Bill Evans: Some Other Time (Sounds)


Bill Evans - Some Other Time - 2016 - Cover
Bill Evans – Some Other Time – 2016 – Cover

Bill Evans

Titel: Some Other Time
The Lost Session From The Black Forest
VÖ: 22.04.2016
Label: Resonance Records
Vertrieb: H’art Musik-Vertrieb GmbH
Formate: Vinyl, CD, digital


Tracklist

Disc One:

  1. You Go To My Head (4:58)
  2. Very Early (5:12)
  3. What Kind of Fool Am I? (5:21)
  4. I’ll Remember April (4:08)
  5. My Funny Valentine (6:58)
  6. Baubles, Bangles & Beads [Duo] (4:38)
  7. Turn Out The Stars (4:56)
  8. It Could Happen To You (3:58)
  9. In A Sentimental Mood (4:18)
  10. These Foolish Things (4:14)
  11. Some Other Time (5:28)

Disc Two:

  1. You’re Gonna Hear From Me (3:32)
  2. Walkin’ Up (4:10)
  3. Baubles, Bangles & Beads [Trio] (4:51)
  4. It’s Alright With Me [Incomplete] (3:45)
  5. What Kind Of Fool Am I? (2:51)
  6. How About You (3:59)
  7. On Green Dolphin Street (4:33)
  8. Wonder Why (4:13)
  9. Lover Man (Oh, Where Can You Be?) (3:49)
  10. You’re Gonna Hear From Me [Alternate Take] (3:24)

Line-Up

Bill Evans – piano
Eddie Gomez – bass
Jack DeJohnette – drums

Rezension (Album)

Sterben große Künstler, gerade das Genre Musik kämpft im laufenden Jahre 2016 mit dem Verlust einiger „outstanding heroes“, der einzigartige David Bowie und der geniale Prince seien hier nur nur stellvertretend erwähnt, ist die Betroffenheit der Fans so groß, dass die sozialen Medien in einer manchmal schon peinlichen Art und Weise dieses Thema ausschlachten. Die Plattenindustrie zieht schnellstmöglich, sobald die Rechte am musikalischen Erbe geklärt sind, nach. Manche posthume Veröffentlichung hat sich dabei schon als entbehrlich erwiesen.

35 Jahre nach Bill Evan’s Tod erscheint „Some Other Time“

Der US-Amerikaner William John „Bill“ Evans, kurz Bill Evans, ist schon seit mehr als 35 Jahren tot. Mit gerade einmal 51 Jahren starb er an der Folgen seiner beinahe lebenslangen Drogensucht. Er war kein Pop-Star im heutigen Sinne, dafür ein genialer Pianist und Komponist, der sich das Betätigungsfeld des Modern Jazz ausgewählt hatte.

Im Miles Davis Sextett errang er Ende der 1950er Jahre eine gewisse Popularität, an Miles Davis’s legendärem Album Kind Of Blue (1959) war er auf beinahe sämtlichen Songs vertreten.

In diversen Trio-Formationen erlangte er dann – frei von Bläsern – endlich die gewünschte künstlerische Freiheit. Das erste Trio mit Paul Motian  am Schlagzeug  und Scott LaFaro am Bass, zerbrach allzu früh mit dem Tod des Bassisten im Jahre 1961. Die anschließenden Trio-Besetzungen wechselten dann immer wieder.

Eddie Gomez löste im Jahre 1966  Charles Israel am Bass ab, Jack DeJohnette war ab dem Jahre 1968, allerdings nur für wenige Monate, als Schlagzeuger mit von der Partie.

Das nun veröffentlichte Album Some Other Time – The Lost Session From The Black Forest – wurde am 20. Juni 1968 just mit diesem Line-Up aufgenommen. Wenige Tage zuvor hatte das Trio beim 2. Montreux Jazz Festival begeistert.

Wie kam es zu diesen lange Zeit verschollenen Aufnahmen?

Der deutsche Musikjournalist, Radioredakteur beim Südwestfunk Baden-Baden und Musikproduzent Joachim-Ernst Berendt war über Jahrzehnte ein Tausendsassa in Sachen Jazz. Er konnte damals sowohl Hans-Georg-Brunner-Schwer, der aus der Firma Saba ausgestiegen war, gerade sein Jazzlabel MPS ( Musikproduktion Schwarzwald) gegründet hatte, als auch die Managerin von Bill Evans zu einer kurzen Rast des amerikanischen Trios im Schwarzwald überreden. Bill Evans war zu dieser Zeit beim Label Verve unter Vertrag,  so dass eine unmittelbare Veröffentlichung nicht möglich war. Die Aufnahmen gerieten erst einmal in Vergessenheit. Hans-Georg Brunner-Schwer starb 2004.

Danach spielt der Zufall, gepaart mit dem musikalisch-archäologischen Spürsinn eines Jazzbegeisterten, eine große Rolle.

Zev Felman ist Vizepräsident und Chefmanager beim amerikanischen Independent-Label Resonance Records, das Jazzgrößen kuratiert und Newcomer in diesem Genre fördert. Feldman war im Jahr 2013 zu Besuch bei der JazzAhead Konferenz in Bremen und Beifahrer in einem Fahrzeug, das von einem Nachkommen Brunner-Schwers gesteuert wurde. Hier hört er erstmals Auszüge aus der damaligen „Schwarzwald-Session“ des Trios um Bill Evans.

Solo, Duo und Trio

Seine damalige Begeisterung über dieses Schatzkästlein kann man nach Anhören des CD-Doppeldeckers, bei dem Bill Evans Solo, im Duo und im Trio zu hören ist, leicht nachempfinden. Die fast ein halbes Jahrhundert alte Aufnahme klingt auf CD schon ganz hervorragend, so dass man erahnen kann, wie der „Schwarzwald-Steinway-Flügel“ in Begleitung von Bass und Schlagzeug erst auf Vinyl ertönen mag.

Dem „Jazzdetektiv“ Zev Feldman und der Aufgeschlossenheit von Brunner-Schwers Erben ist zu verdanken, dass dem interessierten Hörer nun ein Ergänzungsprogramm mit diversen Standards, wie „These Foolish Things“ „My Funny Valentine“ oder „On Green Dolphin Street“, zum damaligen Bill-Evans-Trio-Montreux-Jazz-Festival-Beitrag des Jahres 1968 zugänglich gemacht wird. So existieren von diesem kurzlebigen Trio nun doch zwei europäische Aufnahmen – einmal mit und einmal ohne Publikum.

Die Ausstattung der Veröffentlichung darf man als vorbildlich bezeichnen. Ausführliche Textbeiträge von Zev Feldman, dem amerikanischen Journalisten Marc Myers, von Friedhelm Schulz, dem Vorsitzenden des Jazz-Verbandes Baden-Württemberg e.V., sowie Telefoninterviews mit Eddie Gomez und Jack DeJohnette.

Und die Musik?

“Every time he touched the piano, he touched my heart, and he played with a sound that was just a gorgeous sound.” 

So Eddie Gomez über die Spielweise von Bill Evans.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

© Gerald Langer


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