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Rosedale – Blues-Club Baden-Baden 2020 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Rosedale am 18. Januar 2020 im Blues-Club Baden-Baden.
Oh my god …… !


Baden-Baden (music-on-net) So, wie dieses Konzert im Blues-Club heute anfängt, hören manche anderswo nicht mal auf. Und um dieses Ende diese Konzert gleich mal vorweg zu nehmen: Von nicht wenigen, mit dem ich am Ende rede, kommt so etwas wie „best ever hier im Löwensaal“ – und das reicht immerhin 19 Jahre zurück.

Club-Chef Klaus Hartmann steht bei seinem Abschluss-Statement noch die Begeisterung ins Gesicht geschrieben darüber, dass er diese Band auf die Bühne bekommen hat: „Eine Wahnsinnsröhre am Mikro. Eine Gitarre, die alles kann – heftig laut, aber auch ganz leise und gefühlvoll. Permanent kraftvolle Drums und ein fetter Bass von hinten. Dazu ein Keyboard, das alle Zwischentöne beherrscht. Gerne wieder!“

Für das Blues-Americana-Rock-Feuerwerk, dessen Rauchschwaden noch im Saal hängen – tatsächlich die erste Nebelmaschine, die ich hier erlebe – musste aber keine routinierte US-Band aus den Swamps gezogen werden. Nein, Rosedale ist ein Gewächs aus der elsässischen Nachbarschaft – und ein junges Pflänzchen dazu. Erst 2016 haben sich Sängerin Amandyn Roses und Gitarrist Charlie Fabert zusammengetan und sich in kürzester Zeit durch namhafte französische Festivals gespielt; mischen sich im neuen Buch über die besten Rockbands jenseits des Rheins unter die besten 50; und haben es auch schon aufs Cover der deutschen Bluesnews geschafft. Im Gepäck bereits zwei Alben, die für selbstbewusste 20 € auf dem Merchandise-Tisch liegen.

Gehen wir zurück auf Los: Das hört sich zuerst etwas nach schwebenden Pink Floyd-Sphären vom Synthesizer an, in die sich Faberts E-Gitarre hineinwebt, so angelegentlich, als wäre er noch am Stimmen.

Ich hatte vorher nur kurz in die Band reingehört und sie irgendwie auf der eher soften Schiene einsortiert. Damit ist schlagartig Schluss mit dem Auftritt Amandyns, ganz in schwarz, vom fetten Kajal bis zu den martialischen Stiefeln über Woll-Overknees. Mit dem ersten Ton ihrer prägnanten Stimme wird aus dem sphärischen Intro ein furioses Racing At The Wheel. Und wahrlich drehen alle von Anbeginn kräftig am Rad. Das erste kleine Gitarrensolo von Fabert lässt sogleich seine Qualitäten erahnen. Am Drumset lässt Denis Palatin die Muskeln unter den Tattoos spielen, treibt die anderen mit mächtigen Tom-Tom- und Bass-Schlägen vor sich her und schickt zusammen mit Pili Tempo am E-Bass satte Grüße in die Magengegend.

In Smoking Gun kommt dann ein Gitarrensolo am Bühnenrand, bei dem man sich schon in der zweiten Nummer eigentlich nur noch ergeben kann, selbst Amandyn ist in die Knie gegangen. Mein Tischnachbar, auch Gitarrist, schaut verzückt auf Faberts schlanke, spinnenartigen Finger, die traumwandlerisch auf dem Griffbrett … tanzen? „Wie bewegt der seine Gelenke, das geht doch gar nicht…?“

Fireplace fängt mit dem Klaviersolo an. Séraphin Palméri hat sein Keyboard auf akustisches Piano getrimmt, das sich im dritten Stück wie ein gemütlicher Kaminabend ausbreitet. Aber schon gießt Madame Roses einen Schluck Öl ins Feuer und stellt mit einem krachenden Nutbush City Limits klar, dass sie sich mit ihrer Stimme an alle Größen heran trauen kann.

Die Bad News überlässt sie ihren Jungs – alle Instrumente liefern sich eine infernalische Rock’n’Roll-Schlacht. Faszinierend immer wieder Faberts Soli – einerseits völlig entrückt um seine Gitarre gewunden, sucht er bei seinem grandiosen Spiel doch immer wieder den Kontakt zum Publikum … wirft ihm Riffs zu … gestikuliert mit den Tänzern vor der Bühne. So, wie sie Amandyn ihre Refrains aus der Hand fressen, sind die Besucher schon im ersten Set voll dabei wie schon lange nicht mehr im Löwensaal. Und damit man sich nicht zu sehr verausgabt – sind ja alles keine Teenager mehr hier – gibt’s vor der Pause I’ll Take Care Of You, ein Duett, sehr beruhigend und gefühlvoll. Unnötig zu erwähnen, dass Faberts Finger auch auf der akustischen Gitarre nicht nur grandiose Melodien beherrschen, sondern auch perfekt die jetzt warme und tiefe Stimme seiner Partnerin untermalen.

„YeaheYEEAHH … whowhuWHOU…“ Amandyn nimmt direkt nach der Pause sofort wieder Fahrt auf, immer noch A Long Way To Go. Weiter mit Drifting, das auf dem neuen Album mit der deutschen Bluesgröße Henrik Freischlader eingespielt wurde.

In Hideaway toben sich dann Bass und Schlagzeug mit einem Gewitter aus Donnergrollen so richtig aus, bevor die Hölle losbricht – When Evil Sets Its Sights On You ist von vorne bis hinten ein unfassbares, fulminantes Drum-Solo, das Palatin gleichzeitig so locker und souverän rüberbringt, so melodisch, vielseitig dynamisch … hab ich da irgendwo jemand was von „… John Bonham…“ raunen hören?

Während alle noch ganz betäubt sind, begibt sich Amandyn wieder ans Mikro, um das Publikum für das Gitarrensolo-Finale in Rage zu bringen. Fabert zieht nochmal für 10 Minuten alle Register von orgel-melodisch bis sägewerk-rauh, inclusive fliegendem Gitarrenwechsel und Rückkopplungen direkt vor dem Verstärker.

Kurze Verschnaufpause zur Zugabe – und schon dirigiert sie sich gleich wieder die Vibes vor der Bühne und bringt alle Mojos in Wallung, um schließlich mit leicht jazzig improvisiertem Gesang aus zu klingen.

Jetzt soll man aufhören, weil‘s grad am schönsten ist – und die Setlist zu Ende.

Aber: drei wohlbekannte Gitarrenschläge und alle rasten richtig aus: Whole Lotta Love! Die spielen einfach nahtlos weiter. Mit Vollgas! Mit Soli! Einfach so … Das Publikum hat sich’s heute aber auch verdient!

Und gleich hintendran Highway To Hell

OK, hat jetzt jeder selber vor Augen und Ohren, was abgeht…

… und auf dem Highway haben sie die Bühne tatsächlich verlassen. Soviel zur Frage, wie dieses Konzert bei dem Anfang nur enden soll: Bis zum unglaublichen Schluss ohne einen Absacker!

Wer das gleich mal hören will: das neue Album Wide Awake hat seinen eigenen Reiz. Nicht ganz so hart wie live und ohne Cover-Titel, dafür noch akzentuierter in Stimme und Instrumentierung. Und mit einem Duett mit Paul Cox. Und einem sehr stimmigen Bläsersatz, mit dessen Hilfe die Band in der Gegend von Steely Dan leicht in Richtung Jazz abbiegt. Auch das beachtenswerte Keyboard hat es hier etwas leichter, sich neben der präsenten Amandyn sowie Faberts Gitarre Gehör zu verschaffen. Aber keine Sorge – da ist auch Gitarre satt auf der Scheibe.

Wer auch mal live hören möchte – hier die nächsten Termine:

7.3.2020         Strandbar 51, Winterbach
13.3.2020       Kulturbastion, Torgau
14.3.2020       Bauernstube, Düvler
28.3.2020      Sausheim, FR (direkt bei Mulhouse)
3.4.2020         Casino Barrière, Blotzheim, FR (Direkt bei Basel)
25.4.2020       Hypothalamus, Rheine, DE
31.07.2020     Rock Wall Open-Air, Saarlouis

www.rosedale-music.com


Line up | Rosedale

Amandyn Roses – vocals
Charlie Fabert – guitar, vocals
Pili Tempo – bass
Denis Palatin – drums, vocals
Séraphin Palmeri – keyboard


Setlist


Set 1

Intro / Racing At The Wheel
Smoking Gun
Fireplace
Nutbush City Limits
Soul Posession
Bad News
The Sun Won’t Rise Today
I’ll Take Care Of You
Outro for Pause

Set 2

Long Way To Go
Drifting
Hideaway
Dance With The Devil
Saw Him Standing There
Sorry
When Evil Sets Its Sights On You
The Kind Of Man You Are

Encore

Mojo Working

Bonus Tracks

Whola Lotta Love
Highway To Hell


© Jörg Neuner


Konzertfotos | Rosedale



Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner (music-on-net)


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