Empirical: Like Lambs – To The Slaughter (2026)

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Empirical

Album: Like Lambs: To The Slaughter
Format: Vinyl, CD, Digital
VÖ: 26.06.2026
Label/Vertrieb: Whirlwind Recordings
Website: https://www.empiricalmusic.com/


Inhaltsverzeichnis

Rezension

Manches Album muss man wohl bei extremen Außentemperaturen hören und besprechen, vor allem, wenn bereits auf dem Coverfoto glühende Lavaströme zu erkennen sind.

Empirical gehören seit Jahren zu den profiliertesten Stimmen des britischen Gegenwartsjazz, und mit Like Lambs: To The Slaughter legen sie nun ein Album vor, das diese Position bestätigt.

Die Platte erscheint als dichte, in sich geschlossene Suite von rund 51 Minuten Laufzeit, in der sich kompositorische Strenge, improvisatorische Offenheit und ein ausgeprägter Sinn für dramaturgische Entwicklung kongenial miteinander verbinden.

Der Titel – Like Lambs: To The Slaughter – ist Programm und natürlich gesellschaftspolitisch aufgeladen. Sind wir nicht alle gewissermaßen Lämmer, die brav unseren Schlachtern folgen?

Das aktuelle Album von Empirical ist mitnichten ein gefälliges Werk, eher schon ein musikalischer Kommentar zu einer Gegenwart, die von Verunsicherung, Konformitätsdruck und schleichender Entfremdung geprägt ist.

Empirical übersetzen dieses Gefühl musikalisch nicht in vordergründige Botschaften, sondern in Spannungen, Brüche und Verdichtungen, die das Hören immer wieder neu ausrichten, die Hörer:innen entsprechend fordern.

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie die Band ihre Suite organisiert.

Aus den einzelnen Tracks entsteht ein größerer Spannungsbogen. Gerade in den Übergängen zeigt sich die besondere Qualität des Ensembles.

Mit Ivo Neame und David Preston erweitert sich der Klangraum des Quartetts um zusätzliche Farben, die der Musik gut tun.

Die neue Besetzung bringt noch mehr harmonische Tiefe, ohne den charakteristischen Kern von Empirical zu verwischen. Das Resultat ist ein Album, das wie eine behutsame, aber konsequente Weiterentwicklung wirkt, nachdem das ehemalige Bandmitglied Lewis Wright von Bord gegangen ist.

Die Kompositionen verlangen Aufmerksamkeit, doch sie bleiben sinnlich genug, um nicht ins Abstrakte abzugleiten.

Empirical beweisen einmal mehr, dass Komplexität im Jazz dann am stärksten wirkt, wenn sie nicht als Selbstzweck erscheint, sondern als Form von Ausdruck und im Kontext, hier ihres aktuellen Albums.

Like Lambs: To The Slaughter ist damit ein äußerst kurzweiliges Album für diejenigen Hörerinnen, die im Jazz nicht nur Virtuosität suchen, sondern Haltung, Struktur und gedankliche Tiefe.

Es ist eine nachhaltige Platte, und genau darin liegt ihre Stärke. Und am Ende scheint auch noch ein Funke Hoffnung durch. Wenn es auch nur ein kühlender Regenschauer ist.

© Gerald Langer

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© Empirical-Ivo-Neame-David-Preston-press-photo-1_by Karolina Heller

Pressemitteilung

Das britische Jazzensemble Empirical kehrt wieder mit ihrer zweiten Neuerscheinung bei Whirlwind Recordings mit einer Warnung für unsere unruhigen Zeiten: ihr insgesamt achtes Album mit dem unheilvollen Titel Like Lambs: To The Slaughter.

Nach der Übersiedelung des Vibraphonisten und langjährigen Band-Mitglieds Lewis Wright in die USA, besteht die preisgekrönte Band nun aus Nathaniel Facey am Altsaxophon, Tom Farmer am Kontrabass und Shaney Forbes am Schlagzeug. Auf Like Lambs: To The Slaughter holt das Trio hochkarätige Gastmusiker mit an Bord, um seinen Sound zu erweitern: die langjährigen Mitstreiter Ivo Neame am Klavier und David Preston an der Gitarre leihen dem Album ihre unverwechselbaren musikalischen Stimmen.

In einer radikalen Überarbeitung der unkonventionellen Langform-Suite des Schlagzeugers Shaney Forbes, welche 2022 als selbstveröffentlichte EP erschien, entfaltet sich das Album als 51-minütige musikalische Erzählung. Es zieht den Hörer in einen unwiderstehlichen Mahlstrom wechselnder Gefühlszustände und erreicht seinen verstörenden Höhepunkt im Titelstück der Suite. Mit diesem Album haben Empirical eine erstaunliche und in ihrer Ausdrucksform kohäsive Neuinterpretation ihrer einzigartigen Klangwelt geschaffen, ermöglicht durch ihre außergewöhnliche Virtuosität, ihre musikalische Empathie und ihre furchtlose emotionale Ausdruckskraft. Ein herausragendes Album selbst nach den hohen Maßstäben der Band.

Das Album, dessen Idee ursprünglich während der Pandemie entstand, untersucht zunehmend relevante Fragen zur menschlichen Fähigkeit zum eigenständigen Denken im Gegensatz zu Herdenverhalten sowie die Grenze zwischen Unschuld und Ignoranz. „Es ist insofern ein Konzeptalbum, als es eine Geschichte darüber erzählt, wo wir uns alle heute in der Welt befinden – überreizt und unterinformiert.

„Sie greift den vorherrschenden Zeitgeist auf, wonach die menschliche Zivilisation auf den Zusammenbruch zusteuert – ein Trend, der durch vorsätzliche Ignoranz und menschliche Zerstörungswut angeheizt wird“, bemerkt Forbes. Während die Musik oft unsere hektische, von Ablenkung geprägte Welt widerspiegelt, in der der Individualismus über Allem steht, steht sie zugleich für die Weigerung, den Glauben an die Möglichkeit spiritueller und intellektueller Erleuchtung aufzugeben.

Das Album bewegt sich musikalisch zwischen zeitgenössischer Klassik, Soundscape, Post-Bop und Free Jazz. Der Jazz der 1960er Jahre ist für Empirical seit langem ein Leitstern, nicht zuletzt, weil er den Kampf schwarzer Musiker um Respekt, Freiheit und Bürgerrechte verkörperte und dabei oft ihren Glauben als moralische Grundlage nutzte. Shaney Forbes erklärt: „Empirical war nie eine offenkundig politische Band. Aber unsere Musik ist seit jeher geprägt von unseren persönlichen Erfahrungen mit dem Leben in einer vielfältigen, zunehmend individualistischen Gesellschaft und all den Reibungen, die damit einhergehen können.

Wir leben in einer Zeit, in der der Fortschritt, für den frühere Generationen gekämpft haben, angegriffen wird und Spaltungen die Gesellschaft zerreißen. Gleichzeitig hat jeder von uns bei Empirical seinen persönlichen Glauben, und wir teilen die Überzeugung, dass wir die aktuellen Krisen überwinden können. Unsere Musik ist Ausdruck unserer Zusammenarbeit als echtes Kollektiv und unserer Suche nach Lösungen durch Kooperation statt Konkurrenz.“ 

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Die Tracks

„Der erste Track „The Garden of Beginnings: Innocence and Bliss“ verzaubert mit fließenden Klavierakkorden und melancholischen Holzbläser Melodien, die an die Sprache der romantischen Komponisten des 19. Jahrhunderts erinnern; sie kehren in abgewandelter Form zurück als Brückenstücke zwischen den einzelnen Segmenten der Suite. In „Giants“ bezieht sich Forbes auf seine Forschungen zur traditionellen Yoruba-Musik, um die komplexen rhythmischen Muster zu entwickeln, die das Zusammenspiel des Ensembles zu schwindelerregenden Höhen der Intensität treiben.

„Bei ‚Giants‘ geht es um mythische Wesen: die Giganten unserer Musik und die Herausforderung, etwas Großes zu überwinden, wenn die Chancen gegen einen stehen. Wir alle haben also Giganten, die uns inspirieren, und Giganten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“

Im Zentrum des Albums steht der dreiteilige Satz „Like Lambs“, das sich aus sanften kammermusikalischen gestrichenen Bassklängen und Klavier-Kaskaden heraus entfaltet und in „Like Lambs: Ignorance and innocence“ abwechselnd eindringliche und verträumte Stimmungen erzeugt. Im zweiten Teil, „Like Lambs: To The Slaughter“,steigert sich die rhythmische Intensität durch feurige Improvisationen von David Preston und Ivo Neame.

Im zutiefst bewegenden Schlussabschnitt „Like Lambs: To Our Own Demise“ schaffen Nathaniel Facey und Forbes einen von tiefem Leid durchdrungenen Dialog, der aus den Quellen des Free Jazz schöpft. „Es geht um mein Gefühl, dass wir dem Schmerz und dem Leid, das viele Menschen erfahren, nicht genug Aufmerksamkeit schenken“, erklärt Forbes.

Im Übergang zu „The Garden of Beginnings: Earth“ greift das Quintett die thematischen Klavier-Motive des Album-Openers wieder auf, welche die Dissonanzen und die Unruhe von „Like Lambs“ wie sanfter Regen wegspülen und in einer friedvollen Stimmung von sanftem, balladenhaftem Charakter münden.

„Drogon“, eine Komposition von Facey, zeigt seinen charakteristischen Witz und seine Liebe zum Detail in einem musikalischen Feuerwerk, das die kollektive Stärke der Musiker als Improvisatoren auf höchstem Niveau zur Geltung bringt. Schließlich greift „The Garden of Beginnings: Divine Revelation“ das wiederkehrende Motiv noch einmal auf und entwickelt sich von einem leidenschaftlichen, an Coltrane erinnernden Rubato zu einer getragenen Ballade, in der die Akkorde nacheinander in die Leere fallen und sich schließlich in stillem Optimismus aufzulösen.

Während jeder Satz seinen eigenen kraftvollen Charakter hat, gehen sie widerstandslos ineinander über und fordern dabei unsere volle Aufmerksamkeit als Zuhörer ein.

Bewusst stellt das Album die Herausforderung uns mit ungebrochener Aufmerksamkeit auf die Musik einzulassen und mit ihrem Fluss mitzugehen.

Mit seiner ununterbrochenen musikalischen Kontemplation ist das musikalische Format des Albums selbst ein Statement über den Wert von Ausdauer, gemeinsamem Streben und dem Festhalten an Zuversicht. Zweifellos markiert das neue Album Like Lambs: To The Slaughter einen entscheidenden Moment in der fortwährenden Evolution von Empirical.

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Empirical – Die Bandmitglieder

Empirical press photo 2 by Karolina Heller
© Empirical-press-photo-2_by-Karolina-Heller.

TOM FARMER, Bassist, Pianist, Sänger, Komponist, Lehrer und Produzent, ein gefragtes Mitglied der britischen Musikszene, arbeitet nicht nur mit dem preisgekrönten Quartett Empirical sondern mit vielen anderen Ensembles und an vielfältigen Projekten. Mit Empirical gewann Farmer zahlreiche Auszeichnungen, darunter den MOBO Award als „Best Jazz Act“ und den Parliamentary Jazz Award. Er tourt ausgiebig durch Großbritannien, Europa und Nordamerika.

Farmer ist ein gefragter Sideman bei Auftritten und Aufnahmen mit Joe Stilgoe Trio, Anoushka Shankar, Ivo Neame, Sarah McKenzie, Manu Delago, Dave Newton, Ant Law, The Kansas Smitty’s, Marco Marconi, Clare Teal und vielen anderen. Als Produzent des Sängers Atila war Farmer Co-Autor und Regisseur des viel tourenden Stücks „King for a Day: The Nat Cole Story“. Er arbeitet seit über 10 Jahren mit Anoushka Shankar und ist mit ihr um die ganze Welt getourt. Farmer ist Vollzeitprofessor an der Guildhall School of Music and Drama, wo er Jazz, Kontrabass und Ensemble-Techniken unterrichtet.

SHANE FORBES ist ein preisgekrönter Schlagzeuger und Komponist (The Jazz Radio and Yamaha Scholarship; Worshipful Company of Musicians Award) sowie Dozent an der Middlesex University und am Trinity Laban Conservatory of Music and Dance. Er ist Mitbegründer des mehrfach preisgekrönten Ensembles „Empirical“ (Parliamentary Jazz Awards, MOBO, Urban Music Awards) und tourte bzw. nahm mit einer Vielzahl internationaler Künstler auf, darunter Dee Dee Bridgewater, Soweto Kinch, Jason Marsalis, Carmen Souza, Steve Grossman, Alex Hitchcock and Jonathan Jeremiah. 

NATHANIEL FACEY ist ein britischer Altsaxophonist und Komponist. Als Gründungsmitglied des gefeierten Jazzensembles Empirical hat sich Facey als eine der führenden Stimmen seiner Generation etabliert. Sein ausdrucksstarkes Spiel verbindet seine technische Meisterhaftigkeit mit tiefer Musikalität. Er schöpft aus einem breiten Spektrum an Einflüssen, das vom traditionellen Jazz bis hin zu zeitgenössischeren, experimentellen Stilen reicht. Sein vielseitiger Klang, geprägt von einem satten Ton und einer komplexen Phrasierung, hat Facey zu einem gefragten Mitwirkenden gemacht, der mit namhaften Jazzkünstlern, wie Corinne Bailey Rae, Courtney Pine, Jason Moran, Jerry Dammers, Dele Sosimi und Carmen Souza spielt.

DAVID PRESTON, Gitarrist und Komponist, wurde vom Guardian als „virtuos“ und von Time Out als „hervorragender Modern-Jazz-Gitarrist“ beschrieben. Sein Debütalbum „Purple / Black“ erschien bei Whirlwind Recordings, auf dem die ECM-Künstler Kit Downes, Sebastian Rochford und der Bassist Kevin Glasgow zu hören sind.

David, Finalist beim Internationalen Gitarrenwettbewerb in Montreux, ist Komponist und Co-Leader des gefeierten britischen Modern-Jazz-Trios „Preston Glasgow Lowe“, das ebenfalls zwei Alben bei Whirlwind Recordings veröffentlicht hat. Das Trio ist international in Japan und Europa aufgetreten und hat über 150 Konzerte in Großbritannien gegeben. David war    als Side-Man für eine Vielzahl britischer Musiker tätig, darunter Jeremy Stacey, Lianne La Havas, Nathaniel Facey, Asaf Sirkis, Peter Ind, Emma Rawicz, Eska, Goldie & the Heritage Orchestra, Jamie Murray, sowie dem international gefeierten Klavier- und Schlagzeugvirtuosen Gary Husband.

Preston ist mit US-Künstlern wie den Grammy-gekrönten Jazzsängerinnen Melody Gardot, Curtis Stigers und Jesse Harris sowie den Musikern Sy Smith, David Binney, Ingrid Jensen, Charnett Moffett, Patrick Cornelius und Tim Armacost aufgetreten, auf Tournee gegangen und hat mit ihnen aufgenommen. „Purple / Black“ wurde in der Zeitschrift „Jazzwise“ zur „Editors’ Choice“ gekürt.

IVO NEAME ist ein international bekannter Pianist, Komponist und Bandleader, der sich als eine der innovativsten und dynamischsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Jazzszene etabliert hat. Er hat mit so unterschiedlichen Ensembles wie der Frankfurter Rundfunk-Bigband und der London Sinfonietta zusammengearbeitet. Am bekanntesten ist er für seine kreativen Beiträge zu den preisgekrönten Bands Phronesis und dem Marius Neset Quintett; als Side-Man hat er mit zahlreichen anderen Künstlern wie Hermeto Pascoal, Kenny Wheeler und Marc Giuliana zusammengearbeitet.

Zudem erhielt er Aufträge zur Komposition und Bearbeitung von Musik für Ensembles wie das Cologne Contemporary Jazz Orchestra (D) und das Sointi Jazz Orchestra (Finnland). Ivo ist Associate der Royal Academy of Music, assoziiertes Mitglied der PRS und Professor für Jazzklavier an der Guildhall School of Music and Drama. Außerdem ist er Mitglied der Featured Artists’ Coalition und des Jazz-Ausschusses der Ivors Academy.

Seine Preise inkludieren Album of the year, Jazzwise Magazine (Phronesis)Album of the year, MOJO Magazine (Phronesis)Best Jazz Act, MOBO Awards (Kairos Quartet)UK Jazz Instrumentalist of the year (nomination) Jazz FM AwardsJazz Ensemble of the year, Parliamentary Jazz Awards (Phronesis)Jazz Composition for Large Ensemble (nomination) IVORS Composer Awards.

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Tracklist

  1. The Garden of Beginnings: Innocence and Bliss [2:48]
  2. Giants [10:46]
  3. Like Lambs: Ignorance and Innocence [5:03]
  4. Like Lambs: To The Slaughter [5:10]
  5. Like Lambs: To Our Own Demise [4:47]
  6. The Garden of Beginnings: Earth [6:02]
  7. Drogon [10:23]
  8. The Garden of Beginnings: Divine Revelation [6:04]

Line-up

Nathaniel Facey – Alto Saxophone
Thomas Farmer – Double Bass
Shaney Forbes  Drums
Ivo Neame – Piano
David Preston – Guitar


Credits

Recorded at RAK Studios, London; Engineered by Will Purton; Edited by David Preston and Empirical
Mixed by Alex Bonney and Empirical; Mastered by Alex Bonney, Produced by Empirical
Executive Producer Michael Janisch
Photography by Karolina Heller & Jeferson Argueta
Layout and Design for CD & LP by Claudia Kuss Tenzer and Brian Hanlon


YouTube: Drogon Live


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