Reinhard Lakomy: Palastkonzert (2026)

Reinhard Lakomy
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Reinhard Lakomy

Album: Palastkonzert (DT 64 – Jugendkonzert „Elektronik im Konzent“ vom 26.05.1983 im Palast der Republik Berlin)
VÖ: 17.04.2026
Format: Vinyl, CD, digitaler Download oder Steam
Label/Vertrieb: Lacky Musik via Kick The Flame und Broken Silence
Internet: https://www.traumzauberbaum.de/erschaffen/die-erfinder


Inhaltsverzeichnis

Rezension

Posthum ist mit „Palastkonzert“ ein Live-Album des in der ehemaligen DDR vielseitig engagierten Musikers und Komponisten Reinhard Lakomy veröffentlicht worden. Es ist auch eine Erinnerung an den viel zu frühen Tod des Künstlers, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte.

Nun dürfen wir seinen Ehrentag – etwas nachdenklich und sein Werk einordnend – nachfeiern.

Reinhard Lakomy – Ein Klangzauberer zwischen Jazz, Elektro und Kinderträumen

Reinhard Lakomy (1946–2013) war einer der vielseitigsten und einfühlsamsten Komponisten, Pianisten und Sänger der DDR und später des vereinten Deutschlands.

Bekannt wurde er vor allem durch sein Kinder-Hörspielmusical „Der Traumzauberbaum“, das Generationen prägte.

Sein Werk reicht dennoch weit darüber hinaus. Jazz, Schlager und Deutschrock bis hin zu Filmmusik, Ballett und elektronischen Klangwelten waren seine Betätigungsfelder.

Von Magdeburg nach Berlin: Der Beginn einer musikalischen Reise

Geboren am 19. Januar 1946 in Magdeburg, erhielt Lakomy bereits im Alter von vier Jahren Klavierunterricht. Nach dem Abitur studierte er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden, bevor er 1966 nach Berlin zog.

Dort begann seine professionelle Karriere als Pianist beim Bandleader Klaus Lenz. 1967 war er Mitbegründer des „Günther-Fischer-Quartetts“, dem er auch während seiner Armeezeit treu blieb.

In diesen Jahren formierte er zudem den Reinhard-Lakomy-Chor mit späteren Stars wie Nina Hagen, Angelika Mann und Uschi Brüning, aus dem sich das Lakomy-Ensemble entwickelte.

Der Durchbruch als Sänger und die Rückzug von der Bühne

1972 feierte Lakomy mit der Single „Es war doch nicht das erste Mal“ seinen Durchbruch als Sänger. Mit seiner markant rauen Stimme, dem Klavier und unsentimentalen Liebesliedern brachte er einen neuen Ton ins DDR-Musikleben.

In den folgenden drei Jahren erschienen drei Alben mit dem Lakomy-Ensemble, allesamt erfolgreich.

Ende der 1970er Jahre zog er sich bewusst von der Showbühne zurück, um sich ganz der Film-, Bühnen- und Kinderlied-Komposition zu widmen.

Geschichtenlieder und der „Traumzauberbaum“

1977 heiratete er die Tänzerin und spätere Schriftstellerin Monika Ehrhardt. Gemeinsam entwickelten sie ab 1978 die „Geschichtenlieder“ – vertonte Märchen und Lebenserzählungen für Kinder, die mit Lakomys Musik und Ehrhardts Texten zu einem Markenzeichen wurden.

1978 erschien die erste Kinder-LP „Geschichtenlieder mit Paule Platsch“; es folgten zahlreiche weitere Projekte, darunter das legendäre Kinder-Hörspielmusical „Der Traumzauberbaum“.

Lakomy schrieb insgesamt mehr als 200 Lieder für Kinder und über 200 Film- und Ballettmusiken – ein immenses Gesamtwerk, das ihn zu einem der produktivsten ostdeutschen Künstler machte.

Tod und Nachwirkung

Reinhard Lakomy starb am 23. März 2013 in Berlin im Alter von 67 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs. Sein Erbe lebt in den „Traumzauberbaum“-Produktionen, in seinen Filmmusiken (u. a. für „Polizeiruf 110″) und in seinen elektronischen Alben fort.

Lakomy war letztlich ein kreativer Geist, der zwischen Romantik und Realismus, Fantasie und Bodenhaftung stets auf anspruchsvolle Weise populär bleiben wollte. Und das insbesondere in Zeiten der DDR.

„Palastkonzert“ – ein elektronisches Zeitdokument aus dem Palast der Republik

Zum 80. Geburtstag von Reinhard Lakomy (1946–2013) ist nun eine lange verschollene Kostbarkeit erschienen.

Das Live-Album „Palastkonzert“, aufgenommen am 26. Mai 1983 im Großen Saal des Palasts der Republik in Berlin.

Denn parallel zu seinen oben genannten Kinderproduktionen experimentierte Lakomy mit elektronischer Musik.

Diese aktuelle Veröffentlichung wurde von Lakomys Witwe Monika Ehrhardt Lakomy kuratiert.

Historischer Kontext und Bedeutung

Das Konzert war ursprünglich eine Live-Übertragung des DDR-Jugendradios DT 64 im Rahmen der Reihe „Musik im Palast“. Nach der Wende geriet der Mitschnitt zeitweise in Vergessenheit, wurde aber nun „aus den Tiefen des Rundfunkarchivs gerettet“, wie Monika Ehrhardt Lakomy berichtet.

Die Veröffentlichung erfolgte u. a. als Vinyl-LP im Gatefold-Cover mit detaillierten Liner Notes, vielen Infos und Fotos. Insgesamt eine liebevolle Aufarbeitung eines historischen Dokuments.

Lakomy zeigt sich auf dieser Aufnahme als Pionier elektronischer Musik in der DDR, einem Genre, das damals noch ein Nischendasein fristete.

Er nutzte für seine experimentellen Klänge seltene Instrumente wie einen Moog-Synthesizer, den er von Tangerine-Dream-Gründer Edgar Froese erworben hatte, sowie einen Prophet-5-Analogsynthesizer.

Lakomy war eng mit der westdeutschen Elektronikszene verbunden und maßgeblich daran beteiligt, dass Tangerine Dream 1980 das erste Konzert einer westdeutschen Band in der DDR geben konnten.

„Der Computer ist nur das ausführende Organ unserer Ideen. Er kann von allein gar nichts. Er ist genauso ein totes Instrument wie eine Geige, wenn sie nicht gespielt wird.“

Musikalische Struktur des Palastkonzerts

Das Album besteht aus zwei längeren Kompositionen. „Am Anfang“ und „Solitaire“, wobei die CD-Version leicht abweichende Laufzeiten aufweist. Auf der LP (und bei den diversen Streaming-Anbietern) nimmt „Am Anfang“ 23:37 Minuten ein, „Solitaire“ 24:05 Minuten. Die CD bietet mit 27:23 bzw. 29:09 Minuten etwas mehr Spielraum.

Beide Stücke entfalten sich als meditative, atmosphärische Klangreisen, die Lakomys Meisterschaft im Umgang mit elektronischen Instrumenten demonstrieren.

Kontext

Die Veröffentlichung von „Palastkonzert“ reiht sich ein in eine Sequenz von Posthum-Releases, die Lakomys elektronisches Schaffen zwischen 1980 und 1991 dokumentieren, eine Phase, in der er vier Elektronik-Alben produzierte, darunter „Das geheime Leben“ (1982), „Der Traum von Asgard“ (1983), „Zeiten“ (1985) und „Aër“ (1991). Letztgenanntes Album wird in wenigen Tagen ebenfalls als Vinyl neu aufgelegt.

„Palastkonzert“ bietet nun erstmals einen Live-Einblick in diese kreative Periode und unterstreicht Lakomys Rolle als Missionar der elektronischen Musik hinter dem „Eisernen Vorhang“.

Elektronische Musik in der Bundesrepublik zu Beginn der 1980er Jahre

Zu Beginn der 1980er Jahre stand die elektronische Musik in der Bundesrepublik Deutschland im Zeichen eines tiefgreifenden Wandels. Die Pioniere des Krautrock und der frühen Synthesizer-Musik der 1970er Jahre wirkten zwar weiter nach, während zugleich neue Strömungen wie Neue Deutsche Welle, EBM (Electronic Body Music) und eine DIY-Tape-Szene entstanden.

Von den 1970ern in die 80er: Kontinuität und Aufbruch

Die frühen 1980er bauten auf den Errungenschaften der vorherigen Dekade auf. Bands wie Kraftwerk, Tangerine Dream, Cluster oder Conrad Schnitzler hatten bereits in den 1970ern gezeigt, dass Synthesizer, Sequenzer und elektronische Klangcollagen nicht nur experimentell, sondern auch popkulturell wirksam sein konnten.

Gleichzeitig veränderte sich die Verfügbarkeit der Hardware. Günstigere Synthesizer, erste Sampler und Drum Machines machten elektronische Klangproduktion für eine breitere Schicht von Musikern zugänglich. Was zuvor oft nur gut ausgestatteten Studios oder etablierten Acts vorbehalten war, konnte nun auch in kleineren Heimstudios realisiert werden.

Neue Deutsche Welle und die Popularisierung elektronischer Klänge in der BRD

Ein zentrales Phänomen der frühen 1980er war die Neue Deutsche Welle (NDW). Viele NDW-Bands setzten Synthesizer, Drumcomputer und elektronische Arrangements ein, um sich vom klassischen Rock- und Schlager-Sound abzugrenzen.

In Düsseldorf und Umgebung entstanden Gruppen wie Der Plan, Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) oder Die Krupps, die elektronische Elemente mit punkhafter Attitüde, ironischen Texten und tanzbaren Rhythmen verbanden.

Zeitgeist

Die elektronische Musik der frühen 1980er in der Bundesrepublik spiegelte auch gesellschaftliche Umbrüche wider.

Die Nachwirkungen der 1968er-Bewegung, die Auseinandersetzung mit Technologie und Modernität sowie die Suche nach neuen Identitäten jenseits traditioneller Rock- und Schlager-Narrative. Elektronische Klänge wurden dabei sowohl als Ausdruck von Fortschrittsglauben als auch als Mittel der Distanzierung von etablierten Musikformen genutzt.

Insgesamt bildeten die frühen 1980er eine Übergangsphase. Sie bewahrten das experimentelle Erbe der 1970er, popularisierten elektronische Musik durch NDW und bereiteten zugleich den Boden für die tanzorientierten Szenen der späten 1980er und 1990er Jahre.

Musikalische Annäherung von Ost und West

In der Nachbetrachtung kann man feststellen, dass sich einige Jahre vor dem Mauerfall die elektronische Musikkultur von Ost und West sich einander angenähert hatten, ohne dass ich es – aus westdeutscher Sicht – damals so auch wahrgenommen habe. Da hatten die ostdeutschen Fans elektronischer Musik ihre „Antennen“ sicherlich etwas weiter ausgefahren, um beim „Klassenfeind“ zu lauschen.

Techno war nach dem Mauerfall der gemeinsame Nenner, der „Sound der Wende“, der Jugendliche aus Ost und West zusammenführen und begeistern sollte. Alles schien erreichbar, vor allem eine Welt in Frieden.

Wie weit haben wir uns davon bereits schon wieder entfernt!

© Gerald Langer


Pressetext

Der legendäre Reinhard Lakomy hätte im Januar 2026 seinen 80. Geburtstag gefeiert. Nun erscheint, liebevoll kuratiert von seiner Frau Monika Ehrhardt Lakomy, sein Liveauftritt von 1983 im Palast der Republik erstmals auf Lacky Musik via Kick The Flame. 

Der 1946 geborene und 2013 verstorbene Komponist, Arrangeur, Pianist und Sänger schuf von Schlagern über Jazz, Rock, Filmmusik und elektronische Musik bis hin zu Hörspielen und Musicals für Kinder einen essentiellen Katalog an weitbekannter Musik.

Der mehrfach preisgekrönte Künstler, nach dem Straßen, Kindergärten und Schulen benannt sind, ist den allermeisten wohl durch das mit seiner Ehefrau Monika Ehrhardt Lakomy produzierte Kinder-Hörspiel-Musical „Der Traumzauberbaum“ bekannt. „Lacky“ war ein Pionier, zum Zeitpunkt dieser Liveaufnahme 1983 für das Jugendradioformat DT64 hatte er gerade erst auf Amiga die landesweit ersten Elektronik-Musikaufnahmen der DDR veröffentlicht, von Kritikern beäugt, von Fans gefeiert.

Das Konzert beginnt mit „Am Anfang“ (A-Seite). Auch wenn Lackys frühen Einflüsse aus Jazz und Klassik nicht unmittelbar hervortreten – dafür steht diese Musik zu stark für sich selbst – werden sie doch in Qualität und Originalität der Klänge spürbar. „Solitär“, der zweite Teil des Konzerts auf der B-Seite, steht für den Einzelgänger – und so treffen hier zwei solche musikalischen Solitäre aufeinander: Reinhard Lakomy und Andreas Bicking (u.a. Uschi Brüning, Veronika Fischer, Manfred Krug, Stern-Combo Meißen). Mal als Gegenpol, mal organisch eingebettet, erweitert Bickings Saxophon die elektronischen Klanglandschaften Lakomys. So wird auch der zweite Teil des Konzertes zu einem facettenreichen, lebendigen Klangerlebnis!

© Mosaik Music Promotion


Tracklist

Seite A

Am Anfang (23:37)

Komponist: Reinhard Lakomy
Solist: Reinhard Lakomy (keyb)

Seite B

Solitaire (24:05)

Komponist: Reinhard Lakomy
Solist: Reinhard Lakomy (keyb) + Andreas Bicking (keyb, sax)


Credits

Tonmeister / Aufnahmeleitung: Peter Woelk
Toningenieur / Assistenz: Uli Loss

Aufnahmedatum: 26.05.1983
Aufnahmeort: Berlin, Palast der Republik

Rundfunkanstalt: Rundfunk der DDR

2025 lizenziert über Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (DRA) durch rbb media GmbH
2026 remastered LP Erhard Schmidt

© 2026 Lacky Musik Musikverlag Monika Lakomy

All trademarks & Logos are protected. Made in the EU.
Produziert: Monika Lakomy, Berlin-Blankenburg
Grafik: Niall Macdomhnall
Cover Foto: Günter Gueffroy
Fotos: Privatarchiv Monika Lakomy
Produktion: DMS Disk Media Service Gmb


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