29. Jazzfestival Würzburg 2013 – Rückblick

Konzertbericht und Konzertfotos.
Das 29. Jazzfestival Würzburg vom 26. Oktober bis 27. Oktober 2013 im Felix-Fechenbach-Haus.
“A Walk On The Wild Side”


Würzburg (music-on–net) Der Jazz hat’s nicht sehr leicht in Deutschland. Er findet häufig in kleinen Clubs und Kellerkneipen statt, trifft dort auch auf seine Klientel an Bewunderern.

Natürlich gibt es auch einige Festivals, das bekannteste das Deutsche Jazzfestival, das seit 1953 in Frankfurt am Main zelebriert wird. Vom 24. Oktober bis 26. Oktober 2013 – also fast zeitgleich – fand in diesem Jahr die 44. Ausgabe des ältesten deutschen Jazzfestivals statt. Das Würzburger Jazzfestival ist vom Format her einfach nur etwas kleiner. Zwei Abende im Würzburger Felix-Fechenbach-Haus mit Musik, die abseits der Massentauglichkeit dem Zuhörer die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen, in unterschiedlichem Maße abfordern – Jazz Made in Germany.

Ja, „Kunst ist anstrengend“ und will eben nicht immer nur fertig konfektioniert unterhalten. Jazz auf der Bühne lässt uns in einem besonderen Maße an dem interaktiven Entstehungsprozess von Tönen und Tonfolgen teilhaben. Manches Werkstück ist dabei noch weitgehend unbearbeitet, ein anderes hat klarere Formen angenommen und wird auf der Bühne zur Freude aller hoch poliert zum Klingen und Staunen gebracht.

26. Oktober 2013

Die drei musikalischen Beiträge des ersten Abends weisen als gemeinsames Charakteristikum sehr wohl – wie angekündigt – Frauenstimmen auf und werden somit über dieses Merkmal auch erst einmal zusammen gehalten. Letztlich sind sie doch von ganz unterschiedlicher Natur. Das Würzburg Art Ensemble hat sich der Improvisation in besonderem Maße verschrieben und orientiert sich im Spannungsfeld des mittlerweile aufgelösten Vienna Art Orchestras und an Frank Zappa. Versöhnliche Klänge und weniger fordernd sicherlich der glänzende Auftritt des Cécile Verny Quartets aus Freiburg, welches das aktuelle Album Fear & Faith präsentiert. Mit Pegelia Gold + Art Zentral betritt ein Paradiesvogel die Bühne, der bei aller Verspielt- und Verträumtheit das sie begleitende Ensemble doch im Verborgenen dirigiert und dabei sehr spannende Momente entstehen lässt. Ein kleines bisschen nur Robert Fripp Meets Björk.

27. Oktober 2013

Den zweiten Festivalabend eröffnet das Würzburger Trio Drei, welches sparsam instrumentiert Eigenkompositionen mit Neuinterpretationen von Material geschätzter Singer-/Songwriter(Elliott Smith) sowie Bob Marley’s Free Little Birds und Jimi Hendrix’s The Wind Cries Mary kombiniert.

„Who Is Afraid Of Richard W.?“ Ganz bestimmt nicht Eric Schaefer, der mit den Shredz zu einer atemberaubenden Achterbahnfahrt durch Wagners Opernschätze lädt. Zum Finale dann das Hammond Eggs Trio feat. Randy Brecker. Eine sehr spannende transatlantische Begegnung des Hammond Egg Trios, Homebase: Nürnberg,  mit einem Jazzbläser von Weltformat, der auch mit vielen Großen der Rockmusik schon zusammen gespielt hat, als ein weiterer Höhepunkt des Festivals. Der Sound einer Hammondorgel im Kontext mit virtuosem Gitarrenspiel und explosivem Schlagzeug bekommt durch Randy Brecker so noch zahllose weitere Sahnehäubchen aufgesetzt.

„Jazz ist kein Stil, sondern eine Herangehensweise“ sagt Stefan Hetzel bei seiner einführenden Moderation.

Diese Devise trifft sicherlich auf das zweitägige Programm des diesjährigen 29. Würzburger Jazzfestivals zu. Der Bayerische Rundfunk hat die Konzerte allesamt aufgezeichnet und beginnt mit der Übertragung im Hörfunk von BR–Klassik Jazztime ab dem 13. November 2013 um 23:05. Es gibt somit doch Tonkonserven der ansonsten wohl nur schwerlich 1:1 reproduzierbaren Auftritte.

Auf der Heimfahrt höre ich auf Bayern 2 aus aktuellem Anlass einen musikalischen Nachruf auf Lou Reed, der heute verstorben ist. Randy Brecker war vor vierzig Jahren einer der vielen Studiomusiker, der am Album Berlin des chronisch schlecht gelaunten Rock’n’Roll Animal’s mitgewirkt hat.

Musik bleibt in ihrer grenzüberschreitenden Vielfalt ein wirklich wunderbares Netzwerk und oft:

A Walk On The Wild Side!


Wuerzburg Art Ensemble - Jazzfestival Wuerzburg © Gerald Langer
Wuerzburg Art Ensemble – Jazzfestival Wuerzburg © Gerald Langer
Cécile Verny Quartet - Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Cécile Verny Quartet – Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Pegelia Gold & Art Zentral - Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Pegelia Gold & Art Zentral – Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Trio Drei - Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Trio Drei – Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Eric Schaefer & The Shredz - Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Eric Schaefer & The Shredz – Jazzfestival Wuerzburg 2013 © Gerald Langer
Hammond Eggs Trio Feat. Randy Brecker - Jazzfestival Würzburg 2013 © Gerald Langer
Hammond Eggs Trio Feat. Randy Brecker – Jazzfestival Würzburg 2013 © Gerald Langer

Konzertbericht und Konzertfotos © Gerald Langer

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