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Malted Milk – Blues-Club Baden-Baden 2020 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Malted Milk am 1. Februar 2020 im Blues-Club Baden-Baden.
Französische Wochen – Funkiges aus der Soulküche


Baden-Baden (music-on-net) Nach Nantes sind es gute 800 km. Das ist schon etwas weiter als mal eben rüber ins Elsass, wie man es hier in Baden mal eben macht, um einen besonderen Wein, Käse oder feine Pâté zu holen. Aber der Blues-Club hat die französischen Wochen ausgerufen und keine Mühen gescheut.

Vor zwei Wochen hatten wir hier Rosedale aus dem südlichen Elsass, und die haben sowas von abgeräumt – mal wieder eine sehr lohnende kleine Einkaufs-Tour in die dort sehr gut sortierte Blues-Rock-Abteilung. Man erinnere sich auch an Veronique Gayot, die mit Barking Jack das Entrée zur Saison 2016 zubereitet hat.

Heute also stehen Malted Milk auf der Karte, aus Nantes. Und während Rosedale quasi ein prickelnder junger Wein waren, bekommen wir heute ein bestens gereiftes Stück Funky Soul auf den Teller. Seit über 20 Jahren hat sich dieses ursprüngliche Blues-Duo zu einem Septett entwickelt, vielseitige Einflüsse der afrikanischen und amerikanischen Musik aufgesogen und sind in Frankreich bestens etabliert. Der mit über 300 groove-hungrigen Gästen ausverkaufte Löwensaal ist zu einem guten Drittel mit französischen Feinschmeckern gefüllt – weshalb nach der üblichen Anmoderation von Club-Chef Klaus Hartmann auch noch Vize-Chefin Andrea Safidine mit ihren Französisch-Kenntnissen glänzen darf, um sie zu begrüßen.

Die Band ist auch schon zum zweiten Mal in Baden-Baden. 2016 war es noch eine positive Überraschung, diesmal war bei allen die Vorfreude enorm:

Auf einen prägnanten Bläsersatz – klein, aber fein. Vincent Aubert und Pierre-Marie Humeau machen mit Trompete und Posaune vom ersten Stück an reichlich Druck von hinten.

Auf einen Bass, den Igor Pichon funky-knackig serviert, gewürzt mit Richard Houssets perfektem Timing am Schlagzeug.

Auf ein harmonisches Orgelspiel, mit dem Damien Cornelis nicht nur die anderen Akteure feinfühlig verbindet, sondern von dem man auch mal einen ordentlichen Löffel pur nehmen kann.

Und auf die beiden Gitarren von Maxime Genouel und Arnaud Fraudin vorne dran, die die sich mit Lead und Rhythm so perfekt verweben, wie es nur ein jahrelang eingespieltes Duo vermag.

Mit dem Gruß aus der Küche katapultieren einen die Bläser mit ihren souligen Einsätzen direkt in die 60er, 70er hinein zwischen Motown und Stax. Die ersten Beine fangen schon an zu zucken und mit Fraudins kräftiger Stimme sowie einem ersten rockigen Gitarrensolo gerät schnell die erste Reihe komplett in Bewegung. Der quirlige Frontmann feuert das Publikum auf Englisch und Französisch an, animiert die Tänzer immer unermüdlich …

In der dritten Nummer Some Tears You Need To Shed singt er sich dann mit seiner hohen Stimmlage irgendwo zwischen Marvin Gaye und Curtis Mayfield und der Groove nimmt den ganzen Saal gefangen, bis nach hinten zur Theke auf der Empore.

It’s Happening All Over geht mehr in Richtung Rock’n’Roll und bringt uns ein Gitarren-Solo von Genouel, das ein wenig an Chuck Berry erinnert, so wie seine Gitarre ihn in die Knie drückt. Fraudin macht den Cheerleader und heizt das jubelnde Publikum weiter an.

Ein funkiges Keyboard-Bass-Duett an fulminantem Trompetensolo beschließt den ersten Gang relativ schnell.

Für den Hauptgang nach der Pause bringt Fraudin gleich wieder alle in Bewegung, holt die Bläser nach vorne, die natürlich den Hauptanteil an der besonderen Stimmung haben – die Blues-Bands kommen doch eher selten mit Blechfraktion angereist. Das Publikum nimmt alles begeistert auf und lässt sich sowohl vom funkigen Groove als auch den vertrauteren rockigen Gitarren mitreißen.

Sehr dynamisch gerät das Drumsolo – mit auch ruhigen Momenten, in denen Housset seinen Schlägen nachlauscht. Das Keyboard-Solo danach hält die Menge am Kochen und findet ein Echo im Lautgesang von Fraudin. Die ganze Truppe hat einen ungemeinen Spaß da oben und alle sieben Mann sind wirklich permanent präsent – eine gigantische Klangfülle, auch ohne dass die Anlage voll am Anschlag ist. Und auch der optische Kanal wird ordentlich versorgt bei so einer quirligen Formation – zumal Markus Lorenz am Lichtmischpult sichtlich Freude mit dem neuen Bühnenlicht hat und das Ambiente dank der Nebelmaschine auch an Lichtfülle gewonnen hat.

Als Zugabe gibt es nochmal die komplette multikulturelle Rezeptur als Dessert. Donnernde Gitarren und knackiger Bass, die Bläser schicken Blitze von hinten, Fraudin beatboxt am Mikro … You Gotta Make It Funky!!

Und dann wären alle Teller leer gegessen, auch wenn die Gäste sich noch nicht wirklich sattgehört haben. Sie würden noch einen Nachschlag vertragen … leider nix mehr da.

Leider auch keine weiteren deutschen Konzerte auf der Karte. Wer Appetit bekommen hat, sollte das auf www.malted-milk.com im Auge behalten.

© Jörg Neuner


Line up


Arnaud Fraudin – Guitar, vocals
Maxime Genouel – Guitar
Igor Pichon – Bass
Richard Housset – Drums
Damien Cornelis – Keyboard
Pierre-Marie Humeau – Trumpet
Vincent Aubert – Trombone


Setlist


Gruß aus der Küche – Intro

Vorspeise

The Best In Me
It Ain’t Time
Some Tears You Need To Shed
It’s Happening All Over
Cramp Your Style
To Build Something With You
Money

Hauptgang

Children Of The World
More And More
No More Oky Doke
King Without A Crown
You Got My Soul

Dessert

Daddy Has A Gun
Da Bump


Line up | Malted Milk

Amandyn Roses – vocals
Charlie Fabert – guitar, vocals
Pili Tempo – bass
Denis Palatin – drums, vocals
Séraphin Palmeri – keyboard


© Jörg Neuner


Konzertfotos | Malted Milk


Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner (music-on-net)


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