Tindersticks – The Waiting Room (2016) – Tonträger – Review

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Tindersticks - The Waiting Room (2016) - Album Cover
Tindersticks – The Waiting Room (2016) – Album Cover

Tindersticks – The Waiting Room (Vinyl + DVD + Downlode-Code)
VÖ: 22. Januar 2016
Label: City Slang (Universal)
Formate: Vinyl, CD, digital


(music-on-net) – Das Jahr ist bereits fortgeschritten. Der Winter blieb bei uns bisher weitgehend aus. Dafür trägt der Februar beinahe die Stimmung eines trüben Novembers. Vielleicht die rechte Zeit, sich das aktuelle Album “The Waiting Room” der Tindersticks zu Gemüte zu führen. Seit dem Erscheinungstermin vor einem Monat lehnte es – bisher noch wenig aufgelegt – an meiner rechten Standbox und erfreute sich dort allerdings bester Gesellschaft. Die Zeit zum intensiven Anhören ist heute gekommen.

Ich mag die Band von Stuart A. Staples seit ihrem Debüt von 1993 und habe sie nie aus den Augen verloren. Trotz personeller Umbesetzungen stehen Sound und Klangbild der Tindersticks grundsätzlich wie ein Fels in der Brandung. Erst die Feinarbeit schafft Meisterwerke, auch in diesem Falle.

Staples beherrscht die Kunst, seinen Alben das typische Tindersticks Markenzeichen meandernder Melancholie aufzudrücken und sie ganz selbstverständlich mit Bläser-Arrangements, für die der Jazzer Julian Siegel an Saxophon und Klarinette verantwortlich zeichnet, anzureichern.

Musik der Tindersticks klang schon immer etwas aus dem Raum-Zeit-Kontinuum gefallen und trägt so seit Jahren zur Entschleunigung und zum Innehalten des interessierten Zuhörers ein, der Staples’ Bariton wohl immer heraushören wird, wenngleich diese Singstimme die kunstvolle Traurigkeit streckenweise in nicht gerade leicht verständlichem Englisch transportiert.

Beim aktuellen Album hat man leider auf die Beilage von Lyrics komplett verzichtet, dafür ein hübsches großformatiges 16-seitiges Booklet beigefügt, das die auf dem Albumcover zunächst farbig beginnende Fotosession sogleich in monochrome schwarz-weiße Fotokunst des französischen Fotografen Richard Dumas fortführt.

Allein sechs Soundtracks hat Staples in den letzten Jahren für die Filmemacherin Claire Denis geschrieben (Claire Denis Film Scores 1996-2009).

Tindersticks’ Musik braucht an und für sich keine Visualisierung, das Kopfkino wird mit den ersten Tönen nahezu automatisch angeworfen. Wenn nicht, hat man für diese Musik höchstwahrscheinlich ohnehin keine Antenne.

Bei “The Waiting Room” hat Staples einen besonderen Weg beschritten. Die zum Teil noch unfertigen Songs verschickte er an ihm bekannte Filmemacher, die darauf hin mit weitgehend konkreten bewegten Bildern arbeiteten, die den Betrachter dennoch nicht so einlullen, dass er die Motivation für jedes filmische Detail auf der beigelegten DVD ergründen möchte. Vielmehr sind hier elf sehr individualistische Interpretationen von musikalisch erzeugten Stimmungen gelungen.

Einer der vielen Höhepunkte auf “The Waiting Room” ist zweifellos das Duett von Staples mit Lhasa de Sela – “Hey Lucinda”

Nur drei Alben hat die US-Amerkanerin eingespielt, als sie mit gerade einmal 38 Jahren im Jahre 2010 an Brustkrebs starb. Einige Zeit hat Staples den gemeinsamen Song unfertig liegen gelassen. Nun konfrontiert er uns mit solchen Textzeilen, die kurzfristig Gänsehaut erzeugen:

“…Hey Lucinda – our time is running out…..” (Stuart A. Staples) …. “I’m getting tired …….” (Lhasa de Sela)

Der Einsatz des Glockenspiels fängt die traurige Stimmung schnell wieder ein, sonst hätte der Song leicht zu einem Bowie’schen “Black Star” oder “Lazarus” geraten können.

Mit dem aktuellen Album hat Stuart A. Staples wiederholt leicht Pop, Soul und Jazz angehauchte, aber vor allem tief berührende Kammermusik und für die “Marke Tindersticks” schlechthin das bisherige Referenz-Opus geschaffen, welches auch ohne die sehenswerten Videos den Hörer durch geschickte Wechsel von reinen Instrumentals und Stücken mit vokaler Unterstützung von Anfang an in seinen Bann zieht.

Am Schluss bleibt neben Tod, Verzweiflung, Traurigkeit immer eben auch der Funke Hoffnung, der uns alle am Leben hält! 

Daher Bestnote ohne spezielle Anspieltipps!

© Gerald Langer


Line-Up

Stuart A. Staples – Gesang, Gitarre, Melodica, Perkussion

David Boulter –  Keyboard, Orgel, Gitarre, Perkussion

Neil Fraser – E-Gitarre, Akustikgitarre

Earl Harvin –  Schlagzeug, Perkussion

Dan McKinna – Bass, Keyboard, Gesang


Tracklist Album

1. Follow Me (instrumental)
2. Second Chance Man
3. Were We Once Lovers?
04. Help Youself
5. Hey Lucinda (feat. Lhasa De Sela)
6. This Fear Of Emptiness (instrumental)
7. How He Entered
8. The Waiting Room
9. Planting Holes (instrumental)
10. We Are Dreamers! (feat. Jehnny Beth)
11. Like Only Lovers Can


Meine Anspiel-Tipps – fett!


Tracklist DVD
1. Follow Me – Suzanne Osborne and Stuart A. Staples (UK)
2. Second Chance man – Christoph Girardet (Germany)
3. Were We Once Lovers? – Pierre Vinour (France)
4. Help Youself – Claire Denis (France)
5. Hey Lucinda – Rosie Pedlow and Joe King (UK)
6. This Fear of Emptiness – Stuart A. Staples (UK)
7. How He Entered – Gregorio Graziosi (Italy)
8. The Waiting Room – Stuart A. Staples (UK)
9. Planting Holes -David Reeve (UK)
10. We Are Dreamers! – Gabraz Sanna and Sara Nao Tem Nome (Brasil)
11. Like Only Lovers Can – Suzanne Osborne and Stuart A. Staples (UK)

Diskografie

Tindersticks First Album (1993)
Tindersticks Second Album (1995)
Curtains (1997)
Simple Pleasure (1999)
Can Our Love… (2001)
Waiting for the Moon (2003)
The Hungry Saw (2008)
Falling down a Mountain (2010)
The Something Rain (2012)
Across Six Leap Years (2013)
Ypres (2014)
The Waiting Room (2016)


Tour-Daten

11.03.2016 – München, Kammerspiele
12.03.2016 – Stuttgart, Im Wizemann
13.03.2016 – Köln, Gloria
14.03.2016 – Hamburg, Kampnagel

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„Chef-Redakteur“ eines „Ein-Mann-Betriebes“ | Inhaltlich verantwortlich für music-on-net.de (Magazin), music-on-net.photography (Konzertfotografie) und music-on-net.com (mein persönlicher Musikblog) | Offen für verlässliche Kooperationen | Wurzeln in den 1970er Jahren mit Blick auf die aktuelle Musikszene dank einer nach und nach gewachsenen guten Vernetzung mit verschiedenen Medienpartnern | Es ist vor allem die Leidenschaft für die Musik, die mich nach all den Jahren noch immer antreibt.

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