Tin Pan Alley – Blues-Club Baden-Baden – 2017 – Konzertbericht

Tin Pan Alley - Blues-Club Baden-Baden © Joerg Neuner
Tin Pan Alley - Blues-Club Baden-Baden © Joerg Neuner

Konzertbericht und Konzertfotos.
Tin Pan Alley am 23. September 2017 im Blues-Club, Schafberg Baden-Baden

Blues Handmade & Southern Rock


So schade es auch ist, dass sich der Sommer dem Ende zuneigt, so schön ist es, dass der Baden-Badener Blues-Club seine Pforten öffnet und zum Saisonstart auf den Schafberg einlädt. Seit 2009 eine lieb gewonnene Tradition, auch diesmal wieder mit open-air-freundlichem Wetter. Hinter der Bühne wird noch schnell ein Zelt abgebaut, um den Ausblick auf den Schwarzwald freizumachen – auf der Bühne präsentiert Blues-Club-Head Klaus Hartmann den Ausblick auf eine sehr spannende Saison 2017/18 (und diesmal habe ich mir Hazmat Modine im Mai gleich in den Terminkalender zementiert!).

Den Anfang macht heute Abend Tin Pan Alley aus der Pfalz. Dort tummelt sich die Band seit Ende der 70er, hat sich überregional einen soliden Ruf in der Blues-Szene erarbeitet, auch durch Zusammenarbeit mit Musikern wie Werner Lämmerhirt oder Louisiana Red. Die aktuelle Besetzung besteht seit 2013.

Frontmann Albert Koch wird gerne als Harp-Urgestein bezeichnet und er tut auf der Bühne absolut nichts gegen diesen Ruf; außer, dass er auch ein genialer Sänger ist, dessen rauhe Stimme heute noch etwas kratziger rüberkommt. Mit becherweise Tee versucht er die Erkältung über zwei Sets im Zaum zu halten. Noch brachialer auch ohne Erkältung singt Gitarrist Werner Steiner, der auch für einen guten Teil der Eigenkomposition verantwortlich ist. Ansonsten pflegt er eine sehr trocken-knackige Telecaster. Der andere Teil des eigenen Materials kommt von Knut Mauerer an den Keyboards, mit einem starken Hang zum Orgelsound. Für Drum & Bass sorgen Alberts Bruder Helmut Koch und Franz Schreiber, die irgendwo hinter dem Drumset einen Zigaretten-Automaten versteckt haben müssen.

Das erste Set kommt angekündigtermaßen als die komplette aktuelle CD daher. Aha – eher ungewöhnlich. Und irgendwie kommt dieser erste Teil auch – studiomäßig wäre übertrieben – aber doch etwas verhalten rüber. Obwohl sich vor allem Koch mit ganzer Kraft an die Harp hängt und von Erkältung nichts zu spüren ist. Aber es blitzen schon einige Juwelchen. In Crossroads ganz unten aus der Blueskiste kommt die Gitarre ganz besonders trocken und knackig herüber und Bad Dreams erzählt die Vorgeschichte von Leroy Brown mit Steiners Stimme, die ist meaner than a junkyard dog. Gegenstück dazu die sanfte Eigenkomposition In The Fields. Nach der Charlie Daniels Band schlägt Whipping Post den Bogen zum Southern Rock noch weiter ein. Dabei macht der zweite Koch mächtig Druck von hinten mit ordentlich Rahmenschlägen auf die Drums und Maurer orgelt ein ausgedehntes Solo.

Nach der Pause kommt deutlich mehr Fahrt auf, auch vor der Bühne. Nach der Premiere eines neuen Songs, Wanna take me home, kommen so einige Klassiker, bei denen die Stärke der Band besonders deutlich wird. Sie geben den Liedern ihre eigene Note durch ihr unglaubliches Zusammenspiel. Mit Koch und Steiner wird Jessica von den Allman Brothers zum schönsten Stück, das je für Harp und Gitarre geschrieben wurde – äh, das war doch damals das Keyboard und gab‘s da eine Harp?

Überhaupt die Allmans: Ramblin‘ Man und Midnight Rider mit träge schleppender Stimme und: ist da wirklich nur eine Gitarre am Werk? Jumping At Shadows spielt Steiner in der falschen in der falschen Tonart an und freut sich hinterher, dass der Rest trotzdem perfekt mitgespielt hat. In Mercedes Benz liefern sich Keyboard und Gitarre ein Duell, bevor sich der Roadhouse Blues in epische Längen zieht und sich alle nochmal richtig austoben – Steiner übernimmt das Solo von Maurers Orgel-Orgie, dann wirbelt Koch die Stöcke, die seine Rahmenschläge überlebt haben. Von Alberts Stimme ist nach der Joplin-Nummer nicht mehr so viel übrig, aber er gibt tapfer noch einen lasziven Morrison, bevor er den Rest in die Harp bläst.

Als Zugabe verschafft er sich dann von John Mayall noch etwas Room To Move, indem er mit der Harmonika sogar durch das Publikum wandert.

Jungs, ihr habt euch euer Bühnenbier verdient! Und ach ja: dreht die Sache doch mal um und macht aus eurem zweiten Set ein Live-Album.

© Jörg Neuner


weitere Konzertfotos Tin Pan Alley


Tourdaten 2017

07.10.2017     Bayrischer Hof, Lauterbourg (F)

11.11.2017      GVE, Enkenbach/Alsenborn

18.11.2017      Werstätten-Benefiz, Landstuhl

25.11. 2017     Zur Traube, Karlsruhe-Durlach


Line up

Albert Koch – vocals, harp

Werner Steiner – guitar, vocals

Knut Maurer – keyboards

Franz Schreiber – bass, cigarettes

Helmut Koch – drums, cigarettes


Setlist 

Set 1

Hamster Wheel

She’s Loving Money

Crossroads

No Place To Go

In The Fields

Bad Dreams

Junior’s Wailing

You Don’t Have To Lie (To Play The Blues)

Stormy Monday

Whipping Post

Maisy

Set 2

Jessica

Jumping At Shadows

Ex Man Shuffle

Help Me

Midnight Rider

She Feels Good

Stop Messin’ Around

Hooche Coochie Man

Oh Well

Mercedes Benz

When The Train Comes Back

Roadhouse Blues

Encore

Room To Move


weitere Konzertfotos Tin Pan Alley

facebook-profile-picture
Über mr.music-on-net 909 Artikel
Gerald Langer is the founder of music-on-net.com, music-on-net.de, music-on-net.photography. He is cooperating with other authors and photographers.

1 Trackback / Pingback

  1. Tin Pan Alley - Blues-Club Baden-Baden - 2017 - Konzertfotos

Kommentare sind deaktiviert.