Lyle Mays – Eberhard (2021)

Sounds.
Album
– Review

Künstler: Lyle Mays
Album: Eberhard
Format: CD, digital, Vinyl
VÖ: 27.08.2021
Label / Vertrieb: Independent Release
Website


Der Tonträger von Lyle Mays kommt rein äußerlich eher schlicht daher. Er trägt zudem den ebenso schlichten Titel EBERHARD. Das Coverbild zeigt ein bewusst unscharf gehaltenes Foto von Marco Franchina, eine dunkel anmutende einsame Strandszenerie, einem Gemälde gleich.

Über das 13-minütige Titelstück hinaus sind keinerlei Boni auf der mir zur Rezension vorliegenden CD enthalten. Eine Komposition nur, ein Vermächtnis, scheinbar bescheiden, dafür aber, nach intensivem Anhören, ein äußerst gehaltvolles Destillat.

EBERHARD ist die hochkonzentrierte Reverenz Lyle Mays an den deutschen Komponisten und Jazz-Bassisten Eberhard Weber, der selbst aufgrund eines Schlaganfalls im Jahre 2007 und seiner daraus resultierenden halbseitigen Lähmung nicht mehr spielen kann. Eberhard Webers eigene musikalische Biografie listet über zahlreiche Soloalben hinaus Kooperationen mit Wolfgang Dauner, Jan Garbarek bis hin zu Kate Bush.

Lyle David Mays selbst war nicht nur ein US-amerikanischer Jazz- und Fusionmusiker, sondern auch ein namhafter Arrangeur und Komponist. Als Pianist und Keyboarder war er Gründungsmitglied der weltweit bekannten und erfolgreichen Pat Metheny Group bis zu deren Auflösung im Jahre 2005.

Zusammen mit Pat Metheny komponierte Mays den gesamten Katalog des überaus erfolgreichen Ensembles, gewann mit Pat Metheny elf Grammy Awards. Der gefragte deutsche Bassist Eberhard Weber übte während dieser gemeinsamen Zeit einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die beiden amerikanischen Klangkünstler aus.

Unter eigenem Namen erschienen – eher unregelmäßig – seit Mitte der 1980er Jahre Lyle Mays‘ Soloalben – Lyle Mays (1986), Street Dreams (1988), Fictionary (1993), Solo (2000) und The Ludwigsburg Concert (2016).

Nun posthum – Lyle Mays ist bereits am 10. Februar 2020 verstorben – die Mini-Symphonie EBERHARD .

Die Komposition EBERHARD reicht zurück in das Jahr 2009, war ursprünglich für das Zeltsman Marimba Festival konzipiert. Insofern ist die Marimba von Wade Culbreath das sowohl „Intro“ als auch „Outro“ bestimmende Instrument.

Dazwischen agiert das mehrköpfige Ensemble in unterschiedlichen Zusammensetzungen, schaffft mit dem wortlosen Gesang von Aubrey Johnson, Rosana und Gary Eckert die auch für die Pat Metheny Group charakteristische ätherische Grundstimmung, die nach gut achtminütiger Laufzeit den Klangteppich für Bob Sheppard’s Saxophonsolo bereitet.

Eberhard Weber dürfte sich über diese kleine, aber feine klangliche Ehrerbeitung sicherlich ähnlich freuen wie über das üppigere, bereits vor Jahren erschienene, Album The Jubilee Concert (2015) mit der SWR Big Band, Pat Metheny, Jan Garbarek, Gary Burton und vielen anderen Künstlern mehr.

Am Schluss lässt die finale Arbeit von Lyle Mays, die er noch bis kurz vor seinem Tode begleiten konnte, die Hörer:innen natürlich auch mit einem Gefühl von Traurigkeit zurück.

Lyle Mays und Eberhard Weber standen zeitlebens nie im ganz großen Rampenlicht.

Nichtsdestotrotz fehlt der Musikwelt der Input dieser beiden eher bescheiden auftretenden Künstler.

Was bleibt ist indes ein umfangreicher und sehr hörenswerter Backkatalog, dem wir uns widmen sollten, der diese beiden Klangschöpfer am Ende doch wie Sterne, nicht nur wie Sternchen, am Firmament der „Großen“ zum Leuchten bringt.


Tracklist

Eberhard 13:03


Line Up

Lyle Mays – piano, keyboards, synthesizers
Bob Sheppard – sax and woodwinds
Steve Rodby – acoustic bass
Jimmy Johnson – electric bass
Alex Acuña – percussion
Jimmy Branly – drums
Wade Culbreath – vibraphone and marimba
Bill Frisell – guitar
Mitchel Forman – Hammond B3 organ, Wurlitzer electric piano
Aubrey Johnson – vocals (featured)
Rosana Eckert – vocals
Gary Eckert – vocals
Timothy Loo – cello (principal)
Erika Duke-Kirkpatrick – cello
Eric Byers – cello
Armen Ksajikian – cello


Credits

Composition by Lyle Mays
Associate Producers: Steve Rodby, Bob Rice
Arrangement by Lyle Mays
Executive Producers: Lyle Mays, Aubrey Johnson
Produced by Lyle Mays
Recorded, Mixed and Mastered by Rich Breen

Recorded August 2019 through January 2020 at Sphere Studios L.A., East West Studios, Henson Recording Studios, The Village Studios, Autumn Studio.

Mehr Infos unter www.lylemays.com.


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Verfasst von:

Musikliebhaber, Fotograf, Autor, Architekt.

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