2. Würzburger Gitarrenfestival 2026 im Rückblick

Das 2. Würzburger Gitarrenfestival bietet an zwei Abenden abermals Vielfalt auf sechs Saiten



Festivalbericht

Es ist manchmal schon beängstigend, wie die Zeit vergeht. Das 1. Würzburger Gitarrenfestival mit all seinen seinen Konzerten klingt noch immer etwas nach, schon lädt Tommi Neubauer und der Keller Z87 zur angekündigten zweiten Runde.

Auch das 2. Würzburger Gitarrenfestival stellt unter Beweis, dass die Gitarre nicht lediglich ein Musikinstrument ist, sondern ein ganzes Universum sein kann.

An zwei Abenden treten sechs Acts auf, deren Stilpalette von Fingerstyle, Blues und Gypsy Swing über Flamenco und Klassik bis zu Jazz und Weltmusik reicht.

Das Festival versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Veranstaltung eines einzelnen Genres, sondern als Begegnung unterschiedlicher Klangsprachen auf einer Bühne.

Der abendliche Spielplan bietet jeweils ein gelungenes musikalisches „3-Gänge-Menü“.

Als „Vorspeise“ gibt es regionale Künstler:innen, danach national anerkannte Könner:innen ihres Faches. Zum Nachtisch folgen Instrumentalisten, die einen – zumindest biografisch – internationalen Hintergrund haben.

Freitagabend

Den Auftakt am Freitag bilden die Stringtime Travellers um Gitarrist Markus Kohlprath. Das siebenköpfige Ensemble verbindet virtuose Gitarrenmusik mit Cello, Akkordeon und Gesang. Genregrenzen und kennen die „Hettstädter“ nicht. Paco de Lucia findet sich im Programm, als auch Sting, der just an diesem Tag seinen 75. Geburtstag feiern darf.

Danach übernimmt Bad Temper Joe die Bühne. Der ostwestfälische Gitarrist und Sänger, Gewinner der German Blues Challenge und Finalist der International Blues Challenge in Memphis, bringt den Mississippi-Delta-Blues in den Keller Z87. Seine Stimme rauh, sein Gitarrenspiel, überwiegend auf seiner Lapsteel, präzise.

Ein breitkrempiger Hut, die langen Beine in gepflegten Wildlederstiefel steckend, irgendwie passt auf das Äußere zum trockenen Humor dieses betont lässigen Saitenzauberers.

Den ersten Abend beschließt der tschechische Gitarrist Ladislav Pazdera.

Seine Musik bewegt sich zwischen Fingerstyle, Jazz und Klassik, nimmt dabei Einflüsse aus verschiedenen Ländern und Kontinenten auf. Seine atmosphärischen Klanglandschaften entfalten sich langsam.

Selten habe ich jemanden so ausgiebig seine Gitarre stimmend erlebt, wie diesen sympathischen Musiker, der seit einigen Jahren in Dresden zuhause ist.


Hörtipp


Samstagabend

Der Samstag beginnt temperamentvoll mit Agua y Vino. Das Würzburger Duo verbindet Gitarren, Gesang und Flamenco-Tanz zu einem sehr lebendigen Programm.

Die Tanzperformance ist dabei kein Beiwerk, sondern integraler Bestandteil der Musik. Das Publikum erlebt eine rhythmusbetonte Reise durch Spanien und Lateinamerika, zwischen Melancholie, Leidenschaft und überschäumender Lebensfreude.

Anschließend tritt Biber Herrmann auf, sicherlich einer der profiliertesten Vertreter der deutschen Folk- und Blues-Szene.

Bei ihm verschmelzen Gitarrenspiel, Songs und Geschichten zu einem sehr persönlichen Bühnenprogramm.

Seine Präsenz beruht auf Ruhe, präziser Beobachtung und der Fähigkeit, im Blues sowohl Tradition als auch Gegenwart hörbar zu machen. Es selbst sieht sich weniger als ausgesprochenen Bluesmusiker als diejenigen, die ihn gerne nur einem Genre zuordnen möchten.

Dieser Meister auf sechs Saiten ist am 20.11.2026 nochmals in der Region zu Gast, nämlich bei einem der exklusiven Darstädter Gitarren-Konzerten der musik-butik.


Lesetipp


Den krönenden Abschluss bildet die Würzburger Premiere des chinesischen Gitarristen und Komponisten Jaco Liu.

Liu zählt zu den spannendsten Vertretern der jungen internationalen Fingerstyle-Szene. In seinen Eigenkompositionen verbindet er Rock, Pop und Jazz mit Melodien und Klangfarben ostasiatischer Musiktraditionen.

Mit seinem Album „Soliloquy“ präsentierte er in Würzburg erstmals ein Album mit überwiegend eigenen Stücken.

Was Liu besonders macht, ist seine Fähigkeit, die Akustikgitarre als komplettes Klanginstrument zu behandeln.

Melodie, Bass, Rhythmus und Perkussion entstehen gleichzeitig unter seinen Händen. Er schlägt auf Korpus und Saiten, erzeugt dabei perkussive Effekte. Die Musik wirkt kraftvoll, atmosphärisch und zugleich intim. Liu beweist, dass Fingerstyle nicht bloß eine Akrobatik der rechten Hand ist.

Der Musikstudent aus Dresden ist erst 22 Jahre jung. Man muss kein Prophet sein, um ihm eine glanzvolle musikalische Karriere vorherzusagen. Er ist ein außerordentlich talentierter „Überflieger“.

Hört ihn auf seinen beiden Alben Soliloquy (2025) oder Seventeen (2021). Noch überzeugender ist er allerdings „live“.

Resümee des Würzburger Gitarrenfestivals 2026

Das 2. Würzburger Gitarrenfestival war auch in diesem Jahr mehr als eine Aneinanderreihung von Konzerten.

Es zeigte, wie variantenreich eine Gitarre eingesetzt werden kann – als Begleitinstrument, als Soloinstrument, als Rhythmusmaschine und als Erzählerin kultureller Grenzräume.

Der größte Verdienst des Festivals lag abermals in seinen Kontrasten. Flamenco traf auf Delta-Blues, Klassik auf Gypsy Swing, und mit Jaco Liu stand am Ende ein Musiker auf der Bühne, der die Grenzen seines Instruments neu verhandelte.

Der Keller Z87 erwies sich dabei erneut als idealer Spielort des Gitarrenfestivals Würzburg. Klein genug für Intimität, groß genug für klangliche Entfaltung.

Wenn das Gitarrenfestival diese Offenheit beibehält, dürfte es sich in der regionalen Konzertlandschaft rasch als feste Adresse für Gitarrenmusik etablieren.

Dazu bedarf es zweifellos noch mehr interessierter Musikliebhaber:innen. Hier ist gewiss noch Luft nach oben.

© Gerald Langer


20261002 Stringtime Travellers Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 44 1


20261002 Bad Temper Joe Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 24


20261002 Ladislav Pazdera Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 11


20261003 Duo Agua Y Vino Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 115


20261003 Biber Herrmann Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 61 1


20261003 Jaco Liu Gitarrenfestval Wuerzburg Keller Z87 © Gerald Langer 49 1