Giant Sand³: Colos-Saal Aschaffenburg 2015 (Live)

Giant Sand³

Datum: 26.05.2015
Venue: Colos-Saal Aschaffenburg
Website
Autor/Fotograf: Gerald Langer

Line Up

Howe Gelb – guitar, keyboards and vocals
Maggie Björklund – steel pedal guitar
Gabriel Sullivan – guitars and vocals
Brian Lopez – guitars and vocals
Lovely Quinces – acoustic guitar and vocals
Peter Dombernowsky – drums
Thøger T. Lund – bass

Konzertbericht

Aschaffenburg (music-on-net) – Howe Gelb ist heute Abend mit seinem Americana-Kollektiv zu Gast im Colos-Saal. Für mich durchaus ein Grund, trotz großer Müdigkeit, die Kurzreise nach Aschaffenburg anzutreten. Dennoch scheint seine Band etwas an Anziehungskraft verloren zu haben, füllt sich der Aschaffenburger Club zwischen 19:00 und 20:00 wirklich nur sehr zögerlich. Gegen 20:15 betritt der amerikanische Singer-Songwriter die Bühne, spielt zwei Songs, die sogleich andeuten, wohin die Reise heute gehen könnte.

„May be I’m better with acoustic guitar“ spricht er nach verzerrtem Einsatz seiner kleinen E-Gitarre zum Publikum. „I open for the opener“ und „there are some folks in my band, who inspire me”.

Es folgt eine jeweils zwei eigene Songs umfassende Vorstellungsrunde seiner neuen Bandmitglieder. Brian Lopez, Gabriel Sullivan, beide begnadete junge amerikanische Singer-Songwriter mit sehr guter Singstimme, die Dänin Maggie Björklund an der Steel-Pedal-Gitarre, die Sounds zum Davonfliegen zaubert und die folkig angehauchte Kroatin Lovely Quinces an der Akustikgitarre.

Nach dem wirklich begeisternden Warm-Up und einer sich anschließenden viertelstündigen Pause geht es kurz vor 21:30 ans Eingemachte.

„Giant hoch drei“ Sand nennt der 59jährige Howe Gelb seine aktuelle Formation. Klingt ein bisschen kryptisch, erklärt sich aber über die Fortschreibung der Urformation von 1985 zu Giant Giant Sand (entspricht „Giant hoch zwei“) ab 2012 und erster deutlicher Erweiterung seiner Band auf zwölf aktive Mitglieder bei „Tucson – A Country Rock Opera“. Nicht alle, die zum Gelingen des aktuellen neuen Albums „Heartbreak Pass“ beugetragen haben, sind heute Abend mit dabei. Die Bühne hätte kaum ausgereicht. Das Septett ist musikalisch komplett, wird es doch bei zwei Songs vom deutschen Handtrommelspieler „Klaus“ zum Oktett erweitert. Ich bin mir recht sicher, dass mir Klaus mit seiner zerzausten Frisur wenige Minuten zuvor schon im Aschaffenburger Straßenverkehr auf seinem Fahrrad herumkurvend aufgefallen war. Und so klein ist Aschaffenburg nun auch nicht.

Wenn man Howe Gelb mit einem Maler vergleicht, schauen wir ihm heute Abend auf die Finger, wie er vor unser aller Augen und Ohren ein Kunstwerk schafft, dass es in seiner Einmaligkeit nur hier und auch heute so geben kann. Die Farben sind quasi die Töne, laute und leisere Songs kontrastieren im gesamten Set. Immer wieder denke ich dabei an Neil Young und Crazy Horse. Stimmlich erinnert Howe Gelb bei den eingestreuten ruhigen Songs allerdings mehr an den altersweisen Leonard Cohen.

Ein Kunstwerk im klassischen, nicht „warhol’schen“, Sinne ist auch nicht reproduzierbar, es bleibt besonders. Auch wenn ich selbst heute viele Fotos von Giant Sand³ mache, darüber hinaus diverse Filmkameras mitlaufen. Alles letztlich doch recht hoffnungslose Versuche, diese vielen einmaligen Momente einzufangen, die unter die Haut gehen.

Die Arbeitsweise von Giant Sand³ auf der Bühne entspricht wohl auch der im Studio. Anders lässt sich der Output an Tonträgern von Howe Gelb im Kontext all seiner Nebenprojekte kaum erklären.

Mut zur eigenen Unvollkommenheit, dafür immer wieder Neues probieren. Vor dem großen kommerziellen Erfolg immer wieder geschickt einen Haken schlagen.

Insofern wird mir heute Abend auch klar, warum sich die Wege von Howe Gelb und Joey Burns sowie John Convertino, die beide vor Jahren bei Giant Sand mitspielten und später Calexico gründeten, trennen mussten. Es ist der unterschiedliche Perfektionsanspruch. Calexico, die ich ebenfalls sehr schätze, haben im Hinblick auf ihre Verkaufszahlen sicherlich einen deutlich größeren Erfolg als Howe Gelb und seine diversen Projekte. Joey Burns hätte eine fast durchgehende Brummstörung an seiner Monitorbox wohl kaum so entspannt hingenommen, Howe Gelb weiß eine solche Unzulänglichkeit in sein laufendes Set einzubauen und am Schluss auch noch fast künstlerisch zu veredeln.

Der Colos-Saal ist mittlerweile gut gefüllt, das Publikum gierig auf Mehr. Eine packende Cover-Version von Springsteen’s Tom Joad hier, As Time Goes By dort.

Erst kurz vor 23:30 ist dann mit dem Zugabenset auch mein erstes Giant-Sand-Konzert – aber hoffentlich nicht mein letztes – vorbei.


Bildergalerie | Giant Sand



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Last Updated on 15/04/2023 by mr.music-on-net

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