Konstantin Wecker: Posthalle Würzburg 2014 (Live)

Konstantin Wecker mit Band

Datum: 07.11.2014
Venue: Posthalle Würzburg
Show: 40 Jahre Wahnsinn
Autor/Fotograf: Gerald Langer


Line-Up | Konstantin Wecker Band

Konstantin Wecker – Gesang, Piano
Fany Kammerlander – Cello, Trommel, Percussion
Wolfgang Gleixner – Drums, Percussion, Gitarre etc.
Jo Barnikel – Piano, Keyboards, Trompete, Gitarre


Setlist | Konstantin Wecker

Set #1

Willy
Genug ist nicht genug
Der alte Kaiser
Was tat man den Mädchen
Fangt mi wirklich koaner auf
Ich liebe diese Hure
Liebeslied
Und dann
Die feine Gesellschaft
Einen braucht der Mensch zum Treten
Die Weiße Rose

Set #2

Im Namen des Wahnsinns
Was passierte in den Jahren
Irgendwann
Der Herr Richter
Ebata (Staatsanwälte küßt man nicht)
Wehdam (Bayerischer Blues)
Gedicht über die Vergänglichkeit
Was immer mir der Wind erzählt
Weil ich Dich liebe
Wut und Zärtlichkeit
Sage Nein!
Empört Euch!

Zugaben

Ich habe einen Traum (Martin Luther King)
Für meine Söhne
Für meinen Vater
Die Gedanken sind frei
Liebeslied im alten Stil
Kleines Herbstlied
Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
Auf der Suche….
Buananotte Fiorellino

Konzertbericht

40 Jahre Wahnsinn in superber Besetzung

Würzburg (music-on-net) – „40 Jahre Wahnsinn“ – eigentlich wären  es ja noch ein paar Jahre mehr, räumt Konstantin Wecker ein.

Die Posthalle ist nahezu bis auf den letzten Platz ausverkauft, das Publikum überwiegend in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Die Halle bestuhlt, wie sollte es anders sein. Vier Stunden mag schließlich niemand herumstehen. Denn Konstantin Wecker zieht im Laufe des Abends zusammen mit seiner grandiosen Band alle Register seines künstlerischen Schaffens.

Zu Beginn wird mit „Willy“ gleich ein Ausrufezeichen gesetzt. Andere Künstler hätten einen solchen Klassiker sicherlich für das Zugabenprogramm aufgehoben, um nicht im Haupt-programm – der Pazifist Wecker sehe mir diese Wortwahl nach – schon das „ganze Pulver zu verschiessen“!

Bei „Genug ist nicht genug“ betritt zunächst Cellistin Fany Kammerlander die in weiten Bereichen noch dunkle Bühne. „Der alte Kaiser“ wird dann in Quartettbesetzung mit Wolfgang Gleixner aus der Haindling-Band, und Jo Barnikel, seit 22 Jahren treuer Wegbegleiter von Konstantin Wecker, eindrucksvoll und frisch präsentiert.

Der Abend ist nicht nur ein bloßer Querschnitt des künstlerischen Schaffens oder gar ein einfaches Best Of des mittlerweile 67-jährige Münchners, der in einem dichten Geflecht seiner Songs und Gedichte die eigene politische Positionierung und auch immer wieder den Menschen Konstantin Wecker mit all seinen Schwächen und Stärken durchblicken lässt.

Er bleibt greifbar und auch angreifbar, denn nicht jeder wird sich mit all seinen Statements in vollem Umfange identifizieren können.

Den Mund aufmachen und nicht schweigen, Stellung beziehen – wohl kaum ein anderer deutscher Liedermacher tut dies seit Jahrzehnten sprachlich und musikalisch so überzeugend wie dieser Bayer, der schon so viele Höhen und Tiefen des Lebens ausgelotet hat. Dieses Wechselbad der Gefühle weiß er in Texte zu verwandeln, die in Gedichtform nicht weniger Kraft haben als in den knappen bis zuweilen schwelgerischen Arrangements seiner Lieder.

Ja – „zwischen Zärtlichkeit und Wut tut das Leben richtig gut.“

Wecker steht mit beiden Beinen im Leben und sieht dabei der Endlichkeit des irdischen Daseins im sehr üppigen Zugabenteil recht entspannt und dennoch sehr bewusst entgegen.

„Für meine Söhne“ beschreibt eindringlich die Situation, wenn Kinder nach und nach selbständig werden und das elterliche Hause verlassen, „Für meinen Vater“ ein sehr persönlicher Rückblick und dabei ein ergreifendes Dankeschön an den Verstorbenen.

Die von Wecker anfangs sehr bildhaft geschilderten Zeiten im langen Nerzmantel, wie ein Zuhälter durch Schwabing tingelnd, auf dem Weg zum übermotorisierten Amischlitten hat er längst hinter sich gelassen. Die beiden Gefängnisaufenthalte sind ebenfalls verarbeitet, wenngleich er süffisant einräumt, dass er natürlich ehrenwertere Gründe, wie zum Beispiel „Gewährung von Asyl für Edward Snowden“, dem schnöden Diebstahl oder Kokainbesitz vorgezogen hätte.

Erst gegen 23:50 geht dieses phänomenale Konzert mit „Buananotte Fiorellino“ zu Ende, dass als Liebeserklärung an seine von ihm getrennt lebende Frau gedeutet werden darf.

Die Begeisterung ist der Band und dem Publikum, das hier bis zum Schluß durchhielt, ins Gesicht geschrieben. Auch beim Verlassen der Halle gegen Mitternacht um mich herum nur Worte des Respektes vor dem Lebenswerk dieses Mannes. Er hat uns alle durchgerüttelt.

„Ich lebe einfach schrecklich gern“ bemerkte Wecker in seinem Gedicht über die Vergänglichkeit. Mit diesem Gefühl entässt er uns in diese feuchtkalte Herbstnacht.

Übrigens: Der Willy lebt noch – er steht am Merchandising-Stand!


Konstantin Wecker mit Band in der Wuerzburger Posthalle am 7. November 2014 © Gerald Langer
Konstantin Wecker mit Band in der Wuerzburger Posthalle am 7. November 2014 © Gerald Langer


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