The Cashbags – The Johnny Cash Show – Bürgerhaus Bühl (2018)

Konzertbericht mit Konzertfotos.
The Cashbags mit ihrer Johnny Cash Show am 23. 11. 2018 im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl.
„Augen zu und … durch und durch Johnny Cash“


Bühl (music-on-net) – Die Johnny Cash Show war eine Fernseh-Show von 69 bis 71, übertragen aus der legendären Gran Ole Opry in Nashville, in der Cash als etablierter Country-Star den ein oder anderen Coup gelandet hat, um Newcomern den Weg ins Musik-Business zu ebnen.

The Cashbags sind keine Coverband, die bekannte Stücke in Eigeninterpretation nachspielt. The Johnny Cash Show presented by The Cashbags ist … ein Mini-Musical zum Gesamtwerk des unvergleichlichen Gespanns Johnny Cash/June Carter Cash. Kein aufgeblasenes Andrew Lloyd Webber-Gedöns, sondern ehrlich handgemacht und direkt, so wie die beiden nun mal waren. In der Pause treffe ich draußen auf einen, der 1981 das Konzert mit Johnny Cash, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis in der Sporthalle Böblingen miterlebt hat. Er hat ein verklärtes Lächeln im Gesicht.

Nein, man muss die Augen nicht mal ganz zu machen. Vielleicht ein bisschen zusammenkneifen. Und aus blond ein bl…ack machen. Als hartgesottener Cash-Carter-Connaisseur sich dann noch klarmachen, dass die letzte ergreifende Erinnerung an die originale Voice-of-Cash die Stimme eines über 60-jährigen war.

Mit diesem Setting steigt man in eine Zeitmaschine, Zielgebiet 60ies. Über der leeren Bühne mit dazu passendem Hintergrund  ertönt die leicht scheppernde Ansage des Fernsehsprechers zur Johnny Cash Show. Die Band ohne Cash läuft ein und Carl Perkins rockt auf seiner großen halbakustischen Epiphone Blue Suede Shoes. Die Eröffnungsnummer erinnert an die Zeit in den 50ern, als der Rock’n‘Roll begann, auf einem Bein schwarzem Blues, auf einem Bein weißem Hillbilly und Elvis‘ wackelnden Hüften erste Schritte zu gehen.

In der zweiten Nummer macht Valeska Kunath schnell klar, dass ihre Stimme so schön druckvoll rüberkommt wie die von June Carter Cash.

„Hello, we’re the Cashbags!“ Frontman Robert Tyson steigt nach der obligatorischen Begrüßung gleich mit Folsom Prison Blues ein, um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass er die Rolle seines Kindheit-Idols absolut verinnerlicht hat. Mimik und Gestik, die Stimme am nächsten am Original in den tiefen Lagen. Dazu der typische Sound der Tennesse Three im Hintergrund–Brenny Brenner als Marshall Grant am Bass, Tobias Fuchs als W.S. Holland am Schlagzeug. Der stoische Stephan Ckoehler mit seiner Telecaster nimmt sich optisch ganz zurück–aber die Live-Show offenbart, dass die prägnanten Riffs der Klassiker von Lead-Gitarrist Luther Perkins‘ E-Gitarre beigesteuert werden.

Cash rollt das ganze Repertoire aus. Mit zwei Harps steuert er den Orange Blossom Special durch die Prärie. Augenrollen beim Cocaine Blues, die Gitarre im Anschlag nach vorne und zurück nach hinten, nach oben gerissen, um sie meistens auf dem Hals zu spielen. Die tragischen Geschichten wie Give My Love To Rose–Gänsehaut…

Dann kommt seine June dazu und der herrische Macho wird in Jackson herzlich verlacht. Die Duette sind ganz wie damals die Highlights der Show. Die beiden ziehen sich an, weisen sich ab, umtanzen sich, der Rock wirbelt um ihre Knie. Kunath hat die fröhlich-bestimmte Carter-Attitude, die ihren Johnny letztlich im Griff hat und ihm Halt gibt. Für ihre Solonummer Wildwood Flower liegt auch eine Autoharp bereit.

Der Chicka-Boom-Sound wird natürlich auch zelebriert. Eine kleine Session vor der Pause in der kleinen Ur-Besetzung der Tennessee Two. Grant mit Akustik-Bass, Luther Perkins und – noch kein Schlagzeug. Das improvisiert Cash mit einer Dollarnote unter den Saiten–die gedämpften Seiten verstärken den Rhythmus-Effekt der Akustik-Gitarre. So spielten sie 1956 die erste Nr. 1-Single I Walk The Line mit der B-Seite Get Rhythm ein.  Mit diesem ersten Höhepunkt der Karriere geht es in die Pause.

Im zweiten Set geht es mir mit den Kristofferson-Songs wie mit den Originalen: Sunday Mornin’ Coming Down und Me And Bobby McGee fehlt mir in den Cash-Versionen die Melancholie.

Dazwischen feuert Carl Perkins‘ Matchbox nochmal eine fetzige Rockabilly-Nummer. Josh Angus erweist sich ebenfalls als eine geniale Besetzung für diesen frühen Rock’n’Roller, auch vom Typ sehr nah am Vorbild.

Viele Tempiwechsel nach der Pause: Peace In The Valley und Open Road bremsen den Speed ein, den Hey Porter, Long-Legged Guitar-Pickin‘ Man vorgeben. A Boy Named Sue oder Five Feet High And Rising erzählen komische Geschichten. Weitere Signature-Songs: Ring Of Fire über Cashs dramatische Biographie, Man in Black beschreibt sein soziales Engagement–in diesen Songs kommt Tysons Stimme mit am besten rüber.

Als Zugabe kommen noch die Ghostriders In The Sky als Mitsing-Nummer, und mit It Ain’t Me Babe noch ein schmissiges Duett mit Carter. Nach ordentlich Standing Ovations greift das Publikum beschwingt nach den Jacken …Da kommt Tyson nochmal alleine zurück, setzt sich auf den Hocker. Hurt war der letzte Höhepunkt kurz vor Cashs Tod. Und gibt der Johnny Cash Show presented by The Cashbags den würdigen Schlusspunkt.

© Jörg Neuner


Setlist


Set 1

  • Blue Suede Shoes
  • Losing You
  • Juke Box Blues
  • Folsom Prison Blues
  • Dark As A Dungeon
  • I Still Miss Someone
  • Cocaine Blues
  • 25 Minutes To Go
  • Orange Blossom Special
  • The Long Black Veil
  • The Wall
  • Dirty Old Egg-Suckin’ Dog
  • Home Of The Blues
  • Give My Love To Rose
  • Jackson
  • I Got A Woman
  • I Got Stripes
  • Time’s A Wastin’
  • Get Rhythm!
  • I Walk The Line

Set 2

  • A Boy Named Sue
  • Sunday Morning Coming Down
  • Matchbox
  • Me And Bobby McGee
  • Wide Open Road
  • Peace In The Valley
  • The Outside Lookin’ In
  • Come Along And Ride This Train
  • Five Feet High And Rising
  • Pickin’ Time
  • Hey Porter
  • Darlin’ Companion
  • If I Were A Carpenter
  • Long-Legged Guitar-Pickin’ Man
  • Rig Of Fire
  • Man In Black
  • Wildwood Flower
  • Daddy Sang Bass
  • The Old Account Was Settled Long Ago
  • Medley: Folsom Prison Blues/I Walk The Line/Bonanza

Encore

  • Ghostriders In The Sky
  • It Ain’t Me Babe
  • Final
  • Hurt

Nächste Konzerte 2018

7.12.        Grosses Haus Halberstadt, Halberstadt

8.12.       Tagungs- Und Kongresszentrum, Bad Sassendorf

9.12.       Stadthalle Kleve, Kleve


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Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner

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