Soviet Baby Blues

Rainbow Walker

Can’t Be Satisfied

Going Up The Country

 

Set 2:

I Will Find You

Lady Luck

Sweet Nun (Sister Act Revisited)

Hesitation

Kind Hearted Woman Blues

Little Red Rooster

No One Else Does

Just Wanna Make Love To You

 

Encore:

Leaving Town Blues

Sweet Georgia Brown


Konzertfotos | Biber Herrmann

Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner (music-on-net)

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