
The Cure
Titel: The Show Of A Lost World: Troxy London 2024
Format: BR-Video & BR-Audio
VÖ: 13.12.2025
Label/Vertrieb: Sony
Sound: Tonformate Blu-ray: 2.0 LPCM Stereo (96 kHz/24 Bit), 5.1 Dolby TrueHD, Dolby Atmos
Bild: 4K remastered
Laufzeit: 167 Minuten
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Inhaltsverzeichnis
Rezension
Das letzte Studioalbum von The Cure hatte mich schon begeistert. Die Live-Präsentation war somit ein „Muss“.

„The Show Of A Lost World: Troxy Live 2024“ ist die bislang konsequenteste audiovisuelle Manifestation von Songs Of A Lost World – ein dreistündiger Konzertfilm, der die fragile Melancholie des neuen Materials mit der Wucht eines karriereumspannenden Cure‑Best-of vereint und in Dolby Atmos so körperlich macht, als stünde man mitten im Troxy.
Zugleich ist die Blu-ray ein spätes, unerwartet berührendes Denkmal für die aktuelle Live‑Formation um Robert Smith und den 2025 verstorbenen Perry Bamonte, deren chemiegeladenes Zusammenspiel sich hier in maximaler Detailtiefe nacherleben lässt. Perry Bamonte steht allerdings überwiegend im Schatten.
Kontext und Konzept
- Am 1. November 2024 präsentieren The Cure im ausverkauften Troxy in London ihr neues Album Songs Of A Lost World in voller Länge – einmalig, begleitet von einem kostenlosen Livestream auf YouTube.
- Die Blu-ray „The Show Of A Lost World (Troxy Live 2024)“ dokumentiert diesen Abend komplett: 31 Songs, zunächst das komplette neue Album, anschließend ein Block aus Klassikern und ein fünf Stück starkes Mini‑Set zum 45‑jährigen Jubiläum von Seventeen Seconds.
- Regisseur Nick Wickham schneidet das Material neu, der Film wird in 4K remastered und erhält einen frischen Surround-Mix von Robert Smith, der nicht nur Frontmann, sondern klar auch Kurator der eigenen Geschichte ist.
Dier Live-Mitschnitt erschien im Dezember 2025 auf Blu-ray und DVD, ergänzt um eine 4K‑Kinofassung, und schließt damit fast nahtlos an die Album- und Live‑CD‑Auswertung (Songs Of A Live World: Troxy London MMXXIV) an.
Bildsprache und Sound
Der Film setzt auf eine klassische Bildsprache, vermeidet überzogene Effekte und arbeitet lieber mit langen Einstellungen, Close-ups von Smiths Gesicht und Händen sowie ruhigen Fahrten durch das Publikum. Insgesamt ist das Bild allerdings eher düster, die Lightshow, dennoch interessant, alles irgendwie passend zum Kajalstift von Robert Smith.
Klanglich spielt die Blu-ray ihre Stärken voll aus:
Neben unkomprimiertem Stereo (96 kHz/24 Bit) bietet sie 5.1 Dolby TrueHD und einen Atmos-Mix, der die Gitarrenschichten, Keyboards und Chöre fein im Raum verteilt, ohne in bombastische Effekthascherei zu kippen.
Die Bassarbeit von Simon Gallup steht druckvoll, aber definiert im Zentrum, während die Drums von Jason Cooper und die Gitarren von Reeves Gabrels und Perry Bamonte ein dichtes, aber transparentes Geflecht bilden.
Dramaturgie des Sets
Die Setlist folgt einer klaren Dreiteilung: neues Album, Klassiker-Block, Seventeen Seconds‑Mini‑Set plus finale Hits. Dadurch wirkt der Abend wie eine Reise durch mehrere The Cure‑Zeitzonen, ohne je in zerfaserte Mixtape‑Dramaturgie zu kippen.
- The Cure: Songs Of A Lost World live:
Die ersten acht Songs gehören ausschließlich dem neuen Album und zeigen die Band, die im Spätwerk nicht auf Autopilot schaltet, sondern noch einmal an den existenziellen Kern ihrer Ästhetik geht. Stücke wie „And Nothing Is Forever“, „A Fragile Thing“ und „I Can Never Say Goodbye“ schlagen eine Linie zu den introspektiven Momenten von Disintegration, allerdings mit einem spürbaren Bewusstsein für Alter, Verlust und Endlichkeit.
„Endsong“ beschließt diesen ersten Block als episches, ausfransendes Finalstück, das im Atmos‑Mix zu einem Strudel aus Hall, Gitarrenfiguren und schwebenden Keyboardflächen wird. - The Cure: Klassiker-Bereich und emotionale Peaks:
Danach öffnet sich der Abend in Richtung Kanon: „Plainsong“, „Pictures Of You“ und „Lovesong“ geben dem Publikum den erwarteten Resonanzraum, wobei die Kamera immer wieder Gesichter im Saal einfängt, die Jahrzehnte Cure‑Biografie mit sich tragen.
Die mittlere Phase mit „Fascination Street“, „A Night Like This“, „Push“ oder „In Between Days“ wirkt wie ein bewusst gesetzter Gegenpol zum düsteren neuen Material: mehr Bewegung, mehr Licht, aber immer noch tief im melancholischen Kern verankert. - The Cure: Seventeen Seconds und Schluss-Block:
Der Mini‑Setteil zum 45‑jährigen Jubiläum von Seventeen Seconds – mit „At Night“, „M“, „Secrets“, „Play For Today“ und „A Forest“ – ist emotional einer der stärksten Momente des Films, nicht zuletzt, weil die heutige Band diese Stücke mit einer Mischung aus Distanz und Zärtlichkeit spielt.
Das finale Hit‑Feuerwerk mit „Lullaby“, „The Walk“, „Friday I’m In Love“, „Close To Me“, „Why Can’t I Be You?“ und „Boys Don’t Cry“ ist dann weniger Nostalgie-Geste als ein bewusst ironischer, fast leichter Ausklang nach fast drei Stunden emotionaler Schwerstarbeit.
Als Gesamtpaket ist „The Show Of A Lost World: Troxy Live 2024“ damit weniger eine bloße Live-Dokumentation des letzten Studioalbums als eine späte Standortbestimmung.
Die Blu-ray zeigt eine Band, die ihr neues Werk mit derselben Intensität verteidigt wie die Klassiker und die ihre eigene Geschichte in Bild und Klang so sorgfältig kuratiert, dass sie zukünftigen Generationen als Referenz dienen wird.
Für mich ist diese Blu-ray eine Pflichtanschaffung gewesen. Ich mag The Cure seit vielen Jahren, habe sie aber selbst noch nicht auf der Bühne erlebt.
Da bleibt eben nur die „Ton- und Bildkonserve“.
Tracklist
Die Blu-ray enthält den kompletten, 31 Songs umfassenden Auftritt im Troxy, inklusive der vollständigen Aufführung von Songs Of A Lost World sowie des Seventeen Seconds‑Mini‑Sets.
Blu-ray
Songs Of A Lost World (Set #1)
- Alone
- And Nothing Is Forever
- A Fragile Thing
- Warsong
- Drone:Nodrone
- I Can Never Say Goodbye
- All I Ever Am
- Endsong
Other Songs Set #2)
- Plainsong
- Pictures Of You
- High
- Lovesong
- Burn
- Fascination Street
- A Night Like This
- Push
- In Between Days
- Just Like Heaven
- From The Edge Of The Deep Green Sea
- Disintegration
Seventeen Seconds Songs (Set #3)
- At Night
- M
- Secrets
- Play For Today
- A Forest
Encore Songs (Set #4)
- Lullaby
- The Walk
- Friday I’m In Love
- Close To Me
- Why Can’t I Be You?
- Boys Don’t Cry
Line-up
Die Blu-ray fängt eine Besetzung ein, die heute schon historischen Charakter hat, weil Perry Bamonte nur wenige Wochen nach der Ankündigung des Films verstorben ist. Das macht das Zusammenspiel der sechs Musiker doppelt bedeutsam.
Robert Smith Gesang, Gitarre, 6‑String‑Bass
Simon Gallup Bass
Jason Cooper Schlagzeug, Percussion
Roger O’Donnell Keyboards
Reeves Gabrels Gitarre, 6‑String‑Bass
Perry Bamonte Gitarre, 6‑String‑Bass, Keyboards
Credits
- Regie: Nick Wickham
- Produktion: Lost Images / Polydor / Mercury Studios / Trafalgar Releasing
- Produziert und gemischt von: Robert Smith & Paul Corkett
YouTube
The Cure: Secrets (Live At Troxy)