Marġot Erkner: 2 (2026)

Margot Erkner

Marġot Erkner

Album: 2
VÖ: 18.09.2026
Format: Vinyl, CD, digitaler Download oder Steam
Label/Vertrieb: Major Label / Broken Silence
Internet: http://www.margot-erkner.de



Rezension

Auf dem 2024 erschienenen, selbstbetitelten Debüt legten Marġot Erkner bereits das Fundament ihres Garagensounds.

Roher Postpunk, Noise, Stone-, Krautrock und deutschsprachige Texte gegen Ausbeutung, Gentrifizierung und Kriegsrhetorik.

Das aktuelle Album 2 nimmt diese Grundelemente auf.

Die zwölf neuen Songs wirken noch etwas kompakter, direkter und rhythmisch präziser. Benötigte das Debüt noch fast 40 Minuten für zehn Songs, presst das Trio bei seinem Nachfolgealbum zwölf Songs in ein zeitliches Korsett von knapp 34 Minuten.

Die für Moses Schneider typische Produktion verstärkt nochmals die livehaftige , kratzige Präsenz der Band. Gleiche Wut, nun mit weiter geschärftem Profil. Ein unangepasstes Rock-Statement aus unserer Hauptstadt.

Die Gründe für Wut werden von Tag zu Tag zahlreicher, egal ob man sich die Innen- oder Außenpolitik vor Augen führt. Substanz für Songs, die einfach raus müssen, ist also ausreichend vorhanden.

Marġot Erkner sind dabei wahrlich keine Band, die sich dabei anbiedert.

Die Wurzeln der Band liegen im Berliner Untergrund, genauer im Umfeld der Friedrichshainer Szenebar Feuermelder. Dort fanden sich drei Musiker zusammen, die jeweils eigene Spuren in der deutschen Independent- und Punklandschaft hinterlassen haben.

Die Band zitiert Punk nicht als Ästhetik, die Szene-Veteranen tragen die Energie von Garage, Hardcore und Rave schließlich seit Jahren in ihrer DNA mit sich herum.

Die Platte setzt bewusst auf Reduktion und eine raue Präsenz, die mich an Punkrock-Bands der frühen 1980er Jahre erinnert, die es eben auch gab, bevor die Neue Deutsche Welle ungewöhnliche, aber am Ende doch sehr gefällige, Pop-Songs zu Tage förderte.

Das Album eröffnet mit „AGB“, einem Titel, der schon programmatisch ist.

Hier wird die Alltagswelt nicht romantisiert, sondern als Vertragswerk aus Bedingungen und Zumutungen behandelt. Die Musik reagiert darauf mit stoppenden Riffs, trockenen Breaks und einem Gesang, der keiner ist, sondern Kleingedrucktes zitiert.

Viele Songs arbeiten mit repetitiven Riffs, und abrupten Stops. Die bewusst kratzig, ja fast rotzig gehaltene Produktion unterstützt das.

Man hört die Reibung zwischen den Instrumenten, die körperliche Anstrengung und eine Bühnenpräsenz trotz Studiobedingungen. Das verleiht dem Album tatsächlich noch eine starke physische Qualität.

Sprachlich bleibt Marġot Erkner unbequem. Die Texte sind sarkastisch, schroff, doppeldeutig und häufig politisch aufgeladen.

Das ist gewiss kein demonstrativ intellektueller Deutschrock, sondern eher altersloser, gereifter Punkrock mit Witz, Wut und einem scharfen Blick auf die Gegenwart.

© Gerald Langer


Pressetext

Ein neuer Stern erstrahlt am Himmel des Majorfirmaments: Das knapp betitelte zweite, von Moses Schneider produzierte Studioalbum des Berliner Trios Marġot Erkner erscheint als Vinyl-LP und erfreut damit ihre Krautrock- und Meckerrock-Fans, die seit ihrem Debüt aus dem Jahr 2024 auf mehr warteten.

Gegründet im Umfeld der Friedrichshainer Szenebar Feuermelder, veröffentlichten Marġot Erkner ihr selbstbetiteltes Debütalbum 2024 auf Flight 13 Records. Gitarrist und Sänger Timo Tolkmitt (DxBxSx, Blutige Knie, Payola), Bassist Gunnar Refardt und Schlagzeuger Marco Haas bilden das Trio, letzterer vor allem auch bekannt als T.Raumschmiere (Shitkatapult) und von Hardcore-Bands wie Zorn und The Men Of Hell.

Marġot Erkner erschaffen auch mit diesen zwölf neuen Songs wieder ein aufgekratzt- minimalistisches Feuerwerk aus schroffen und coolen Gitarrenmusik-Referenzen, dekorieren die rhythmischen Skelette von Postpunk, Noise- und Lofi-Indierock mit leicht entflammbaren Dekorationen aus Wave, Krautrock, Stoner und Garage Blues. Die sarkastisch schroffen deutschen Texte sitzen dabei wie angegossen und höchst verärgert auf den stoisch punktierten Riffs, Breaks und Stops. Die bewusst rau belassene Produktion lässt das dynamische, unalgorithmische und impulsive Spiel der Band perfekt zur Geltung kommen. Marġot Erkners Musik steht für sich, geizt nicht mit großen und kleinen Momenten – und ruft angenehme Erinnerungen an geistesverwandte deutsche Acts wie Surrogat / Gewalt, Trend, Front, Kolossale Jugend / Brüllen, Dÿse, Messer, Die Nerven oder Pisse wach.

Klassische Gitarrentrio-Bandmusik kann 2026 kaum spannender und frischer dargeboten werden.

© Mosaik Music Promotion


Tracklist

01. AGB
02. Common Sense
03. Die toten Augen von Berlin
04. Jeder
05. Das bist Du
06. Ménage à trois
07. Im Campingurlaub
08. Für sie immer noch Frau Erkner
09. Holiday in Erkner
10. Deine kleine Welt
11. Discodöner
12. Doch ich


Line-up

Timo Tolkmitt Gitarre, Gesang
Marco Haas Shitkatapult, Keyboards, Fuzz Probe Operator
Gunnar Refardt Bass, Keyboards

Safi Gesang auf Discodöner und Das bist Du
Jan Brauer Keyboards auf Die Toten Augen von Berlin
Italo Brutalo Scratches auf Doch ich


Credits

Aufgenommen Oktober 2025 von Ingo Krauss im Candy Bomber, Berlin
Abgemischt von Max Power
Gemastert von Freund Kern
Produziert von Moses Schneider