Andreas Kümmert – The Mad Hatters Neighbour (2012)

Sounds.
Album
– Review

Andreas Kuemmert - The Mad Hatters Neighbour - 2012
Andreas Kuemmert – The Mad Hatters Neighbour – 2012

Andreas Kümmert – The Mad Hatters Neighbour
VÖ: 9.11.2012 (Erstveröffentlichung)
Label:7us Music (Membran)
Format: CD, digital

Blues in Reinform

Man mag ihn oder eben auch nicht. Blues hat eine mittlerweile hundertjährige Geschichte, die Rockmusik ist deutlich jünger. Ohne den Blues hätte es den Rock‘n‘Roll oder die Rockmusik als solche wohl kaum gegeben. Während Rockmusik mit einer gewissen Regelmäßigkeit in den Mainstream abgleitet oder wenigstens abzugleiten droht, passiert das mit den musikalischen Spielarten, die den Blues verinnerlicht haben, regelmäßig nicht.

Blues verbindet man primär mit den Vereinigten Staaten von Amerika als den Schmelztiegel von schwarzer und weißer Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Blues war dort zunächst auch Unterhaltungsmusik für die farbige Bevölkerung. Heute verknüpft man – leider  nicht ganz korrekt – den Blues noch immer mit eher älteren, meist schwarzen, Musikern, auch wenn er seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Dosierungen Eingang in die Rockmusik gefunden hat.

Bei Blues durchtränkter Musik mag man  wohl zu allerletzt an das beschauliche Gemünden am Main und an den vergleichsweise jungen, gerade einmal sechsundzwanzig Jahre alten, Andreas Kümmert denken.

Wir alle sind keineswegs frei von der zunehmenden Einflussnahme der Werbung bei jedweden Produkten der Musikindustrie, wo – allerdings nur scheinbar – immer neue Sounds and Styles durch den Radioäther geblasen werden und Karrieren auf diese Weise, wie zum Beispiel bei Lana Del Ray, perfekt durchgeplant und gepusht werden. Was so viele gut finden, über so etwas kann und darf niemand ein vernichtendes Urteil abgeben.

Andreas Kümmert aus Gemünden am Main

Der Musik des seit Jahren in Gemünden lebenden Andreas Kümmert, der im Mittelpunkt meiner Betrachtung stehen soll, habe ich mich nicht etwa über irgendwelche Empfehlungen oder gar über das Radio genähert. Dort habe ich ihn bisher nie gehört.

Nein, ich habe ihn im Lauf des Jahres 2012 einige Male – eher zufällig – auf der Bühne erleben können. Zunächst im Vorprogramm der Oberpfälzer Band Kellner, wo er als Solist voller Hingabe die eine oder andere Saite seiner Gitarre zum Bersten brachte, später beim Umsonst & Draußen in Würzburg mit der Würzburger All Star Band  und zuletzt bei der Acoustic Night im Würzburger Omnibus, bei der Andreas Kümmert sein aktuelles Album „The Mad Hatters Neighbour“ vorstellte und – bei zwar zahlenmäßig überschaubarem Publikum – riesigen Applaus erntete. Und dies vollkommen zurecht. An ihm führt derzeit in der unterfränkischen Musikszene kaum ein Weg vorbei.

Während der zurückliegenden Feiertage habe ich mir gerne die Zeit genommen, mich mit seinem aktuellen Album etwas intensiver auseinanderzusetzen.

Seine Songs

Der Opener Like My Daddy Said beginnt mit einem nicht allzu fetten Bläsereinsatz der unterfränkischen Band Funkuchen und begleitendem Schlagzeug, bevor sich Andreas‘ Stimme – frei von jedem unterfränkischen Akzent – und seine Akustikgitarre geschickt untermischen. Die Imagination von Landschaft, die hier vor mir aufgeht, hat mit dem mir bekannten Maintal wenig gemein. Das Stück vermittelt vielmehr die unendlich anmutende Weite amerikanischer Landschaften.

Danach ein angenehm galoppierendes Breathin‘ – das Album selbst rockt offensichtlich  stärker als Andreas Kümmert auf der Bühne. Sweet Eyed Moonshine, ein feines Liebeslied. Ein brilliantes, rhythmisches Autism und schließlich in der Mitte der Songlist der Titelsong des Albums – The Mad Hatters Neighbour, der Nachbar des verrrückten Hutmachers, eine Referenz an Alice im Wunderland.

Future‘s Bound und View dann mit anmutiger Akustikgitarre, anschließend Desert Song als eine saubere Bluesnummer. Great Heights, Street Poetry, ein hingebungsvolles Sunrise und ein finales Summer‘s Gone.

Nach intensivem Hören seines Albums ist der Singer und Songwriter bei mir weniger der unterfränkische Bluesgitarrist, sondern der (musikalische) Mann der Stunde, der unwahrscheinlich viel Soul in seine Musik zu legen versteht.

Eingespielt hat Andreas  das Album alleine im Sonic Storm Studio in Würzburg, Produzent war Dominik Heidinger.

Mit Leib und Seele dabei

Andreas Kümmert ist mit Leib und Seele professioneller Musiker, hat mit The Mad Hatters Neighbour ein grandioses und vielseitiges Album veröffentlicht, was ihn eigentlich über die Landesgrenzen hinaus bekannt machen müsste.

Seine effektivste Promotion sind die zahllosen Auftritte auf allen möglichen Bühnen. Überzeugt Euch dort von seiner Präsenz und Authentizität. Sein aktuelles Album mögt ihr dazu als passenden Aperitif oder Digestif genießen.

Die Cover Art des Albums ist übrigens auch sehr hübsch anzusehen.

Beitrag erschien ursprünglich auf music-on-net.com!


Homepage von Andreas Kümmert

Hier könnt ihr Andreas Kümmert erleben:

  • 29. dezember 2012) – irish pub bamberg
  • 30. dezember (2012) – o-ton mannheim
  • 2. januar (2013) – studiojob würzburg
  • 3. januar (2013) – studiojob würzburg
  • 3. januar (2013) – stammtisch omnibus würzburg
  • 4. januar (2013) – pub bamberg
  • 5. januar (2013) – holzwurm marktheidenfeld

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Verfasst von:

Musikliebhaber, Fotograf, Autor, Architekt.

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