Christopher Hale: Ritual Diamonds (Sounds)


© Christopher-Hale_Ritual-Diamonds_2023_album_cover_earshift music
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Christopher Hale

Album: Ritual Diamonds
V.Ö.: 03.03.2023
Label/Vertrieb: Earshift Music
Format: CD, Digital


Tracklist

Flamenco 6:37
Ch’il ch’ae (for Kim Juhong) 6:21
Radio Mori 5:50
Minor Diamonds 6:31
Topollim Sketches 6:59
Ritual Diamonds (for Kim Junghee) 2:52

fett – mein Lieblingstrack


Line-Up

Christopher Hale – bass guitar, baritone guitar, acoustic & electric guitars, kkwaenggwari, ching, percussion

Minyoung Woo – changgo, kkwaenggwari, p’aram, percussion

Jamie Oehlers – tenor and soprano saxophones

Andrea Keller – Rhodes, piano

Simon Barker – drums, mujing 

Chloe Kim – cymbals, percussion (Track 2) 

Nadje Noordhuis – trumpet (Track 3, 4)


Credits

Produced by Christopher Hale

Recorded on Wurundjeri land by Lachlan Carrick at Sing Sing, James Gilligan at Forum Arcade, and Gadigal land Richie Belkner at Free Energy Device.
Mixed and Mastered by Lachlan Carrick at Moose Mastering.

All music composed by Christopher Hale except Track 6, devised and arranged by Hale and Woo Minyoung.


Rezension (Album)

Was für ein feines Album von Christopher Hale hat mich vor einigen Wochen als CD erreicht!

Erst einmal hatte ich, wie so oft, keine Muse gefunden, mir Ritual Diamonds zu Gemüte zu führen. Das Wochenende stand dann aber ganz im Schatten dieses spannenden, gerade einmal sechs Tracks umfassenden, Tonträgers.

Christopher Hale gilt als einer der angesehensten, besonders der Improvisation zugeneigten Musiker Australiens, als „australisches Jazz-Schwergewicht und als brillanter, bahnbrechender Komponist“ (Rhythms Magazine).

Davon kann man sich anhand dieses Albums, Christopher Hale’s erster Veröffentlichung auf Earshift Music, während gut 35 Minuten Laufzeit überzeugen.

Bis auf den finalen Track Ritual Diamonds stammen alle Kompositionen aus der Feder des Multiinstrumentalisten, der in der koreanischen Percussionistin Minyoung Woo eine kongeniale Partnerin gefunden hat.

Das Salz in der Suppe der vielschichtigen Kompositionen ist häufig das über den vertrackten Rhythmen schwebende Saxophonspiel Jamie Oehlers bzw. die Trompete von Nadje Noordhuis, sowie akzentuíerte Bass- und Gitarrenläufe Christopher Hale’s.

Ritual Diamonds geht auf eine Begegnung Christopher Hale’s mit Minyoung Woo in Korea zurück. Hale, selbst Hochschullehrer, studierte daraufhin traditionelle koreanische Trommelpraktiken.

Auf dieser Veröffentlichung überlagert sich der musikalische Erfahrungsbereich des Australiers, der sich viele Jahre zuvor auch schon intensiv mit dem spanischen Flamenco auseinandergesetzt hat, mit dem Rhythmusverständnis der Koreanerin.

Von Ritual Diamonds geht eine Suchtgefahr aus, der ich mittlerweile gänzlich erlegen bin. Um die vielen Feinheiten zu entdecken, empfehle ich insbesondere das Hören über Kopfhörer.

Das herzliche Lachen Woo’s vor dem Titel gebenden short track und am Ende dieser kurzweiligen jazzigen Hörreise lässt erahnen, wie unangestrengt die Atmosphäre bei den Aufnahmen im Studio gewesen sein mag.

Das Gesamtwerk ist dennoch perfekt.

© Gerald Langer


Christopher Hale zur Musik von Ritual Diamonds

Flamenco

Mir ist, als hätte ich diesen langen Rhythmuszyklus geträumt: ein verschwommener, vom Flamenco inspirierter Compás, gebrochen wie durch ein Prisma. Die Spannung und Entspannung des Rhythmus steigt und fällt in Wellen, angeführt von einer Melodie, die sich um sich selbst dreht und faltet. Theo Carbo spielt ein wunderschönes, Gitarrensolo in der Harmonie. Jamie Oehlers konstruiert eine geniale Coda über Simon Barkers knisterndem Schlagzeug-Groove.

Ch’il ch’ae (for Kim Juhong)

Ch‘il ch‘ae ist ein berühmter Rhythmus unter Musikern in Korea, ein langer Zyklus, der im Samulnori-Trommelstil vorkommt. Er ist tiefgründig und multidimensional. Hier bauen wir eine Welt neuer, ineinandergreifender Rhythmen, die von dieser erstaunlichen Form inspiriert sind – hypnotische Grooves mit einer fast psychedelischen Atmosphäre. Dieses Stück ist dem Meistertrommler und Sänger Kim Juhong von der Gruppe Noreum Machi gewidmet, der mich zum ersten Mal mit Ch‘il Ch‘ae bekannt machte.

Radio Mori

Dieser Rhythmus setzt archetypische Elemente der Trommelsprache aus der rituellen Zeremonie des Donghaean Pyŏlshing Kut wieder zusammen. Minyoung lernte diesen komplexen Stil vom Meistertrommler Kim Junghee und kreiert hier ihre eigenen, einzigartigen Variationen in einem langen und verschlungenen rhythmischen Fluss, zusammen mit Bowie-esken klirrenden Gitarren und einer täuschend einfachen Melodie, die sich über den gesamten wechselnden Rhythmus ausdehnt und zusammenzieht.

Minor Diamonds

Hier kommt Andrea Kellers Rhodes auf Minyoungs sanft hüpfendem Changgo-Feeling zum Einsatz. Der Song gipfelt in einer großen, euphorischen Coda, in der Nadje Noordhuis‘ erhabenes Spiel mit Simon Barkers donnerndem Schlagzeug anschwillt. Zu dieser Struktur kehre ich häufig zurück – ich baue eine Komposition auf eine abschließende, sich wiederholende Melodie, die ein emotionales Potenzial erfüllt: teils Strawinsky, teils Kate Bush.

Topollim Sketches

Hier bezieht sich Minyoung auf ein rhythmisches Motiv aus Kyŏnggi Dodang Kut, einer rituellen Zeremonie, bei der weibliche Mudang (Schamanen) auftreten. Das Stück durchläuft drei Episoden, die von diesem Rhythmus inspiriert sind, und versucht Türen zu neuen emotionalen Räumen zu öffnen.

Ritual Diamonds (for Kim Junghee)

Dies ist die intensivste und komplexeste unserer Rhythmus-Chiffren. Minyoung und ich haben dieses kurze Stück entwickelt, indem wir all die verschiedenen Elemente unserer gemeinsamen Prozesse zusammengeführt haben: Die Grundlage des Ch’il ch‘ae wird überlagert von schnellen, sich wandelnden mathematischen Sequenzen, von Flamenco inspirierten Zyklen und neu interpretierten Wendungen der rituellen Rufe des Donghaean Pyŏlshin Kut.

Mit intensiver Virtuosität und erstaunlicher Geschwindigkeit fügt Minyoung archetypische rituelle Codes zu völlig einzigartigen Variationen zusammen, die einer australischen Technik zur Organisation von Rhythmen folgen: Greg Sheehan’s Number Diamonds. Im Kontext des koreanischen Schlagzeugspiels ist dies eine verblüffend originelle und geniale Darbietung, die in diesem Stil beispiellos ist.

Dieses Stück und das Album sind dem großen Schamanentrommler Kim Junghee gewidmet, einem monumentalen Künstler und einem sehr freundlichen und offenherzigen Menschen, der leider 2019 verstorben ist.

Quelle: Antje Huebner, www.hubtonepr.com


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