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Roger Chapman & The Shortlist – Hirsch Nürnberg 2011 – Concert – Review

Last updated on 3. Mai 2018

Konzertbericht und Konzertfotos
Roger Chapman & The Shortlist am 11. Dezember 2011 im Nürnberger Hirsch
Roger Chapman rockt den Hirsch


Nürnberg (music-on-net) – Roger Chapman und seine Band The Shortlist genehmigen sich das obligatorische akademische Viertel (Verspätung), bevor sie die Zuschauer im Nürnberger “Hirsch” gute 100 Minuten mit einer überzeugenden Best-Of-Variante aus Chapman’s Oeuvre betören. Natürlich sind auch Coversongs dabei, denen „Chappo“, wie er von den Fans gerne kumpelhaft genannt wird, seine ganz eigene Prägung gibt.

Das Set beginnt mit einem „Stones“-Klassiker – „This Could Be The Last Time“. Bei einer Tour, die ohnehin unter dem Motto steht „Maybe The Last Time“ der geradezu ideale Opener. Dieser Song ist immerhin bald ein halbes Jahrhundert alt und die Rolling Stones spielen noch immer zusammen – irgendwie tröstlich!

Es dauert nur wenige Minuten, da ist Chappos Hemd nicht nur durchgeschwitzt, sondern auch vom Mineralwasser, welches er schon mal gerne von Kopf bis Fuß über sich ergießt, regelrecht durchnässt. Leere Wasserflaschen werden zu ungefährlichen Wurfgeschossen und landen im hohen Bogen in der Bühnenecke oder im Publikum, bereit gelegte und benutzte Handtücher in der Nähe von deckenmontierten Bühnenscheinwerfern.

Roger Chapman rackert sich auf der Bühne ab. Sein Gesang, seine Gestik und seine Ganzkörpersprache sind Raum greifend. Der Mann ist „on stage“ noch immer ein wildes Tier, die sprichwörtliche Rampensau. Er braucht also dringend Auslauf. Die Bühne erscheint heute stellenweise zu knapp bemessen. Ein lediglich konvulsivisch zuckender, ansonsten aber statischer, Joe Cocker käme mit dem hier vorhandenen Platzangebot wohl eher zu recht.

„Best Of“ heißt heute Abend aber nicht Wunschkonzert. Insofern läuft das Begehren einer Zuschauerin nach „How How How (Mad Song)“, einem Hit aus dem Jahre 1984 , ins Leere. Chapman’s saloppe Antwort: „You can sing it in your car!“

Die Band spielt rund, wie aus einem Guss. Langjähriges Zusammenspiel der Bandmitglieder, aber eben auch ihre Erfahrungen als Sessionmusiker in anderen Formationen sowie bei Plattenaufnahmen, bewahren uns vor schnell ermüdenden überlangen Instrumentalsoli. Vielmehr werden die Musiker im Laufe des Konzertes ganz souverän und selbstverständlich in Szene gesetzt. Dies reicht auch vollkommen aus, um sich von der handwerklichen Vollkommenheit des Einzelnen restlos überzeugen zu lassen.

Mitreißend ist insbesondere der musikalische Ausflug von „Red Moon“ zu Jimi Hendrix’s „Stone Free“ und wieder zurück, den Chapman im Mittelsektor lakonisch mit den Worten „I just forgot the other song“ begleitet. Natürlich weiß er ganz genau, wo es lang geht. Seine raue kehlige Stimme gleitet immer souverän im eigenen Blues-Rock-Kosmos.

„Blind Willie McTell“, im Original vom Meister Bob Dylan eine späte Würdigung des zu Lebzeiten eher unbekannten blinden Musikers, erfährt eine angenehme – inhaltlich durchaus gerechtfertigte – mehr am Blues orientierte Adaption.

Mit dem finalen „Shadow On The Wall“ zeigt er uns, wo der Hammer hängt. Er haucht der ehemaligen Kollaboration mit Mike Oldfield aus den 1980er Jahren soviel Leben ein, dass das Original daneben wie ein erbärmliches, auf bloße Radiotauglichkeit und mögliche Chartpositionierung orientiertes, Plagiat wirken muss.

Der ordentliche Zugabenblock wird mit „Who Pulled The Night Down“ eröffnet, ihm folgt ein famos langsam gespieltes „Shortlist“, die „Jukebox Mama“, die er auch als „Lady Bastard“ bezeichnet und ein alles beschließendes „Let’s Spend The Night Together“, wiederum ein Gassenhauer der Rolling Stones aus dem Jahr 1967.

„Maybe we’ll see you again (or not)“ – mit diesen Worten beendet Chapman ein rund um glücklich machendes Konzert. Hier hat heute abend wahrlich der Hirsch geröhrt und tut dies hoffentlich bald wieder. Kein Zuhörer mag sich so recht vorstellen, dass dies möglicherweise seine Abschiedstournee gewesen sein soll.

„Chappo“ bald auf dem häuslichen Sofa liegend und sich in die britische Literatur vertiefend? Kollege Keith Richards hat sich ja auch vor einigen Jahren in literarischen Exkursen versucht und ist dabei in der hauseigenen Bibliothek von der Leiter gestürzt.

„Lieber Roger, wir wollen Dich vor häuslichen Unfällen bewahren. Tob’ Dich weiter auf der Bühne aus. Das hält Dich jung und uns bei Laune! Oder magst Du – bei all deiner Vitalität – mit knapp siebzig Jahren von der Bühne aus nimmermehr auf eine Fangemeinde blicken, die mit Dir altert und damit zwangsläufig immer mehr Bewohnern eines Seniorenwohnanlage ähneln muss?

Please, keep yourself alive!“

© Gerald Langer (11-12-2011)


Setlist

(This Could Be) The Last Time (Rolling Stones)

Sweet Vanilla

Weaver’s Answer (Family)

Moth To A Flame

Midnite Child

E.Z. Train (New Song)

Prisoner

Red Moon – Stone Free (J. Hendrix)– Red Moon

Blind Willie McTell (Bob Dylan)

Shadow On The Wall – Toe Nail Draggin’ (Streetwalkers) – Shadow On The Wall

Zugaben:

Who Pulled The Night Down

The Shortlist

Jukebox Mama

Let’s Spend The Night Together (Rolling Stones)


Line-Up 

Roger Chapman, Vocals

Geoff Whitehorn, Guitars

Nick Pentelow,Saxophone, Clarinet, Harmonica

Paul Hirsh, Keyboards

John Lingwood, Drums

Gary Twigg, Bass



Konzertbericht und Konzertfotos © Gerald Langer (music-on-net)

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