Hayseed Dixie – MS connexion Mannheim 2019 – Review

Konzertbericht und Konzertfotos.
Hayseed Dixie am 13.06.2019 im MS Connexion Mannheim
Rockgrass – Metal meets Bluegrass


Mannheim (music-on-net) Das Zusammentreffen von Metall und grünem Gras ist vom Rasenmäher hinlänglich bekannt – auch, wer dabei den Kürzeren zieht. Bluegrass hingegen erweist sich als äußerst widerstandsfähig gegenüber der Behandlung mit selbst hard-metallenem Liedgut.

Wer glaubt, dass man die Autobahn zur Hölle nicht ohne kreischende E-Gitarre und hämmerndem Schlagzeug befahren kann, der ist noch nie einer wildgewordene Mandoline mit einem durchgeknallten Banjo als Beifahrer begegnet – ist AC/DC‘s Highway To Hell letztlich nicht die gleiche Straße wie der Lost Highway von Hank Williams?

So die Frage von John Wheeler, der einst in seinem Studio in Nashville zusammen mit einem Kumpel 10 AC/DC-Nummern mit dem einspielte, was so greifbar war – rein akustischen Saiteninstrumenten. Und Whisky – reichlich Whisky. Das erste Album von 2001 und führte auch zum Gruppennamen – Hayseed Dixie als Verballhornung des Originals in Hillbilly-Speak. Und zum eigenen Genre – Rockgrass.

Seitdem nehmen die Jungs alles auf die Saiten, was irgendwie härter daher kommt. Oder schräg, wie Schnaps, Das War Sein Letztes Wort – Wheeler hat mal deutsch studiert. Oder auch soft – Eternal Flame wird mal eben wo eingewoben und irgendwie geschickt als Heavy-Hymne verpackt.

Im Publikum heute Abend sind jedenfalls tätowierte Headbanger mit Kutte ebenso vertreten wie blassgraue Zausel im Karohemd. OK, mag vielleicht daran liegen, dass das MSconnexion im Mannheimer Industriegebiet kein Western-Saloon ist, sondern ein Metal-Schuppen. Aber beide Fraktionen haben zusammen einen Riesenspaß.

Unglaublich? Geht so: bereits nach Dirty Deeds Done Dirt Cheap und Rock’n’Roll All Night Long haben Gitarre, Mandoline und Co die PA sturmreif geschossen, beim fünften Song Shook Me All Night Long hat die E-Gewitter-erprobte Anlage ausgeschüttelt. Während die Connexion-Jungs die Kabel wieder auf die Reihe bringen, improvisiert Wheeler mal eben Ohne Dich Kann Ich Nicht Sein.

Ein paar 80er Mainstream-Kracher kommen erstaunlicherweise auch mit ganz wenig aus: Eye Of The Tiger bringt wirklich alle zum Toben, obwohl Wheeler da oben nur mit der Akustik-Gitarre steht. Um ihn herum allerdings berserkert Hippy Joe Hymas mit der Mandoline, Jake “Bakesnake” Byers gibt den Lemmy an der akustischen Bass-Gitarre – und ausnahmsweise ist das Banjo mal nicht der Schrägste in der Truppe: Tim Carter ist der unauffälligste der vier, treibt mit seinem Picking aber ganz wesentlich zum Beispiel Don’t Stop Believin‘ voran. Die 80ies kommen irgendwie bei den Tätowierten und den Karierten gut rüber…

Ganz groß: Bohemian Rhapsody. Sicher eines der herausragenden und eigenwilligsten Stücken der Rockgeschichte. Und so sehr mit einer Band und einer Stimme verbunden wie kaum ein anderes. Unglaublich, mit welcher augenzwinkernder Verbeugung in Richtung Queen die Jungs hier ihre eigene Hymne abliefern. Die typische Dynamik des Originals zwischen E-Rock-Rhythmus und Orchesterflügel-Harmonie sowie der vielstimmige Gesang um Mercurys Stimme von shouting bis arienhaft – alles mit ganz eigenem Groove in den Bluegrass adaptiert. Wheelers Stimme ist auch beim Shouten noch sehr modulierbar, vielstimmiger Gesang ist eh die Stärke des Bluegrass, Rhythmus und Harmonien übernehmen Banjo und die kleine Mandoline ganz souverän. Grandios!

Zwischendrin schräge Eigenkompositionen wie In The Backyard, die sich mit Leichen im Hinterhof beschäftigen oder Liebeslieder wie Keepin‘ Your Poop In A Jar … lustige Geschichten wie das Philosophieren über Wheelers liebsten Begleiter, das Schwarzbier. Das mag er sehr, weil: es wird nicht böse, wenn man ein zweites aufmacht.

Die Zugabe ist ein einziges hayseed’sches Medley, das den ganzen Wahnsinn nochmal so richtig aufkocht: Mit Luca schleicht sich der Endspurt ganz langsam an …um dann TNT-gewaltig zu explodieren … zu Fuß per Walk This Way auf den Highway To Hell einbiegt … wo Hymas dann so richtig Gas gibt, slide auf der Mandoline, mit bottleneck …richtig, wozu braucht es einen engen Flaschenhals, wenn es doch `ne ganze Pulle Jameson auch tut.

Dann sachte in die Eisen – jetzt: Eternal Flame, nicht ganz so zuckersüß wie von den Bangles – um am Ende die Ausfahrt in die Country-Heimat nicht zu verpassen. Mit I Saw The Light landet der wilde Ritt schlussendlich wieder auf dem Hof von Altvater Hank.

© Jörg Neuner


Nächste Konzerte Hayseed Dixie:

Derzeit keine Konzerte in Deutschland. Kommen aber wieder.

Check http://www.hayseed-dixie.com


Line-Up | Hayseed Dixie

John Wheeler – vocals, guitar
Hippy Joe Hymas – mandolin, vocals
Jake “Bakesnake” Byers – bass guitar
Tim Carter – banjo


Setlist | Haysee Dixie


Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner


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