Patti Austin: Kurhaus Baden-Baden 2015 (Live)

Patti Austin

Datum: 12.03.2015
Venue: Kurhaus Baden-Baden
Show: Mr. M’s Jazz Club
Website
Autor/Fotograf: Jörg Neuner

Line up | Patti Austin

Patti Austin – Vocals
Olaf Polziehn – Grand Piano
Christian von Kaphengst – Upright bass
Hans Dekker – Drums


Es folgen zwei weitere Club-Abende:

  • 13.3.15 – Don Grusin, Peter Fessler und Stargast Randy Brecker
  • 14.3.15 – Mr M’s All Stars mit Rigmor Gustafsson, Peter Fessler, Thorsten Goods, Marc Marshall und dem Sofa

Konzertbericht

For Ella

Baden-Baden (music-on-net) – Jazz gehörte zu Baden-Baden wie das Thermalwasser. In der frühen zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gaben sich die Größen des Jazz die Klinken zu den Türen der Studios und Bühnen in die Hand. Joachim Ernst Behrendt – Jazz-Redakteur beim damaligen SWF, Festival-Initiator und Buchautor mit internationalen Standardwerken zum Thema – hat dem Jazz in Deutschland auf allen Kanälen den Weg bereitet.

An diese Tradition knüpft Mr. M’s Jazz Club nunmehr zum achten Mal an. Mr. M. ist Marc Marshall, selber Vollblutmusiker, Jazz-Liebhaber und gebürtiger Baden-Badener. Für sein Projekt Jazz Club gibt er dem Benazet-Saal des altehrwürdigen Kurhauses jeden März drei Tage lang eine familiäre Club-Atmosphäre. Dazu gehört auch, dass er die Gäste persönlich am Eingang begrüßt.

Joachim Ernst Behrendt-Preis

Seit 2012 ist zudem die Verleihung des Joachim Ernst Behrendt-Preises fester Bestandteil des Programms. Dieser Ehrenpreis der Stadt Baden-Baden würdigt besondere Verdienste um den Jazz und geht dieses Jahr erstmals an eine Frau: Patti Austin. Und damit nach Klaus Doldinger, Paul Kuhn und Til Brönner auch erstmals an eine Musikerin aus der Heimat des Jazz. Die 65-jährige Amerikanerin erhielt für Ihr Projekt Avant Gershwin 2008 den Grammy für das beste Vocal Jazz Album. Die Laudatio hält der Pianist Don Grusin, der am nächsten Abend zusammen mit Trompeter Randy Brecker und Sänger Peter Fessler auf der Club-Bühne stehen wird.

Mit entsprechendem Stolz verkündet Marc Marshall dann bei der Ansage der Sängerin die Verabschiedung der Bescheidenheit, nachdem auch alle Veranstaltungen ausverkauft sind.

Tribut an Ella Fitzgerald

Nach Baden-Baden bringt Patti Austin ihren Tribut an Ella Fitzgerald mit: For Ella, der ihr 2003 ebenfalls eine Grammy-Nominierung einbrachte. Und sie hat sichtlich Spaß daran, der großen Stimme des Jazz zu huldigen. Mit ihrer großartigen souligen Stimme gibt sie den alten Hits wie A Tisket A Tasket, Ms. Otis Regrets, Honey Suckle Rose ihre eigene Note, aber man fühlt sich mit geschlossenen Augen in die goldenen Jahre des Jazz zurückversetzt. Mit offenen Augen bekommt man dafür Ihre sprühende Energie mit, mit der sie die Lieder interpretiert und garniert. Zum Beispiel mit der Darstellung von Miss Ella zusammen mit ihrem zweiten Mann, dem Bassisten Ray Brown, die sich beim gemeinsamen Spiel auf der Bühne recht angegiftet oder ignoriert haben.

Austin hat sich nicht nur mit der Musik von Fitzgerald auseinander gesetzt, sondern auch mit ihrem Leben. Ehemalige Musiker von Fitzgerald haben nicht nur an For Ella mitgewirkt, von ihnen hat Austin auch die Person näher kennengelernt. Und dies gibt sie zwischen den Liedern äußerst lebendig an das Publikum weiter. Die Englischkenntnisse checkt sie dabei auch schon mal anhand der Lacher ab, wenn sie von Drogen über Snoop Dog zur absolut drogenfreien Ella überleitet.

Insofern ist es also kein reines Musikprogramm; auf der Bühne steht eine grandiose Entertainerin, die auch noch gut verpacktes Jazz-Wissen im Gepäck hat. So gibt sie die Einleitung zum dem Stück, dass die eher scheue Miss Ella persönlich wohl am besten beschreibt: But Not For Me. Und sie hat für das Album auch extra ein Tribute-Lied schreiben lassen: Hearing Ella Sing. Und eine Gemeinsamkeit der beiden am Rande: „Ella was schwitzing a lot“ erklärt sie, während sie wiederholt zum Handtuch greift.

Ihre Begleitmusiker wirken da etwas entspannter. Hans Dekker rührt den Besen auf den Drums, Olaf Polziehn sorgt am Flügel für die Melodie und Christian von Kaphengst am akustischen Bass für das rhythmische Fundament. Sehr unaufdringlich, um der Vielfalt von Austins Stimme den passenden Background zu geben. Patti Austin lässt ganz ruhige Töne ganz klar und ganz lange durch den Raum schweben. Sie kann aber auch die Instrumente selber mit in die Hand nehmen: In der Zugabe How High The Moon scattet sie wie dereinst Ella. Die diesen Part wiederum von Charlie Parker übernommen hatte, wie sie bemerkt. Aber da der Mond nun so hoch steht, finden fast zwei Stunden grandioses Programm damit ein Ende.


Im nächsten Jahr findet der Jazz Club statt vom 17. – 19. März 2016.


Bildergalerie | Patti Austin



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