Henri Texier: Healing Songs (2026)

© Henri Texier_healings Songs_Label Bleu-2026
© Henri Texier_Healings Songs_Label Bleu_2026

Henri Texier

Album: Healing Songs
Format: CD, Digital, Vinyl
VÖ: Label Bleu
Label/Vertrieb: 23.01.2026
Website: https://de.wikipedia.org/wiki/Henri_Texier



Rezension (Album)

Kurzbiografie

Henri Texier (*1945 in Paris) ist nicht nur einer der prägenden Kontrabassisten des europäischen Jazz, sondern zugleich Multi-Instrumentalist, Sänger, Bandleader und Komponist.

Als Jugendlicher begann er zunächst mit dem Klavierspiel, entdeckte aber schon bald die Klangwelt des Kontrabass. Er erlernte dieses Instrument als Autodidakt.

Schon früh wurde Texier Teil der Pariser Jazzszene, spielte in Clubs wie dem „Chat qui pêche“ und dem „Blue Note“ mit amerikanischen Größen wie Bud Powell, Johnny Griffin, Bill Coleman oder Chet Baker. Er galt schon bald als gefragter Sideman.

Mitte der 1960er-Jahre arbeitete er unter anderen mit Don Cherry, Martial Solal und Lee Konitz und zählte zu jener Generation französischer Musiker, die das Aufkommen des Free Jazz „mit voller Wucht“ traf.

1965 gründete er eine eigene, von Ornette Coleman und Don Cherry inspirierte Formation, die als eine der ersten freien Jazzgruppen Frankreichs galt.

Internationale Bekanntheit erreichte Texier als Mitglied der European Rhythm Machine des amerikanischen Altsaxofonisten Phil Woods.

Ab den 1970er-Jahren profilierte er sich zunehmend mit eigenen Projekten, darunter das Rock/Folk-orientierte Total Issue, verschiedene Trios, Quartette und größere Ensembles, in denen er Jazz mit Rock, Weltmusik, Theater, Tanz und traditioneller Musik verbindet.

Seine Diskografie ist entsprechend umfassend.

Healing Songs – ein Alterswerk mit 80 Lebensjahren

„Healing Songs“ von Henri Texier ist ein Spätwerk von bemerkenswerter Geschlossenheit, in dem der französische Bassist sein eigenes Songbook noch einmal bündelt und in einen aktuellen klanglichen Kontext stellt. Ohne jede nostalgische Pose verbindet das Album Rückblick und Gegenwart zu einem klar fokussierten Statement für den europäischen Modern Jazz.

Die formidable Besetzung

Im Zentrum steht Henri Texier am Kontrabass, dessen charakteristischer, holziger und zugleich gesanglicher Ton die Musik erdet und strukturiert.

An seiner Seite agiert eine eingespielte Formation:

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Sébastien Texier an Sopransaxofon und Klarinetten, Hermon Mehari an der Trompete, Emmanuel Borghi am Piano und an den Keyboards sowie Gautier Garrigue am Schlagzeug. Auf drei Tracks tritt zudem Manu Katché als Gast-Schlagzeuger in Erscheinung, was den betreffenden Titeln eine leicht andere Färbung verleiht.

Die Kompositionen stammen überwiegend von Henri Texier, ergänzt durch einen Beitrag von Sébastien Texier. Die Tracklist von „Healing Songs“ umfasst neun Stücke, die zum Teil auf früheren Werken Texiers basieren und hier neu interpretiert und dramaturgisch fesselnd arrangiert werden.

Ein exzellentes Klangbild

Klanglich bewegt sich „Healing Songs“ im Spannungsfeld zwischen melodischer Eingängigkeit und rhythmischer Raffinesse.

Henri Texiers Bass fungiert oft als Zentrum, das den Stücken Halt gibt, während Schlagzeug und Piano für harmonische Farbwechsel sorgen.

Die Bläserlinien von Sébastien Texier und Hermon Mehari zeichnen lyrische Bögen, die immer wieder in dichte Interaktionen und dialogische Passagen münden.

Die Produktion betont einen warmen, akustischen Gesamtklang:

Man hört das Holz der Instrumente, den Raum, in dem die Musik entsteht, und die dynamischen Nuancen des Ensembles.

Das unterstreicht den Grundgedanken des Albums:

„Healing Songs“ versteht Heilung nicht als gefälliges Sedativ im Albumformat, sondern als Prozess, in dem Erinnerung, Konflikt und Trost gleichberechtigt musikalisch artikuliert werden.

Die Stücke entwickeln sich oft langsam und organisch, mit subtilen Verdichtungen und Auflösungen.

Tracks und Akzente

Der unvermittelt beginnende Opener „Amazone Blues“ setzt den Ton des Albums mit einem vorwärtsdrängenden Puls.

Hier zeigt sich früh die Stärke des Ensembles um Henri Texier:

Die Rhythmusgruppe spannt einen dynamischen Rahmen, in dem Saxophon und Trompete eine spannungsgeladene, zugleich gesangliche Oberstimme entfalten können.

„Grêve Révolte“ und „Decent Revolt“ greifen das Thema von Aufbruch und Widerstand auf, wobei vor allem das Schlagzeugspiel zwischen marschartiger Entschlossenheit und frei atmenden Akzenten auffällt.

Die mit Manu Katché eingespielten Titel „Chebika Courage“, „Leïla“ und „Samba Loca“ besitzen eine dichte Struktur.

Der Groove ist kompakter, der Zugang für Hörerinnen und Hörer außerhalb der Jazz-Szene dadurch möglicherweise etwas niederschwelliger, ohne dass es an harmonischer Komplexität oder improvisatorischer Substanz fehlt.

„Vent Poussière“, eine Komposition von Sohn Sébastien Texier, erweitert die Palette um einen Track, der stärker auf schwebende Linien setzt. Hier tritt das Ensemble eher als Kollektiv denn als Solistenbühne in Erscheinung.

„Sarajevo Blues“ markiert einen der emotionalen Höhepunkte des Albums. Die langsame, sich stetig verdichtende Form evoziert ein Panorama zwischen Melancholie und innerer Anspannung, ohne in illustrative Programmmusik abzugleiten.

Den Schlusspunkt setzt „Quand tout s’arrête“ , eine Neuinterpretation eines älteren Stücks, das in dieser Fassung wie ein leiser Epilog wirkt.

Einordnung und Empfehlung

Im Kontext von Henri Texiers Gesamtwerk wirkt „Healing Songs“ wie eine konzentrierte Essenz seiner langjährigen Auseinandersetzung mit politisch aufgeladenen Bildern, geographischen Topografien und persönlichen Erinnerungsräumen.

Es handelt sich nicht um eine „Best-of“-Kompilation im klassischen Sinne, sondern um eine Neuformulierung vertrauter Themen mit den Mitteln eines reifen, hörbar miteinander verwachsenen Ensembles.

Der Heilungsbegriff, den der Titel andeutet, wird musikalisch auf sehr erfrischende Art und Weise eingelöst.

Für Hörerinnen und Hörer, die bereits mit Henri Texier vertraut sind, stellt „Healing Songs“ eine lohnende, reife Zusammenführung vertrauter Motive dar.

Wer neu einsteigt, findet ein zugängliches, aber keineswegs anbiederndes Album, das die Qualitäten des Ausnahmemusikers Henri Texier in dieser außergewöhnlichen Formation in äußerst konzentrierter Form präsentiert.

© Gerald Langer


Schlusszitat

„Bereichert durch sechzig Jahre musikalische Erfahrung und sensibel für die gegenwärtige, beunruhigende Atmosphäre, wandte ich mich einigen meiner älteren Werke zu, die uns allen zur Heilung verhelfen könnten.

Heilt mich, meine Familie, meine Freunde, die mir Nahestehenden, alle, die ihnen zuhören, und besonders jene, die mich so lange begleitet und unterstützt haben, mein begeistertes und treues Publikum.

Wenn man die Schwingungen der eigenen Musik hört und aufnimmt, ist man oft berührt und bewegt. Beim erneuten Hören der Stücke dieses Albums empfand ich dieselben Emotionen wie damals, als ich sie mir vor Jahren ausdachte. Sie spendeten mir Trost, und es schien mir wichtig, diese Emotionen mit meinen Musikerkollegen und dem Publikum zu teilen.

Mögen Ihnen diese Lieder Erleichterung und tiefe Leichtigkeit schenken, ganz wie Heillieder.“

Henri Texier


Pressetext

Auf „Healing Songs“ zeigt sich der weltbekannten und bereits mehrfach prämierten Kontrabassist, Multiinstrumentalist, Sänger, Orchesterleiter und Komponist Henri Texier so kreativ und spielfreudig wie selten zuvor.

Sein neues Quintett, geprägt vom lyrischen Glanz der Trompete Hermon Meharis und dem feinsinnigen Spiel von Pianist Emmanuel Borghi, greift erstmals auf die Klangfarben und Dynamiken des klassischen Hard-Bop-Formats zurück. Ein spätes, aber leuchtendes Kapitel im Werk einer europäischen Jazzikone.

1945 in Paris geboren und schon im Kindesalter an mehreren Instrumenten ausgebildet, fand Texier mit 15 Jahren auf Empfehlung seines Förderers Jef Gilson vom Klavier zum Kontrabass: Der Beginn einer außergewöhnlichen Musikerlaufbahn. Seit Mitte der 1960er-Jahre ist der Franzose aktiv: zunächst in Pariser Clubs an der Seite von in Europa lebenden US-Jazzgrößen wie Bud Powell, Johnny Griffin oder Don Cherry, später in Ensembles mit Phil Woods („European Rhythm Machine“), Joachim Kühn, Didier Lockwood und Daniel Humair. Nach sechs Jahrzehnten Bühnenerfahrung und mehr als zwanzig Studioalben gilt Texier bis heute als einer der prägenden Musiker des europäischen Jazz.

Sein neues Quintett getragen vom lyrischen Ton Hermon Meharis an der Trompete und dem nuancenreichen Spiel des Pianisten Emmanuel Borghi wendet sich auf „Healing Songs“ erstmals bewusst an den Farben und der Energie des klassischen Hard Bop an. Gemeinsam lässt die Formation eine Auswahl zu Unrecht in Vergessenheit geratener Stücke wieder aufleben, durchdrungen von Texiers unverkennbarem Gespür für Groove und melodische Tiefe.

© Pressetext | Mosaik Promotion


Line-Up

Herni Texier Kontrabass
Sébastián Texier Altsaxophon, Altklarinette, Klarinette
Hermon Meharie Trompete
Emmanuel Borghi Piano, Fender Rhodes
Gautier Garrigue Schlagzeug

Als Gast

Manu Katché Schlagzeug *


Tracklist

01. Amazone Blues
02. Grêve Révolte
03. Chebika Courage *
04. Decent Revolt
05. Leïla *
06. Vent Poussière
07. Sarajevo Blues
08. Samba Loca *
09. Quand tout s’arrête

All compositions by Henri Texier, except 06 (Vent Poussière) by Sébastien Texier


Credits (Auszüge)

Recorded at Studio Gil Evans/Amiens/June 2025
By Boris Darley / Assistant Bertrand Hardi

Mixed in September by Boris Darley At Studio Ohm Sweet Ohm, Saint-Laurent-sur-Gorre

Mastered in September At Studios Ferber, Paris By Simon Lancelot

Executive Production: Maison de la Culture d’Amiens/Label Bleu

Collectiv Artistic Productan: S. Texier, G. Garrigue, E. Borghi, H.Mehart,
M. Katche, B. Darley & H.Texier

Cover: Painting by Dominique Coffignier

Photo painting by Marle Texie

Photos by Sylvain Gripoix, Felix Seller (portrait)


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