
Anne Paceo
Album: Atlantis
Format: CD, Digital, Vinyl
VÖ: 29.08.2025
Label/Vertrieb: Jusqu’à la nuit
Website: https://www.annepaceo.com
Inhaltsverzeichnis
Rezension (Album)
Kurzbiografie
Anne Paceo, Jahrgang 1984, zählt zu den einflussreichsten Stimmen der zeitgenössischen europäischen Jazzszene. Ihre Kindheit an der Elfenbeinküste war musikalisch prägend. Umgeben von den Rhythmen lokaler Perkussionisten entdeckte sie mit zehn Jahren die Drums, die schnell zu ihrem Refugium wurden.
Mit dem Umzug nach Paris fand sie zunehmend Gefallen am Jazz.
Ausbildung und Aufstieg
2005 wurde Paceo als erste Frau in die Jazzklasse des Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris aufgenommen, wo sie bis 2009 bei Meistern wie Dré Pallemaerts und Riccardo Del Fra studierte.
Sie vertrat das Konservatorium beim IAJE (International Association for Jazz Education) in New York und spielte mit dem Oscar und Grammy Preisträger Michel Legrand.
Bereits mit 19 begleitete sie Größen wie Archie Shepp, Rhoda Scott, Henri Texier oder China Moses. Ein Frühstart, der ihre Vielseitigkeit in Jazz, Pop und World Music unterstrich.
Ihr Debütalbum Triphase (2008, Laborie Jazz) mit ihrem Trio brachte ihr erste Preise ein. Das Trio tourte weltweit durch Chile, Brasilien, Indonesien und viele andere Länder.
Wichtige Alben und Projekte
2012 folgte Yôkai, inspiriert von japanischer Animismus-Kultur, das ihre kompositorische Unabhängigkeit zeigte.
Der Durchbruch kam 2016 mit Circles, einer Fusion aus Jazz, Pop, Elektronik und World Music, die ihr eine zweite Victoire de la Musique als „Künstlerin des Jahres“ einbrachte.
2018 entstand Fables of Shwedagon nach Aufenthalten in Myanmar (2010–2017), wo sie burmesische Musik mit europäischen Improvisatoren verknüpfte.
Weitere Höhepunkte ihrer Karriere waren sicherlich das Album S.H.A.M.A.N.E.S. (2020) und im Jahre 2021 die Gründung ihres Labels Jusqu’à la Nuit.
Mit ihren acht Alben, einigen EPs und diversen Kollaborationen (z. B. Jeanne Added, Melissa Laveaux) verkörpert sie den Crossover-Jazz auf besondere Art und Weise – tranceartig, spirituell und grenzenlos.
Ihr Stil verbindet ihre präzise Arbeit an den Drums mit narrativen Kompositionen, die kulturelle Barrieren durchbrechen.
Atlantis (2025)
Das aktuelle Album Atlantis (2025) rundet ihre künstlerische Evolution vorläufig ab.
„Atlantis“ von Anne Paceo ist ein atmosphärisch dichtes, zugleich zugängliches Konzeptalbum zwischen Jazz, Pop und elektronischen Klangräumen, das, in 13 Episoden erzählt, auch ihre Zuhörer:innen in diesem einzigartigen Klangkosmos schweben lässt.
Die französische Schlagzeugerin, Komponistin und Sängerin knüpft damit an ihre bisherigen Arbeiten an, geht aber konsequent in Richtung „Song“ und „Sounddesign“, ohne ihre improvisatorische Herkunft zu verleugnen.
Konzept und Hintergrund
Ausgangspunkt von „Atlantis“ ist eine reale Taucherfahrung Paceos, die sie mit dem mythischen Motiv der untergegangenen Insel verknüpft. Wasser wird zur Metapher für Bewusstsein, Umweltzerstörung und die Sehnsucht nach Erneuerung.
Die Stücke bilden damit weniger eine lineare Erzählung als einen Kreis von Momentaufnahmen, in denen äußere Naturbilder („Au large“, „L’écume“) mit inneren Zuständen wie Rastlosigkeit oder Introspektion verschmelzen.
Paceo versteht Atlantis nicht als Fantasy-Story, sondern als Spiegel einer Gegenwart, in der ökologische Katastrophen und politischer Zynismus den Möglichkeitsraum der Zukunft bedrohen. Im Kontrast dazu setzt sie auf eine Musik der Sanftheit, Transparenz und Verbundenheit.
Dass das Album nach Monaten auf Tour in Paris aufgenommen wurde, verstärkt das Motiv eines „Heimkehrens“.
Zurück ins Studio, zurück ins eigene Zentrum, zurück unter die Oberfläche des Alltagslärms.
Klangsprache und Produktion
Musikalisch darf man „Atlantis“ im Dreieck aus modernem Jazz, Art-Pop und elektronischen Texturen verorten.
Klare Songstrukturen und Refrains treffen auf offene Klangflächen, modulare Synthesizer und subtil verschobene Grooves.
Einflusslinien zu Björk oder Bon Iver sind spürbar, ohne zur bloßen Referenz zu werden.
Die Produktion setzt weniger auf spektakuläre Soli als auf eine klangräumliche Inszenierung.
Stimmen, Bläser und Keyboards werden so geschichtet, dass der Hörer sich wie in einem mehrschichtigen Wasserbecken bewegt. Mal nah am Gesang, dann wieder in den sphärischen Klängen der Synthesizer.
Das Ensemble um Paceo glänzt ohnehin. Gäste wie Laura Cahen und Piers Faccini setzen punktuell weitere Akzente.
Die verschiedenen Gesangstimmen des Albums stellen eine Erweiterung des instrumentalen Spektrums dar. Die Stimmen scheinen quasi über den ausgefeilten instrumentalen Arrangements zu schweben.
Einordnung
„Atlantis“ ist weniger ein klassisches Jazzalbum als eine sorgfältig kuratierte Reise durch Zwischenräume – zwischen Stilen, Aggregatzuständen und emotionalen Schattierungen.
In der Diskografie von Anne Paceo markiert „Atlantis“ einen weiteren Schritt in Richtung hybrider Kompositionen, in denen Jazz nicht als Genre, sondern als Haltung verstanden wird.
Für die aktuelle europäische Szene ist dieses Album ein starkes Argument dafür, dass die Zukunft des Jazz vielleicht genau dort liegt, wo sich klare Formen, erzählerische Ambitionen und experimentelle Klangarbeit so selbstverständlich überlagern wie auf diesem still schimmernden und lange nachwirkenden Album.
Pressetext
Mit ihrem neuen Album „Atlantis“ begibt sich die preisgekrönte Schlagzeugerin, Komponistin und Sängerin Anne Paceo auf eine klanglich wie inhaltlich außergewöhnliche Reise – inspiriert von der sagenumwobenen Insel, vom Ozean als Sehnsuchtsort und vom Wunsch, im Chaos der Gegenwart einen Moment der Ruhe zu finden.
„Atlantis“ ist das bislang persönlichste Werk der dreifachen „Victoires du Jazz“-Preisträgerin und Trägerin des Ordens Chevalier des Arts et des Lettres.
Entstanden ist ein atmosphärisch dichtes, von elektronischen Texturen, akustischer Feinfühligkeit und poetischer Tiefe durchzogenes Album, das
mühelos die Grenzen zwischen Jazz, Pop, elektroakustischer Klangkunst und Songwriting überschreitet.
Im Zentrum steht ein Erlebnis unter Wasser:
Eine erste Taucherfahrung in Portugal im Sommer 2022 wird für Paceo zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Selbstvergewisserung.
In der Schwerelosigkeit des Ozeans, zwischen Dunkelheit und Licht, beginnt die Idee von „Atlantis“ – einem Ort zwischen Realität und Mythos, wo Identität, Zeit und Erinnerung ineinanderfließen.
In 13 Stücken entfaltet sich ein musikalischer Kosmos von eindringlicher Schönheit. Umgeben von langjährigen Wegbegleitern wie Christophe Panzani (Tenorsaxophon), Zacharie Ksyk (Trompete), Gauthier Toux (Keyboards) und Oxy (Synthesizer), erschafft Paceo ein klangliches Atlantis – voller Weite, Tiefe und nuancierten Details.
Besondere Gäste wie Laura Cahen, Piers Faccini sowie die Sängerinnen Gildaa und Cynthia Abraham erweitern die emotionale Bandbreite der Songs, die mal als fragiler Kunstpop, mal als rhythmisch treibende Klangskulpturen erscheinen.
Mit Einflüssen von Björk, Bon Iver, Joni Mitchell oder James Blake, aber auch durch filmische Referenzen wie Wong Kar-Wai oder David Lynch, formt Anne Paceo eine musikalische Vision, die weit über Genregrenzen hinausweist.
Besonders bemerkenswert ist auch ihr Gesang – auf Songs wie „Love Song“ tritt sie als stimmliche Erzählerin hervor, zart und direkt, verletzlich und kraftvoll zugleich. „Atlantis“ ist ein zutiefst reflektiertes, kompromisslos produziertes Album voller kontemplativer Schönheit und gesellschaftlicher Relevanz.
Es ist eine Einladung zum Innehalten, ein klanggewordener Rückzugsort, der inmitten globaler Turbulenzen ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt – und vielleicht genau deshalb so notwendig ist.
© Pressetext | Mosaik Promotion
Line-Up
Anne Paceo Drums, Vocals
Cynthia Abraham Vocals
Gildaa Vocals
Zacharie Ksyk Trumpet
Christophe Panzani Saxophone
Gauthier Toux Piano & OB6
Oxy Moog & Prophet
Tracklist (CD)
- The Edge (intro)
- Tant qu’il y a de l’eau (feat. Laura Cahen)
- Inside
- Sedna
- Aube marine
- Love Song
- The Diver
- Restless (feat. Piers Facccini)
- Au large
- Mantha
- Sur une île
- L’écume
- Au vent (outro)
Tracklist (Vinyl)
Side A
- The Edge (intro)
- Tant qu’il y a de l’eau (feat. Laura Cahen)
- Inside
- Sedna
- Love Song
- The Diver
Side B
- Restless (feat. Piers Facccini)
- Aube marine
- Mantha
- Sur une île
- Au large
All music composed by Anne Paceo
Lyrics by Laura Cahen & Anne Paceo (A2), Sandra Nkake (A3)
Piers Faccini (B1), Billie Bird (A4, B5), Anne Paceo (A5)
Arrangements by Anne Paceo (A1, A2, AS, B3, B4)
Anne Paceo & the band (A3, A4, A6, B1, B2, B5)
Credits
Produced by Jusqua la nuit
Recorded by Felix Remy at Studio Pigalle
Additional recordings by Anne Paceo at Studio Petit Nuage
Mixed by Felix Remy at Studio Pigalle Mastered by Chab at Chab mastering
Photos by Tanguy Ginter
Artwork by Brest Brest Brest