Vibravoid – Wolvespirit – Kellerperle Würzburg 2014

Konzertbericht und Konzertfotos.
Vibravoid und Wolvespirit am 23. April 2014 im Rahmen eines Doppelkonzertes in der Kellerperle Würzburg
Im Winterland und im UFO-Club – oder doch „nur“ in der Kellerperle Würzburg?


Würzburg (music-on-net) – „Psychedelic Night“ in der Kellerperle. Geradezu ein Muss für Musikfreunde meines Alters, aber eben nicht nur. Deutlich jüngere Musikfans sind auch dabei, erstaunlich viel weibliche. Heute abend ist auch noch ein Champions League – Halbfinal – Spiel.

Dieses mag ich allerdings nicht so recht verantwortlich für den insgesamt etwas zögerlich verlaufenden Publikumszustrom machen. Trotz aller Möglichkeiten zu, vor allem im Internet, leicht auffindbaren Vorinformation, werden diese Angebote offensichtlich nicht so genutzt, wie man es sich für einen solch wunderbaren und abwechslungsreichen Abend wünschen würde. Sollen sich diejenigen ruhig ärgern, die heute Abend daheim geblieben sind.

Wolvespirit

Den Anfang machen Wolvespirit aus dem beschaulichen Kleinrinderfeld im Landkreis Würzburg. Nun könnten gleich die ersten Vorurteile und süffisanten Bemerkungen beim komplett uninformierten Ersthörer beginnen. Möglichen Zweiflern lässt die fünfköpfige Band allerdings nicht einen Haarspalt breit Raum.

Bildergalerie | Wolvespirit


Sie spielen Blues getränkten (Hard-) Rock, der Sängerin Debbie Koye alle Möglichkeiten zur stimmlichen und körperlichen Entfaltung bietet. Wolvespirit explodieren förmlich. Dass die Band noch im Februar einen neuen Schlagzeuger suchte, möchte man gar nicht glauben. So überzeugend der Auftritt von Raphael Schneider, der erst seit Mitte März 2014 dabei ist und die Band während der laufenden Tour und auch im Rahmen der anstehenden Aufnahmen für das zweite Album, welches voraussichtlich im Herbst dieses Jahres erscheinen wird, begleiten wird.

Einige „Leckerli“ davon streut die inzwischen perfekt eingespielte Band in ihre Setlist, die ihren Schwerpunkt freilich beim Album Dreamcatcher hat, geschickt ein. Diese kleinen Appetizer klingen so extrem delektabel, dass man geneigt ist, sich im Frühling schon den Herbst herbei zu wünschen.

Habe diese Band das erste Mal beim letztjährigen Umsonst & Draußen Festival in Würzburg erlebt und war schon begeistert. Nun bin ich regelrecht infiziert. Haltet bloss noch lange durch!


Wolvespirit | Line-Up


Debbie Koye – Leadvocals
Rio Eberlein – E-Guitars, Acoustic Guitars and Bass Guitar, backing vocals
Oliver Eberlein – Organ, backing vocals
Andreas Hofmann – Bass
Raphael Pfeiffer – Drums

Vibravoid


Vibravoid haben bereits Geschichte geschrieben. Eine Serie von Alben und diverse Re-Releases, meist auf Vinyl, zeugen von einem schier nicht zu bändigenden Schaffen des Trios um Mastermind Christian KochVoid Vibration, Turned On Acid, Mind Drugs und Gravity Zero, um nur einige zu nennen, die allein vom Titel als programmatisch zu bezeichnen sind.

Bildergalerie | Vibravoid


Die Düsseldorfer Band integriert gerade das frühe Werk von Pink Floyd so geschickt und überzeugend in das eigene Oeuvre, dass man sich in die Syd-Barrett-Ära zurück katapultiert fühlt. War Wolvespirit mit Sängerin Debbie stark Publikum orientiert und versuchte mit den Zuhörern – sicherlich auch aus dem klaren Heimvorteil heraus – zu kommunizieren, spielt das Trio harten Psycho-Rock unter nahezu völliger Ignoranz des Publikums, das sich bei ihren abgefahrenen Klängen in neue Bewussstseinsebenen katapultieren lässt. Fünfundsiebzig Minuten samt Zugabe brennen uns den psychedlischen Klangkosmos gnadenlos in unser Bewusstsein ein. Mind Drugs, die allerdings vollkommen frei von schädlichen Substanzen sind.

Um 23:30 ist das Doppelkonzert zu Ende. Es war aufregend, der Bogen weit gespannt. Der wärmere Sound ganz klar bei Wolvespirit – mit Debbie Koye und einer ihrer Inspirationsquellen, Janis Joplin, waren wir im „Winterland“. Die stärker technische und verkopfte Variante, die ihre Wurzeln auch bei den großen deutschen Bands wie Kraftwerk und Can nicht verhehlen kann, bei Vibravoid. Mit ihnen waren wir – zumindest gedanklich – im legendären UFO-Club.

Lichtspielereien im 1970’s Style, blubbernde, magmaartige Farbgemälde an der Bühnenrückwand und ein entsprechender modischer Retro-Look zwischen Schlaghose und Röhrenjeans, lassen den Abend zu einem audio-visuellen Gesamterlebnis werden, bei dem aber immer die Musik dominiert und für wunderbare Gefühle sorgt.

Good vibrations, really! Und eine außerordentlich geschickte Kombination zweier deutscher Bands, denen künftig wenigstens etwas mehr kommerzieller Erfolg unbedingt zu gönnen ist.


Vibravoid | Line-Up


Christian Koch – Gesang, Gitarre
Frank Matenaar – Perkussion, Schlagzeug
Dario Treese – Orgel, Keyboard Bass


Konzertbericht und Konzertfotos © Gerald Langer

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