Henrik Freischlader Band – Blues-Club Baden-Baden – 2020 – Review

Konzertbericht und Konzertfotos.
Henrik Freischlader Band am 26. September 2020 im Blues-Club Baden-Baden.
Die Band um den deutschen Blues-Gitarristen eröffnet die Jubiläums-Saison des Blues-Clubs


Baden-Baden (music-on-net) – Großes Aufatmen im Löwensaal in Lichtental. Nachdem die letzte Saison vergangenen März natürlich auch von der kulturellen Zwangspause getroffen wurde, hat der Club seine Pforten zur zwanzigsten Runde wieder öffnen können – und zwar pünktlich, ausverkauft und ohne Zwischenfälle.

Dem Anlass entsprechend mit genau der Band, die hier in den letzten zwei Jahrzehnten am häufigsten auf der Bühne Stand. Henrik Freischlader gab hier sein Debüt 2005  und kehrte im Laufe seines Aufstiegs bis in die Top-Riege des deutschen Blues regelmäßig zurück an die Oos, obwohl er mittlerweile auch deutlich größere Hallen bespielt.

Den Saal zu füllen trotz zurückhaltender Werbung war daher nicht die größte Sorge der Blues-Club-Mannschaft um Klaus Hartmann. Aber wird das ausgeklügelte Hygiene-Konzept mit limitierten 150 festen, sorgsam ausgemessenen Sitzplätzen und Einbahnstraße durch den Saal dem ausgehungerten Baden-Badener Publikum standhalten, das so gerne vor der Bühne richtig abrockt?

Allem Anschein nach ja. Die Gäste sind wohl einfach nur froh, mal wieder gepflegten Live-Blues auf die Ohren zu bekommen und verharren brav auf ihren Stühlen und Barhockern – mit glänzenden Augen und begeistertem Beifall nach jeder Nummer. Freischlader und seiner Band ist die Freude ebenfalls anzusehen, endlich wieder vor Publikum spielen zu können und er zollt dem Club seinen Respekt dafür.

Freischladers Markenzeichen ist der handgemachte Blues. Und genau so kommt der Wuppertaler daher, mit Batschkapp und Cordhosen platziert er sich unauffällig direkt neben dem Boxenturm am Mikro. Sehr unaufgeregt greift er in die Saiten, um ihnen bodenständige Blues-Rhythmen und unverzerrte Melodien zu entlocken, nimmt sich immer wieder Zeit für ausgedehnte Gitarren-Soli, um am Ende dann aber ein gewaltiges Brett durch den Saal fliegen zu lassen.

Diese Steigerung zieht sich sowohl durch das gesamte Programm über zwei Sets als auch durch viele der Stücke selber. Dabei treten auch immer wieder Freischladers Mitstreiter in den Vordergrund. Roman Babiks Orgelspiel ist eng verwoben mit der Gitarre – gerade noch liefert sie den Klangteppich unter dem Gitarrensolo, bei dem Freischlader alle Regler seines Instruments und den Effektpedalen ausreizt – dann steigt sie übergangslos in den Sound der Gitarre ein und entführt das Stück in höchste Orgelsphären, während der Chef entspannt im Hintergrund steht.

Das neue Album „Missing Pieces“ fehlt leider tatsächlich noch auf dem Merchandising-Tisch, aber zu hören gibt es reichlich davon. Freischlader spannt damit einen spannenden Bogen vom angestammten Blues über Soul in Richtung Funk. „Grown Up“ kommt mit seiner knackigen Gitarre definitiv funky daher. Und „It Ain’t Funky“ ist eine glatte Lüge, das macht der knackige Bass von Armin Alic dem Zwerchfell ganz deutlich klar. 

Der Höhepunkt des Abends sind die gut 20 Minuten „Bad Dreams – Wolkenwinde“ im zweiten Set. Die donnernden Schläge auf die Basstrommel von Moritz Meinschäfer gefolgt von heftigen Gitarrenblitzen können durchaus einem schlechten Traum entspringen. Die ersten leichten Tropfen fallen mit dem akustisch filigranen Solo von Freischlader, das sich über mehrere Minuten langsam steigert und übergeht in das soulige dunkle Saxophon-Solo von Marco Zügner, der die  Winde weiter zu Sturmstärke aufbläst, bis sie sich mit der ekstatischen Orgel zu einem handfesten Orkan auswachsen. Schließlich wird die ganze Truppe in einem furiosen Finale gemeinsam über die Bühne gewirbelt …Noch völlig aufgepeitscht gibt es eine „Foxy Lady“ mit fast jaulender, aber sehr präziser Hochgeschwindigkeitsgitarre hinterher, bevor die Band mit zwei eher ruhigen Zugaben wieder zur Ruhe kommt.

Kaum zu fassen, dass es das begeisterte Publikum so diszipliniert auf den Stühlen gehalten hat. Das sind beste Voraussetzungen dafür, dass es auch in der Nachbetrachtung des Abends keine Klagen gibt und für die weitere Saison die Daumen oben bleiben.  Das lange Warten auf Live-Musik wurde mehr als belohnt und die akribische Vorbereitung des Blues-Clubs ebenso. Herzlichen Glückwunsch zum Zwanzigsten!

© Jörg Neuner


Making Of ………


Das Konzert der Henrik Freischlader Band

Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner


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