Taubertal-Festival – Samstag – 10.08.2013

Konzertbericht und Konzertfotos.
Das Taubertal-Festival 2013 in Rothenburg ob der Tauber
Samstag, 10. August 2013 auf der Eiswiese im lieblichen Taubertal – Der zweite Tag


Rothenburg ob der Tauber (music-on-net) Der Wettergott hätte es für den 2. Tag des Taubertal-Festivals nicht besser meinen können: angenehme 25 Grad und weit und breit kein Regen in Sicht. Da es mein erster Besuch ist, bin ich sehr vom idyllischen Ambiente mit Blick auf die Altstadt von Rothenburg angetan. Beste Bedingungen also, um meine Berichterstattung mit einer Band zu beginnen, die ich schon lange einmal live erleben will:

Die Punk-Urgesteine von Bad Religion.


Bad Religion

Seit 1980 liefert die Combo um den studierten Doktor der Evolutionsbiologie, Greg Graffin, gradlinige Punkmusik mit intelligenten Texten. Und ich habe mich nicht umsonst gefreut: pünktlich um 19:05 Uhr legen die mittlerweile reifen Herren los und heizen dem begeisterten Publikum für die nächste Stunde ordentlich ein. In den ersten Reihen des Publikums geht es dabei im wahrsten Sinne des Wortes hoch her: Crowd-Surfer gibt es einige.

Die Zeit vergeht wie im Flug und Verschnaufpausen gibt es keine. Leider kann ich den fulminanten Auftritt nicht bis zum Schluss genießen, da ich rechtzeitig zum Auftritt von „Großstadtgeflüster“ vor der „Sounds-for-Nature“-Bühne sein will.


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Grossstadtgeflüster

Bis heute habe ich „Großstadtgeflüster“ nicht gekannt. Persönlich eher dem Hardrock- und Metalgenre zugeneigt, habe ich mir vom Auftritt der mir als Elektropop-Trio angekündigten Band daher nicht allzu viel versprochen.

Erfreulicherweise wurde ich eines besseren belehrt: Jen Bender (Gesang), Raphael Schalz (Keyboard) und Chriz Falk (Drums) selbst beschreiben ihr Repertoire als „wilden Ritt durch Elektro, NDW, Rock, Rave und Experimental“ und versprechen damit nicht zu viel. Frontfrau Jen gibt von Anfang an richtig Gas und auch ihren zwei Mitstreitern sind Spielfreude und gute Laune während jeder Sekunde anzumerken.

Der Auftritt ist Grund genug für mich, ins neue – mittlerweile vierte – Album „Oh, ein Reh“ genauer reinzuhören.


Bildergalerie | Grossstadtgefüster




Skunk Anansie

Bevor es mit dem Auftritt von Skunk Anansie auf der Hauptbühne weitergeht, bleiben ein paar Minuten, um die Festivalatmosphäre zu genießen und ein wenig übers Gelände zu schlendern. Gut gelauntes Publikum jeglicher Couleur ist vertreten und die eine oder andere originelle Kostümierung sorgt für diverse Schmunzler. Was sich meinem Verständnis allerdings entzieht, ist das wiederholt anzutreffende Bedürfnis männlicher Besucher, für Fotos ihre entblößten Hinterteile zu präsentieren – aber vielleicht bin ich einfach „zu alt für diesen Scheiß“.

Skunk Anansie mit ihrer damals kahl geschorenen Frontfrau „Skin“ machten sich in der Musikwelt der 90er einen Namen. In vielseitigem Alternative Rock verpackte politische und sozialkritische Texte verhalfen den Briten zu großem Erfolg. 2001 löste sich die Band auf, da sie laut eigenen Angaben genug erreicht habe und die Mitglieder auf Solopfaden wandeln wollten. 2009 kam es schließlich zur Reunion, seit der zwei Alben erschienen sind. Skunk Anansie entern pünktlich die Bühne und Sängerin „Skin“ haut nicht nur mich schlichtweg vom Hocker.

Wie ein Derwisch wirbelt sie – zwischenzeitlich mit schnittiger Kurzhaarfrisur – über die Bühne, untermalt ihren Gesang mit einer fantastischen Mimik und sucht ständig den Kontakt mit dem Publikum. Dazu gehört auch ein ausführliches Bad in der Menge, bei dem die begeisterten Fans sie buchstäblich auf Händen tragen. Ein herausragender Auftritt, der für mich schon jetzt das Highlight des Abends ist.


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Deichkind

„Deichkind“ steht als nächstes auf dem Programm. Die Hamburger Hip-Hop-/Elektropop-Formation genießt zwischenzeitlich ein immenses Ansehen und die Auftritte werden mir von anwesenden Fotografen und Presseleuten als absolut überragend empfohlen. Nun ja- Geschmäcker sind verschieden. Die Menge an Zuschauern und Pressevertretern gibt den Kollegen jedenfalls recht: das Gelände vor der Hauptbühne ist gerammelt voll, und auch im Pressegraben herrscht dichtes Gedränge. Festivaluntypisch beginnt der Auftritt von „Deichkind“ mit rund 10-minütiger Verspätung.

Wenn auch die Musik nicht mein Geschmack ist, ziehen mich Bühnen- und Lightshow doch in ihren Bann. Ein gut abgemischter Sound mit einem Mörderbass und eine Menschenmenge außer Rand und Band sorgen schließlich dafür, dass sogar ich zum Schluss verhalten mitklatsche. Eine echt schräge aber in jedem Fall gelungene Performance.

Weniger gelungen ist für mich die in Mode gekommene Unsitte insbesondere jüngerer Zuschauer, Getränkebecher – seien sie voll oder leer – Richtung Bühne zu werfen. In meinen Augen schlichtweg unverantwortlich. So ein Becher wird zum Geschoss, das, wird man am Kopf getroffen, nichts mehr mit Spaß zu tun hat – ganz zu schweigen vom Handwerkszeug der Fotografen, was irreparablen Schaden nehmen kann. Da verwundert es nicht, dass die Veranstalter ihre Erlaubnis, pet-Flaschen mit antialkoholischem Inhalt aufs Festivalgelände mitzubringen, widerrufen mussten.


Bildergalerie | Deichkind




Subway To Sally

Den Abschluss an diesem Abend bildet die Folk-Metal-Formation „Subway to Sally“, die sich seit ihrer Gründung 1992 einen festen Platz in der Metal-und Mittelalter- Rockszene erarbeitet und auf zahlreichen Festivals – unter anderem 2011 in Wacken – eine große Fangemeinde erspielt hat. Konzertuntypisch darf die Fotografenmeute während der ersten Songs nicht in den Graben.

Grund ist die aufwändige Pyro-Show der Band: Verletzungsgefahr in unmittelbarer Nähe. In der Tat sprüht es ordentlich Funken und „Subway to Sally“ sind optisch und musikalisch eine Augenweide. Auch Sänger Eric Fish lässt sich das Crowd-Surfing nicht nehmen und nimmt zum Anfang ein Bad in der begeisterten Menge. Zu der gelungenen Mixtur aus Metal und Folk passt die Lightshow mit beeindruckenden Feuerspuck-Einlagen und sorgt dafür, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Ein Auftritt, der den vielen Zuschauern sicherlich in guter Erinnerung bleiben wird.


Bildergalerie | Subway To Sally




Um kurz nach 1 Uhr geht schließlich ein vielseitiger Musikreigen zu Ende. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein sehr stimmiges Festival in einer tollen Location. Nächstes Jahr gerne wieder!


Impressionen – 10. August 2013



Konzertbericht und Konzertfotos © René Schmiedel

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Verfasst von:

Musikliebhaber, Fotograf, Autor, Architekt.

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