Rufus Wainwright – Take All My Loves (2016)

Sounds.
Album
– Review

Rufus Wainwright - Take All My Loves - 9 Shakespeare Sonnets - Cover (2016)
Rufus Wainwright – Take All My Loves – 9 ShakespeareSonnets – Cover (2016)

Rufus Wainwright – Take All My Loves – 9 Shakespeare Sonnets
VÖ: 22. April 2016
Label: Deutsche Grammophon
Formate: Vinyl, CD, digital

Der 43-jährige Amerikaner Rufus Wainwright ist Musiker durch und durch, der seine Leidenschaft beinahe von Kindesbeinen an pflegt. Bereits als Teenager entwickelt er ein besonderes Interesse an der Oper, eine warme, hohe Singstimme zeichnet ihn aus. 1998 erscheint sein, schlicht mit „Rufus Wainwright“ betiteltes, erstes Album. Mit „Poses“ (2001), „Want One“ (2002) und „Want Two“ (2003) etablierte er sich mehr und mehr in der Singer- und Songwriter-Szene, der bereits Vater Loudon Wainwright III angehört.

Einflüsse der klassischen Musik

Mit „Release The Stars“ (2007) spürt man zunehmend – unter Einsatz von Streichern – Einflüsse der klassischen Musik, auch wenn Neil Tennant von den Pet Shop Boys ihn während der Aufnahmen unter seine Fittiche genommen hat.

Insofern ist es rückblickend wenig überraschend, dass Rufus Wainwright sich nach der zuvor etwas breiteren Instrumentierung auf dem Nachfolgealbum „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ (2010) eine Beschränkung der Mittel verordnet und lediglich Klavierbegleitung zulässt.

Drei Shakespeare Sonette – „When I Most Wink“ (Sonett 43), „For Shame“ (Sonett 10) und „A Woman’s Face“ (Sonett 20) – finden sich bereits auf diesem vorgenannten Album.

„Out Of The Game“ ist wiederum ein relaxtes, leicht jazzig und bluesiges, Werk, das im Jahr 2012 etwas aus der Zeit gefallen scheint, aber gleichzeitig die Opulenz an Ideen, aus der Rufus Wainwright schöpfen kann, offenbart.

Primadonna – die erste Opernproduktion

Im September 2015 erscheint dann bei der Deutschen Grammophon mit dem Doppel-Album „Prima Donna“ seine erste Opernproduktion, die bereits 2012 in New York uraufgeführt wurde.

Am 22. April 2016 wird nun sein zweites Album „Rufus Wainwright – Take All My Loves – 9 Shakespeare Sonnets“ bei der Deutschen Grammophon, beinahe auf den Tag genau zum 400. Todestag von William Shakespeare, veröffentlicht.

Shakespeare und die Liebe – Rufus Wainwright und das Klinggedicht, wie man die Kunstform des Sonetts auch gerne nennt.

Wer nun auf dem Album sehr viel stimmlichen Einsatz von Rufus Wainwright erwartet, der dürfte etwas enttäuscht sein. Insofern wäre eine – ich gebe es zu – schon etwas abgegriffene Formulierung, wie „Rufus Wainwright & Friends“ oder Ähnliches angezeigt gewesen.

Denn über weite Teile dieses, insgesamt dennoch vorzüglichen, Albums glänzt Wainwright durch Abwesenheit oder Zurückhaltung als Background-Sänger. Mit  Anna Prohaska ist allerdings auch eine, in ihren jungen Jahren, sie ist erst 33 Jahre alt, bereits hoch dekorierte, Sopranistin vertreten, die das Spektrum des klassischen Gesangs spielend alleine abdeckt.

Ein Album mit vielen Gästen

Das Album lebt insofern stark von der inneren Balance, zu der unter anderen auch die angenehmen Erzählstimmen von Carrie Fisher, einer amerikanischen Schauspielerin, von Helena Bonham Carter, einer britischen Schauspielerin und vom bereits 85-jährigen William Shatner („Captain Kirk“) beitragen.

Die populäreren und eingängigeren vokalen Akzente des Albums setzt hingegen zweifellos Rufus Wainwright mit „Take All My Loves“ in seiner Neuinterpretation des Sonetts 40 und in einer weiteren neuen Einspielung von „A Woman‘s Face (Reprise)“.

„Unperfect Actor“ mit der ersten Stimme von Rufus Wainwright, die von Schwester Martha und Fiora Cutler unterstützt wird, ist sicherlich der eingängigste Titel des Albums und in der Mitte des Longplayers optimal positioniert.

Zauberhafter Gesang anschließend von Florence Welch (Florence & The Machine) bei „When In Disgrace With Fortune And Men‘s Eyes“. Die Stimme von Christopher Nell bei „All dessen müd“ ist unglaublich vielseitig und erklimmt schwindelerregende Höhen.

Anna Prohaska setzt mit dem BBC Symphony Orchestra und „Farewell“ (Sonett 97) einen markanten Schlusspunkt unter ein Album, das uns gespannt sein lässt auf die nächste Produktion des immer etwas unberechenbaren Rufus Wainwright.

»Für mich war die Aufnahme dieses Albums wie eine Hochzeit im Himmel. Es verbindet meine Liebe zur klassischen Musik mit meiner Liebe zum Pop«, sagt Rufus. »Im Grunde ist es historischer Spaß. Und das umso mehr, als ich wieder mit Marius (de Vries) arbeiten konnte.« (Rufus Wainwright)

Rufus Wainwright’s zweite Oper „Hadrian“ wird im Jahre 2018 Premiere haben. Aber bis dahin wird er uns wohl noch einen weiteren Geniestreich auf Tonträger präsentieren.


Tracklist | Rufus Wainwright | 9 Shakespeare Sonnets

1     Sonnet 43

Rezitation: Siân Phillips

2     When Most I Wink (Sonnet 43)

Gesang: Anna Prohaska

3     Take All My Loves (Sonnet 40)

Gesang: Rufus Wainwright
Rezitation: Marius de Vries

4     Sonnet 20

Rezitation: Frally Hynes

5     A Woman’s Face (Sonnet 20)

Gesang: Anna Prohaska

6     For Shame (Sonnet 10)

Gesang: Anna Prohaska

7     Sonnet 10

Rezitation: Peter Eyre

8     Unperfect Actor (Sonnet 23)

Rezitation: Helena Bonham Carter
Gesang:  Rufus Wainwright · Martha Wainwright · Fiora Cutler

9     Sonnet 29

Rezitation: Carrie Fisher

10    When in Disgrace with Fortune and Men’s Eyes (Sonnet 29)

Gesang: Florence Welch
Begleitgesang: Rufus Wainwright · Ben de Vries

11    Sonnet 129

Rezitation: William Shatner

12    Th’Expense of Spirit in a Waste of Shame (Sonnet 129)

Gesang: Anna Prohaska

13    All Dessen Müd (Sonnet 66)

Gesang: Christopher Nell · Jürgen Holtz · Rufus Wainwright

14    A Woman’s Face – Reprise (Sonnet 20)

Gesang: Rufus Wainwright

15    Sonnet 87

Rezitation: Inge Keller

16    Farewell (Sonnet 87)

Gesang: Anna Prohaska


Meine Anspiel-Tipps – fett!


Credits

Bass: Chris Chaney (3, 8, 10, 14) · Ralph Graessler (13)
Gitarre: Joel Shearer (8, 10) · Dom Bouffard (8, 13)
Akustische Gitarre: Nicholai Baxter (10)
Keyboard: Marius de Vries (3, 8, 10, 14) · ROLI Seaboard: Marius de Vries (3)
Klavier: Hans-Jörn Brandenburg (13)
Schlagzeug: Gary Novak (8, 10) · Stefan Rager (13) · Perkussion: Stefan Rager (8)

BBC Symphony Orchestra geleitet von Jayce Ogren (2, 5, 6, 12, 16)

Berlin String Section (3, 8, 13, 14)
Cello: Hoon Sun Chae · Violine: Ilzoo Park · Sophiemarie Yeoungchie Won
Bratsche: Uhjin Choi


Diskografie

  • Rufus Wainwright (1998)
  • Poses (2001)
  • Want One (2002)
  • Want Two (2003)
  • Release the Stars (2007)
  • All Days Are Nights: Songs for Lulu (2010)
  • Out of the Game (2012)
  • Prima Donna (2015)

© Gerald Langer

Schlagwörter

Verfasst von:

Musikliebhaber, Fotograf, Autor, Architekt.

Kategorien

Meist gesehene Beiträge

Neueste Beiträge