Axel Küstner: Bluesfotograf
Datum: 05.11. – 15.11.2025
Ort: Kulturkeller Z87, Frankfurter Str. 87, 97082 Würzburg
Website: https://www.all-is-blues-festival.de

Inhaltsverzeichnis
Am 14. und 15. November 2025 geht es im Würzburger Kulturkeller Z87 ausschließlich um die „blauen Töne“, wenn dort das zweite Würzburger „All is Blues“-Festival stattfinden wird. Darüberhinaus gibt es ab dem 5. November 2025 auch noch eine Ausstellung mit Fotografien von Axel Küstner.
Vernissage am 5. November 2025
Es haben sich heute Abend doch einige Interessierte im Keller Z87 eingefunden.
Karl-Georg Rötter eröffnet den Abend, umreißt die Biografie von Axel Küstner. Dieser verliert im nachfolgenden Vortrag – wider meinem Erwarten – nahezu kein Wort über seine Fotografien, sondern lässt dafür die Musik sprechen.
Eine gute Stunde „Schellack-Disco“, mit einem Axel Küstner, der sich als wandelndes Blues-Lexikon entpuppt und jede Menge Geschichten um dieses Genre und die Menschen, die es musikalisch ausgefüllt haben, erzählen kann.
Es ist ein äußerst kurzweiliger Vortrag bei knisterndem und rauschendem Schellack. Besonderes benötigt eben auch eine ganz besondere Atmosphäre.
Den Gästen gefällt’s jedenfalls.
Möge dieser beredte Gast aus Bad Gandersheim auch im nächsten Jahr an den Main zurückkehren. Genügend Schellack hat dieser Sammler daheim jedenfalls im Regal, um uns auch weiterhin auf das Beste unterhalten zu können.
Am zweiten Abend des diesjährigen All-Is-Blues-Festivals, also am 15.11.2025, wird Axel Küstner nochmals im Keller Z87 zugegen sein.
Einige fotografische Impressionen


















Die Bilderhängung am 4. November 2025
Am 04.11.2025 hatte ich die Möglichkeit, mir die Fotografien von Axel Küstner im Rahmen der angesetzten kleinen PK bereits anzusehen, mich mit ihm auch etwas auszutauschen.
Es sprudelt geradezu aus ihm heraus, als er die Geschichten hinter den verschiedenen Fotos erzählt, die auf seinen zahlreichen USA-Reisen entstanden sind.
Aufgewachsen in einem liberalen Elternhaus, entwickelt er, wie viele Teenager in den 1960er und frühen 1970er Jahren, ein Faible für Rockbands wie The Doors, Cannes Heat, Fleetwood Mac, Janis Joplin und viele andere mehr. Schon bald erkennt er, dass die Wurzeln des „schwarzen Blues“ im Süden der USA liegen. Und zu dieser „Ursprünglichkeit“ will er vordringen.
Am 15.3.1972 erlebt Küstner, der ganz offensichtlich über ein gut funktionierendes Zahlengedächtnis verfügt, sein erstes Blues Festival in Bremen, noch ohne Kamera und ohne die ausgeliehene UHER Report Tonbandmaschine seines Vaters. Im Sommer 1972 folgt dann sein erster USA Besuch mit gerade einmal 16 Jahren.
Diesmal hat er die Tonbandmaschine dabei, auch eine Kodac Instamatic mit Blitzwürfeln. Erste Aufnahmen entstehen. Später soll es zunächst eine Voigtländer Sucherkamera seines Vaters sein, die er mitnimmt, danach eine Rollei 35, sodann eine Canon AE 1 mit hochwertigen lichtstarken Objektiven und ausschließlich Festbrennweiten.
Wenn man seine Fotografien betrachtet, weiß man, dass er zur Aufnahme sehr nah an das Objekt herantreten musste. Zoom-Objektive kamen aus vielerlei Gründen nicht für ihn in Frage.
Die aufgehängten Bilder sind allesamt auch technisch hochwertig. Sie basieren durchweg auf analoger Aufnahmetechnik und sind in den letzten Jahren digitalisiert worden. Es handelt sich überwiegend um monochrome Fotografien, einige farbige sind allerdings auch dabei.
Es ging Küstner beim Fotografieren zum einen um die Menschen, wie sie leben, um die Musiker und eben auch um die Musik, die sie machten.
Am 05.11.2025 besteht um 19:00 im Rahmen der Vernissage die Möglichkeit, Axel Küstner auch als Schellack-DJ zu erleben. Einige Raritäten au seiner umfassenden Sammlung hat er im Gepäck.
Ich freue mich nun auf die Vernissage mit hoffentlich vielen Gästen, die sich zum einen für sein fotografisches Werk – 27 Bilder sind im Keller Z87 exemplarisch gehängt – interessieren, zum anderen für die Musik, die uns ein Zeitzeuge des US-amerikanischen Blues mitgebracht hat. Gewiss wird sie auch anders klingen als die zeitgenössischen Acts des anstehenden Blues Festivals in Würzburg.
Einige Impressionen vom 04.11.2025








Pressetext
Die Ausstellung „Gon’ Play It For Lil’ Brother“ mit Bluesfotografien von Axel Küstner
B.B. King, John Lee Hooker, Muddy Waters oder Buddy Guy – um nur ein paar Namen zu nennen – sind Bluesmusiker, die jedem Kenner des Genres wohlbekannt sind und die während ihrer Karriere reiche Männer geworden sind.
Aber wer hat schon mal von Arzo Youngblood, Lottie Murrell, Lonzo „Boogie Chillen“ Burke oder Dan Pickett gehört? Auch sie sind Bluesmusiker, spielten zur gleichen Zeit wie die späteren Blues-Millionäre, lebten jedoch ein Leben am Existenzminimum. Ihr Zuhause war am äußersten Rand der Gesellschaft des Mississippi-Deltas im ohnehin schon armen Süden der USA. Musikalisch blieben sie meist unbekannt.
Axel Küstner (geb. 1956) aus Bad Gandersheim in Niedersachsen kennt sie alle und noch viele mehr. Der heute 68-jährige Fotograf hat sie während rund 30 Reisen, die er zwischen 1978 und 2005 kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten – vor allem im Süden der USA – unternahm, besucht. Er hat in ihrem persönlichen Umfeld fotografiert, in ihren Wohnzimmern und Küchen ihre Musik aufgenommen – und zahlreiche Erinnerungen gesammelt.

Dem All is Blues-Festival ist es gelungen, für seine zweite Ausgabe am 14. und 15. November 2025 Axel Küstner für eine Ausstellung seiner außergewöhnlichen Bilder zu gewinnen.
Er wird etwa 35 großformatige Fotografien mitbringen und im Keller Z 87 im Bürgerbräugelände ausstellen.
Es ist eine Auswahl aus über 30 000 Bildern aus Axel Küstners Archiv. Küstners Bilder waren seit zehn Jahren in Deutschland nicht mehr zu sehen, in den USA hatte er seine letzte Ausstellung im Herbst 2024 im Black Prairie Museum in West Point Mississippi.
Küstners Leidenschaft für den Blues begann schon früh. Als am 15. März 1972 in Bremen das legendäre American Folk Blues Festival Station machte, saß der gerade mal 16-Jährige im Publikum. Mit der damaligen Rock- und Popmusik konnte er nichts anfangen, denn durch einen Sampler des Lifestyle-Magazins TWEN hatte er erstmals Bluesklänge gehört und damit war’s um ihn geschehen. Der Blues der Afroamerikaner wurde seine Obesssion bis zum heutigen Tag.
Zurück nach Bremen:
Der junge Axel Küstner hatte das tragbare Uher-Tonbandgerät seines Vaters dabei und nahm seine Idole im Konzert auf. Das konnte man damals noch. Und dann kam der entscheidende Moment. Nach dem Konzert traf er hinter der Bühne Big Joe Williams (Komponist des Blues-Klassikers „Baby please don’t go“). Der empfing ihn überaus freundlich und wollte ihm unbedingt einen Song auf sein Tonband singen. Gesagt, getan. Einige Jahre später besuchte der junge Axel Küstner den Bluesmann in den USA und es entstand eine lebenslange Freundschaft.
Und Williams kannte natürlich die Bluesleute in den USA und konnte Küstner zahlreiche Kontakte vermitteln, was überaus hilfreich für seine späteren Roadtrips war. Wie sonst sollte ein junger Deutscher obskure Musiker, die kaum einer kannte, aufspüren? An Internet und E-Mail wagte damals noch niemand zu denken.
Big Joe galt als schwieriger Charakter, dennoch ließ er den jungen Deutschen nahe an sich heran. Das gilt auch für zahlreiche Bluesleute, denen Küstner bei seinen Reisen noch begegnen sollte. Dem autodidaktischen Fotograf gelang es, Nähe und Vertrauen zu den Blues-Künstler herzustellen. Und obwohl seine Aufnahmen eigentlich rein dokumentarisch sind, zeigen sie nahezu intime Einblicke fernab von jeglichem Voyeurismus.
Küstner lauert seinen „Modellen“ nicht wie ein Paparrazzo auf, sondern taucht in ihre Welt ein und agiert mit ihnen auf Augenhöhe. Deshalb erscheinen die fotografierten Bluesmänner (ein paar wenige Frauen sind auch dabei) auch nicht vordergründig als verarmte alte Männer, sondern als Personen, die eine große Würde ausstrahlen. Als ob sie sich bewusst seien, dass sie die letzten ihrer Art sind und dies für die Nachwelt dokumentieren müssten.
Alle der fotografierten Kümstler sind in der Tat inzwischen verstorben. Der deutsche Fotograf hat somit ein wichtiges Kapitel amerikanischer Musikgeschichte festgehalten und ermöglicht dem Betrachter, in die inzwischen nicht mehr existierende Welt der authentischen Bluesmen einzutauchen.
Küstner hat aber nicht nur fotografiert, er hat auch vor Ort Musik aufgenommen, die man ohne diese Aufzeichnungen wahrscheinlich sonst nie gehört hätte. Zunächst alleine und später mit Toningenieur Siegfried „Ziggy“ Christmann und professionellem Equipment, ließen sie sie bei ihren Besuchen das Tonband laufen. Das war nicht immer ganz einfach, denn hin und wieder musste Küstner erst mal eine Flasche Whiskey oder ein paar Dosen Bier spendieren, ehe die Bluesmen zu Gitarre oder Bluesharp greifen mochten.
Als Ergebnis dieser „Field Recordings“ wurde die zwölf Langspielplatten umfassende Box „Living Country Blues USA“ veröffentlicht, begleitet von einem Begleitheft mit Bildern und Texten von Axel Küstner. Diese Aufnahmen sind inzwischen auch als CDs veröffentlicht worden. Daneben gibt es im Internet mehrere Radioshows aus den USA, in denen zahlreiche unveröffentlichte Songs aus Küstners Archiv zu hören sind.
Axel Küstner wird zur Eröffnung seiner Ausstellung, die am 5. November stattfinden wird, nach Würzburg kommen. Die Bilder werden natürlich auch während des Festivals zu sehen sein.
Pressetext: © All Is Blues-Festival
All Is Blues | Kontaktadresse
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