Bywater Call: Blues Club Baden-Baden 2023 (Live)


Bywater Call

Datum: 23.09.2023
Venue: Blues Club Baden-Baden
Show: European Tour 2023
Website: Bywater Call
Autor/Fotograf: Jörg Neuner


Line-up | Bywater Call

Meghan Parnell – vocals
Dave Barnes – guitar
John Kervin – keyboard
Mike Meusel – bass
Bruce McCarthy – drums
Stephen Dyte – trumpet
Julian Nalli – tenor sax


Setlist | Bywater Call

Set 1

01 Lover Down Slow
02 Sign’o’Peace
03 After All
04 Arizona
05 Silver Lining
06 Love The One You’re With

Set 2

07 Sweet Maria
08 Bring it Back
09 Ties That Bind
10 I Never Loved A Man (The Way I Love You)
11 Roll
12 As If
13 ??
14 Left Behind

Encore

For All We Know
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Credits

Danke Volker, für Deine hilfreichen Video-Spickzettel.

Und Markus: Gute Idee damals im Liegestuhl.


Konzertbericht

Bywater ist der Stadtteil in New Orleans, in dem sich die Marching Bands aufstellen für ihren Marsch am Mardi Gras, dem Karneval in Mississippi – die Jazz-Metropole ist einer der zahlreichen Einflüsse, auf die sich die siebenköpfige Band aus Toronto beruft und direkt in ihrem Namen verankert hat. Neben zahlreichen namhaften Blues-Festivals ist die Band seit ihrer Gründung 2017 daher auch immer wieder auf Jazz-Events vertreten. Die Kanadier sind aber keineswegs nur auf Jazz und Blues festgelegt, sondern bedienen sich stilistisch in allen Gefilden der amerikanischen Musik von Blues Roots, Southern Rock, Soul und Gospel bis zum Rock’n’Roll.

Bevor es nach New Orleans geht, kam für ihre dritte Tour durch Europa jetzt erstmal der Call aus Baden-Baden, doch bitte im dortigen Blues-Club die neue Saison zu eröffnen. Gleichzeitig ist es das erste deutsche Konzert der Tour mit exklusiver EP auf dem reich bestückten Gabentisch.

Somit geht es von der ersten Minute der neuen Spielzeit mit Vollgas zur Sache. Denn auf der Bühne schaltet Bywater Call in einen komplett anderen Gang als im Studio. Auf den Alben dominieren eher ruhige, aber dynamisch ausbalancierte Arrangements des umfangreichen Instrumentariums. Die eindrucksvolle Stimme von Meghan Parnell lässt auf meinem inneren Bildschirm öfters eine rote Lockenmähne mit weißer Strähne erscheinen. Oder Beehive und Kajal …

Hier im Live-Modus erleben wir einen wilden Ritt mit Parnells Stimme eher am Anschlag des Reglers, aber gegen so eine grandios aufspielende Truppe muss man auch erstmal ansingen. Gegen, nein mit,  jam-artigen Sessions von Dave Barnes Slide-Soli auf der Gitarre, die sich mit John Kervins Tasten derart verweben, dass man nur noch schwerlich raushört, wer da welche Töne erzeugt. Harte Breaks der beiden Bläser nach einer Keyboard-Passage, wobei Stephen Dyte mit der Trompete und Julian Nalli am Saxophon auch dafür zuständig sind, einen Sound-Teppich à la Hammond Orgel auszubreiten – oder mit dem Drum-Stick aus der Hosentasche mal eben auf die Kuhglocke zu hauen.

Die Rhythm-Section aus Mike Meusel am E-Bass und Bruce McCarthy an den Drums tritt zwar leider erst gegen Ende mit Soli in den Vordergrund, ist aber immer deutlich und präzise vernehmbar und füllt die letzte akustische Lücke im Löwensaal, falls sich irgendwo eine auftun sollte, die da nicht hingehört.

Der Blues-Club sucht immer nach Bands mit überwiegend eigenem Material, und so präsentiert auch Bywater Call Maßgeschneidertes – im Opener Lover Down Slow harmonieren gleich mal Parnells Gesang mit dem Übergang in Barnes Slide-Solo hervorragend.

Die nächste beiden Nummern gibt es bisher nicht mal auf Platte sondern nur live, und nehmen auch gleich das Publikum mit – vom Piano-Intro über ein Gebläse-Duett bis zum New-Orleans-Finale. Vom gefühlvollen Piano-Solo bis zum nächsten fulminanten Slide-Solo.

In Silver Lining bläst mir die Trompete immer wieder New Orleans ins Ohr, aber der letzte Song des ersten Sets gehört Crosby, Stills & Nash,ja, & Young – beziehungsweise sie liefern mit Love The One You’re With den Rahmen für einen fulminanten Jam, der sich versteckt anschleicht.

Parnell singt ihren ersten Part … do-do, do-do, dodoo und lässt sich mit Tambourine am Bühnenrand nieder … leicht sphärische Klänge wehen über die Bühne, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen … Saxophon steigt ein und pirscht sich an Keyboard ran, dass jetzt vernehmbar wird … die Gitarre beugt sich dazu und mischt melodisch mit … Schlagzeug und Bass halten das ganze zwar rhythmisch im Zaum,  pushen dafür die Lautstärke nach oben … dort setzt Trompete noch einen drauf … und das Ganze findet zurück in den ursprünglichen Song … dododo, dododo!

Pause.

Weiter geht’s mit der ohrwurmigsten Nummer – die vorletzte Single Sweet Maria beginnt mit einem leicht verzerrtem Piano-Riff, ist irgendwie laid-back und treibt aber dann doch auch nach vorne. Der Song lebt mehr von der Dynamik der Cuts und wechselnden Einsätze aller Instrumente als von Volume – und gibt so auch Parnells Stimme mehr Freiraum. Einen animierenden Klatsch-along-Part gibt‘s obendrein. Ja, sehr sweet, die Maria, und sie bringt diese Combo mit sieben grandiosen Musikern wunderbar auf den Punkt.

Bring It Back wird von McCarthy mit der Snare-Drum krachend eingezählt, Parnells Stimme übernimmt die Schläge, macht wieder Platz für mehrere Soli der Kollegen, die Bläser sorgen für leichten Downbeat und die Barnes Gitarre fliegt das Ding in bester Orgel-Manier nach Hause.

Nochmal eine unveröffentlichte Nummer gibt es mit Roll – soulig, warme Stimme, sanftes Gebläse. Ein nächstes Album könnte interessant werden. As If wiederum gibt es auf der EP, rockiges Gitarren-Riff vs. jazzige Bläser. Left Behind bringt ein wummerndes Bass-Solo und einen weiteren Beweis für die lohnende Investition in – muss gar nicht viel sein – wohlgeformtes Blech. Beim letzten kraftvollen Refrain erscheinen jetzt auf meinem inneren Bildschirm eine große runde Nickelbrille und eine eckige Whisky-Flasche…

Womit wir in der Zugabe wären. Parnell lässt für die aktuelle Single nochmal den samtrauhen – gibt’s das? For All We Know: ja!  – Klang ihrer Stimme über die Power dominieren. Im Einklang damit Barnes auf der akustischen Gitarre, am Schluss finden sich alle wieder bei etwas upbeat zusammen.

Die letzte Nummer voller Power-Soli lässt endlich McCarthy an seiner Schießbude richtig von der Kette – und er LÄSST es fliegen…

Alle einschließlich Publikum – „Nananananaa“ – sind so sehr beschäftigt, dass sich Parnell fast unbemerkt Richtung Merchandising-Stand verdünnisiert. Auch die Band legt am Ende einfach ab und spaziert von der Bühne …

Hat man so auch noch nicht gesehen. Aber gut, dafür stehen sie alle gleich gut zugänglich draußen am Stand und signieren fleißig das reichhaltige Angebot. Die Kanadierscheinen auch off-stage ein geschäftiges Gespür zu haben – EP für satte 20 €, jede Menge richtig schöne Band-Shirts und der Blues-Club steht erstmals auf einem Tour-Plan auf dem Rücken – gleich an zweiter Stelle. Da sind einige Hemden in Baden-Baden geblieben…

Was sonst noch auf dem T-Shirt-Rücken steht:

Die nächsten Tour-Termine von Bywater Call

29.09.   Blues Garage, Hannover
30.09.   Real Music Club, Lauchhammer
17.10.   Colos-Saal, Aschaffenburg
19.10.   Blues-Club im Chiemgau, Rimsting
22.10.   Kulturrampe, Krefeld
24.10.   Harmonie, Bonn

+ weitere Termine in NL und UK auf https://bywatercall.com/


Bildergalerie: Bywater Call


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