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Finefones Saxophone Quartet Feat. Peter Lehel – Ruderclub Rastatt 2019 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Finefones Saxophone Quartet Feat. Peter Lehel am 23. November 2019 im Ruderclub Rastatt.
Kammerkonzert für vier Saxophone


Rastatt (music-on-net) „Konzert“ geht normalerweise so:

Bands suchen Bühnen für ihre Tour und Auftritte.
Veranstaltungsorte suchen Bands für Ihr Programm.
Agenturen vermitteln das Ganze und verkaufen die Tickets dafür.
Fans kaufen die Karten und stellen oder setzen sich ins Publikum.
Die Band kommt von backstage und performt … jaa, das jetzt natürlich ganz emotional.
Aber eben: Business.

Geht aber auch mal ganz anders:

Keine Agentur, die vermittelt … nur eine Terrasse und Whatsapp. Die Terrasse sonnig, nett an einem See gelegen – genauer, dem Goldkanal, der nördlich von Rastatt in den Rhein mündet und ganz ordentlich Segler und Ruderer der Umgebung anzieht.

Zudem zeichnet sich die Kirche in Elchesheim nebenan durch eine besonders geniale Akustik für Saxophone aus. So kann es passieren, dass es auch Musiker der Umgebung, die in besagter Kirche hin und wieder ein Album aufnehmen, zum Ausspannen hin und wieder auf besagte Terrasse verschlägt.

Und weiter passiert es dann, dass die Wirtin der sonnigen Terrasse zum Musiker sagt: „Peter, bring doch mal dein Saxophon mit…“.

Der Musiker lässt sich das so ungefähr zwei- oder dreimal sagen, dann sagt er zur Wirtin: „Wie wär’s am 23.11.? Und ich bring noch drei Saxophone mit.“

„Hm, da ist die Saison eigentlich schon zu Ende und wir haben zu …“

Aber da der Musiker nicht irgendein Musiker ist, und auch nicht die mit den drei anderen Saxophonen, findet sich für alle zusammen kein anderer Termin. Und so kommt es, dass der Saisonabschluss des Rastatter Ruderclubs dieses Jahr etwas verspätet stattfindet. Aber dafür mit einem hochkarätigen Konzert von Peter Lehels FineFones Saxophone Quartet. Und es gibt auch keine Tickets, sondern die interessierten Clubmitglieder reservieren einen Tisch zum Abendessen. Und laden dazu vielleicht noch interessierte Freunde ein, zum Beispiel meine Frau und mich. Gut, die Terrasse ist bereits zu, aber das mit Whatsapp hat funktioniert.

Das hölzerne Steuerrad an der Wand gibt die nautische Stilrichtung für die behagliche Wohnzimmer-Atmosphäre vor. Über der Bar, buntgekachelt wie aus Treibgut zusammengesetzt, fungieren gekreuzte Riemen als Kronleuchter. Ein Knotenbrett darf nicht fehlen, ebenso wenig wie die Ehrentafel mit Streckenkilometern der verdienten Mitglieder. Das Ganze dezent eingerahmt von weißen Holzpanelen und Vorhängen in maritimen Hellblau. Unter dem Steuerrad versammeln sich ein Klavier, ein Kontrabass und ein cooler kleiner Jazzer in Holz und lassen erahnen, dass es hier öfter mal Musik gibt.

Da sitzt man nun und isst Pasta mit Pilzen oder Kalbsgeschnetzeltes. Genau wie am Nachbartisch die Band samt Anhang – erkennbar auch für den Nichtvertrauten am einheitlich schwarzen Outfit der Musiker, das aus dem bunten Mix von jungen und älteren Clubmitgliedern heraussticht. Von daher also ziemlich weit vom täglichen oder nächtlichen Business, mit denen sich die allesamt studierten Saxophonisten so herumschlagen: Asien-Tourneen absolvieren, Jazz- und Schallplattenpreise entgegennehmen, dozieren an der Karlsruher Musik-Hochschule, Theater-Produktionen begleiten, Musik-verlage oder Konservatoriums-Bereiche leiten. Dann sind die Teller leer und die Biere ausgetrunken, und kurzerhand werden die Tische vor dem Klavier beiseitegeschoben um Platz für vier Notenständer zu machen. Dann begeben sich die schwarzen Vier ins Büro nebenan und man hört eine Weile einstimmende Bläsertöne, bis sie samt Instrumenten wieder erscheinen.

„Leinen los“, das Quartett setzt die Segel in vier Tonlagen: Peter Lehels Sopran-Saxophon ist schlank, gerade wie ein Segelmast und für die hohen Töne zuständig. Das Alt-Saxophon von Olaf Schönborn sieht schon aus wie Saxophon, Christian Steubers Tenor-Saxophon hat dann das Format und den Sound, der einem am geläufigsten ist, wenn man einem einzelnen Exemplar begegnet. Unter der Wasserlinie sorgt Pirmin Ulrich mit dem Bariton-Sax für den Tiefgang.

Die Bach Gavotte No.1 bewegt sich in seichten Gewässern noch ruhig dahin. Das zweite Stück Funk-A-Lot nimmt dann Fahrt auf, gleitet zunächst noch in harmonischem Vierklang gleichmäßig über die Wogen – bis böige Winde die Formation auseinanderreißen und die vier Stimmen wild umeinanderkreuzen…um sich gegen Ende wieder zusammen zu finden.

Ein stampfender Bariton-Rhythmus kämpft sich durch den hohen Seegang der von Léhar inspirierten dritten Nummer – die hohen Stimmen hüpfen wie Schaumkronen operettenhaft auf den Wellen.

Bei Anima glätten sich die Wogen wieder und wir lassen uns ruhig und melodisch dahintreiben. Lehel hat das Stück für seine Tochter geschrieben – scheint eine recht ausgeglichene Beziehung zu sein.
Ganz anders dann wieder in Eddie Who? Das knarzende Bariton-Solo wird von oben quasi gemeinsam attackiert und in das Unterdeck zurückgedrängt bis sich Sopran und Bariton zum Duell stellen…

Im zweiten Set findet gar eine Live-Premiere statt: Songs for Taipeh ist inspiriert von den asiatischen Klängen, die das Quartett auf seinen Asien-Tourneen aufgesogen hat und wurde noch nie live gespielt. Auch Presidential Suite ist unterwegs entstanden – die vier Stimmen lassen das Publikum den Kontrast zwischen einer hektischen Großstadt und der Erholung in einem komfortablen Hotel erleben mit einem träumerischen Sopran-Solo von Lehel. The Garden dagegen hat einen ganz nahliegenden Ursprung – siehe sonnige Terrasse oben.

Papa Groove von der noch unveröffentlichten Platte arbeitet mit dem Kontrast der Stimmen – Bariton- und Tenor-Sax besorgen den Rhythmus, auf dem sich die hellen Melodien von Alt und Sopran verweben.

In der zweiten Zugabe legen sich alle nochmal richtig in die Riemen. Aber nicht im Vierer – in Bb-Flat-A-Loogoo bekommen alle Höhen und Tiefen ein finales Solo – um dann natürlich gemeinsam über die Ziellinie zu gehen.

Mit Wonderful World geht das Quartett von Bord.

© Jörg Neuner


Line up |  Finefones


Peter Lehel – soprane saxophone
Olaf Schönborn – alto saxophone
Christian Steuber – tenor saxophone
Pirmin Ullrich – baritone saxophone


Setlist | Finefones

Set 1

Bach Gavotte No.1
Funk-A-Lot
Léhar Operette Interpretation
Anima
Eddie Who?
The Garden
Hot Blue Balkan Polka

Set 2

Gabriel Foré
Songs For Taipeh
Tranquil Street
Papa Groove
Presidential Suite
Shades Of Light

Encore

Shuffle Shuffle
Bb-Flat-A-Loogoo


Konzertfotos | Finefones



Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner (music-on-net)


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