Heather Nova – Redoutensaal Erlangen 2014

Konzertbericht und Konzertfotos


Heather Nova am 6. März 2014 im Redoutensaal Erlangen

Erlangen (music-on-net) – Ihre Stimme wurde schon mit dem unwiderstehlichen Gesang des Fabelwesens Sirene verglichen, das nach der griechischen Mythologie vorbeifahrende Schiffsführer anlockte, um ihnen Böses anzutun. Bis auf das tödliche Ende bei den Odysseus’schen Irrfahrten kann man dies sehr gut nachvollziehen. Heather Nova (46) lebt nach einer Zwischenstation in London „back to the roots“ mit ihrer Familie wieder auf den Bermudas, wo sie geboren wurde und aufwuchs. In den letzten 24 Jahren veröffentlichte sie 13 Alben, die fast ausschließlich Eigenkompositionen enthalten. In diese Zeit fielen auch etliche Single-Erfolge, wie „Maybe An Angel“, „Walk This World“ und „Heart And Shoulders“.

2002 brachte sie den Gedichtband „the sorrowjoy“ in Kleinschreibung heraus. Nachdem sie ein Kunststudium absolvierte, lag es nahe, den Gedichtband selbst zu illustrieren. Müßig zu erwähnen, dass sie großen Wert auf eine abwechslungsreiche Instrumentierung im Studio und in ihren Konzerten legt, wo sie früher öfter mit einer Band auftritt. Bemerkenswert ist, dass sie immer für spontane Konzerte in Kinder- und psychiatrischen Kliniken zu haben ist, um „Musik zu den Menschen zu bringen, die gerade nicht zur Musik können“. Ihre aktuelle CD nannte sie „300 Days At Sea“. Es ist ein reifes, beeindruckendes Werk geworden. Doch der Reihe nach.

Die etwa 450 Zuschauer vorwiegend jüngeren Semesters im ausverkauften barocken Festsaal ließen sich die erste halbe Stunde zunächst vom irischen Gitarren-Barden Gavin James aus Dublin unterhalten, der auch mit launigen Zwischenansagen nicht geizte. Seine kraftvolle Stimme wechselte in jedem seiner wunderschönen Kompositionen nahtlos zu samtweichem und manchmal aberwitzig hohem Falsettgesang. Zwei Songs brachte er „unplugged“ ohne Verstärker zu Gehör und sang sich so noch mehr in die Herzen der Zuschauer. Ein Name, den man sich unbedingt merken sollte.


Bildergalerie Gavin James


Gegen 21 Uhr begann dann der ungeduldig erwartete Hauptact des Abends. Mit stürmischem Beifall begrüßten die Fans die bestens gelaunte Singer-Songwriterin und ihren musikalischen Begleiter Arnulf Lindner, einen Österreicher. Sie wurden mit zeitlosen, oft melancholisch-sentimentalen Songs belohnt, die durchaus auch autobiografische Züge beinhalteten. Die sehr schlanke Künstlerin trug ein langes schwarzes Kleid mit einem grauen Astmuster, das ihre Grazilität wunderbar betonte. Gleich beim ersten Song „I Miss My Sky“ faszinierte sie mit leiser, aber auch markanter Stimme, die mühelos die Oktaven streift. In diesem Lied beschreibt sie die Gefühle der amerikanischen Pilotenlegende Amelia Earhart, die einen Flugzeugabsturz vermutlich auf einer kleinen Insel im Ozean überlebte. Es war ihr erster Versuch, sich in die Robinson’sche Gedankenwelt eines Menschen zu versetzen, von dem nicht alle Rätsel gelöst sind.

In ihren poetischen Songs verwendet Heather Nova gerne  Bilder, die mit zwischenmenschlichen Beziehungen, der Natur, dem Himmel, dem Meer oder dem Wind zu tun haben. Man spürt hautnah, welche Gefühle sie zu diesem oder jenen Song hinführten. Zwischendurch kommuniziert sie mit dem Publikum oder ihrem musikalischen Begleiter, der sich beeindruckend mit Cello, Keyboard und Gesang abwechselt, während Heather Nova meist ihre akustische Gitarre und einmal die E-Gitarre zur Untermalung ihrer zauberhaften Balladen benutzt, sich aber auch am Keyboard begleitet. Die Zuschauer im schönen Redoutensaal lauschen fasziniert und mit atemloser Spannung ihren Liedern und beklatschen danach frenetisch die Künstlerin, die ihnen eine musikalische Sternstunde beschert. Überraschend ist, dass Gavin James bei einem Song mitwirken darf. Nach gut 100 Minuten und zwei Zugaben ist das Konzert zu Ende. Heather Nova versprühte nicht nur an diesem Abend einen besonderen Zauber. Odyseuss hätte ungetrübte Freude an ihrem betörenden Gesang gehabt. Vor allem bei „Island“, wo sie in der Einleitung und gegen Ende fast ariengleich mit ihrer glockenklaren Engelsstimme als eingangs beschriebene verführerische „Sirene“ lockte.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann die Tontechnik, die ihre Stimme oft etwas zu laut und manchmal übersteuernd über die Lautsprecheranlage schickte. Nach dem Konzert gab es bei großem Gedränge noch Autogramme von Heather Nova und Gavin James.

Ein besonders guter Service hat bei der Künstlerin Tradition: Am Tag nach dem jeweiligen Konzert kann man sich auf ihrer Website das komplette Konzert in nahezu CD-Qualität für 10 Euro herunterladen. Das sollte mehr Schule machen und das heimliche Tapen wird zur Farce.

© Gerd Müller (06-03-2014) | gerds musicpage


Das Duo

Heather Nova – Akustik- und E-Gitarre, Keyboard, Rasseln, Blas-Harmonika, voc
Arnulf Lindner – Cello, Keyboard, voc


Setlist

I Miss My Sky
Higher Ground
Avalange
Out On A Limb
Winter Blue
Walking Higher
Save A Little Piece Of Tomorrow
Fool For You
Like Lovers Do
Paper Cup
Do Something That Scares You
The Good Ship ‚Moon’
Someone New
Heart And Shoulder
Moonriver days
Stay
Island

Zugaben:

I Wanna Be Your Light
Until The Race Is Run

Websites – Heather Nova


Konzertbericht und Konzertfotos © Gerd Müller (music-on-net)

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