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Alle Beiträge zum Thema %s “jörg neuner”

Meena Cryle & The Chris Fillmore Band – Blues Club Baden-Baden 2019 – Concert – Review

Konzertbericht und Konzertfotos
Meena Cryle & The Chris Fillmore Band am 10. Februar 2019 im Blues Club Baden-Baden


Baden-Baden (music-on-net) – Meena Cryle & The Chris Fillmore Band

… zum Vierten*.

Kurzum:  Mörder . Stimme . Gitarren . Solo . Bass. Solo.

Selber. Hören. LIVE!


Tour-Daten 2019


15.2.        Zur Linde, Affalter

16.2.       Feuerwache, Magdeburg

22.6.       Babü Festival, Wolkersdorf (AU)

5.7.          Blues Time, Garbsen

7.7.          Schlosskonzert, Saarbrücken

12.7.        Wein&Kulturtage, Bottwall

17.7.        Boogie- Blues und Folk-Nächte, Hohwacht

19.7.       Blues And More, Schlaining (AU)

20.7.       Seebühne, Neumarkt an der Ybbs (AU)

25.7.       Theater am Spittelberg, Wien (AU)


Line-up:

Meena Cryle – vocals, guitar

Chris Fillmore – guitar

Alex Trier – Bass

Soa Fitzpatrick – Keyboards

Roland Schoblocher – Drums

* http://music-on-net.de/Archive/12753


KonzertfotosMeena Cryle & The Chris Fillmore Band 

Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner (music-on-net)

ASS FIDDLE JOHNSONS & FRIENDS – Event-Akademie Baden-Baden – 2018

Konzertbericht mit Konzertfotos.
ASS FIDDLE JOHNSONS & FRIENDS am 10. November 2018 in der Event-Akademie Baden-Baden.

Vom Arschgeigenhansel zum Local Hero


Baden-Baden (music-on-net) Gerade ganz aktuell im Kino: der Rock‘n‘Roll und wie er die verschiedensten Typen dazu anspornt, die Gitarre selbst in die Hand zu nehmen. Wenn es richtig gut läuft, wird daraus die Geschichte einer der größten Rockbands der Welt. Wenn es nicht ganz so gut läuft, verliert sich das Ganze aus den verschiedensten Gründen und die Axt verstaubt nach ein paar Jahren auf dem Speicher – aber vielleicht will man es im gesetzten Alter noch mal wissen und trommelt die Jungs von damals wieder zusammen. 

Zwischen dem dramatischen Bio-Pic Bohemian Rhapsody und dem fiktiven Plot von So viel Zeit spielt die ganz reale Geschichte der Ass Fiddle Johnsons, die sich seit 27 Jahren quer durch die Rockgeschichte covern. In Haueneberstein neben Baden-Baden fanden sich sechs Rock-Begeisterte  zusammen, um die Feiern der Umgebung mit angesagter Live-Musik zu befeuern. Vor allem auf Sportfesten gab es in den 90ern reichlich Bedarf an Bands, die ordentlich Stimmung machen. Aus einer Bierlaune heraus – wie ungewöhnlich für eine Rockband – ist der ursprüngliche Bandname entstanden: Arschgeigenhansel. Um Irritiationen mit dem Repertoire zu vermeiden, wurde das dann an die gesungenen Sprache angepasst …

Die Sportfeste sind weniger geworden. Staub haben die Jungs aber nicht angesetzt, obwohl immer noch fast die Original-Besetzung am Start ist. Lediglich ein Neuzugang war nach einem Jahr zu verzeichnen und nach 20 Jahren brauchte es einen neuen Schlagzeuger. Dafür spielt man schon mal vor ein paar tausend Gästen eines Firmenjubiläums. Ein Fixpunkt seit 2002  ist das jährliche Konzert in Baden-Baden. Ursprünglich im alten E-Werk gestartet, der Bühne von Frank Elstners Menschen der Woche. 2014 kam Michael Steinbrecher mit 3nach9, wegen dessen permanenter Bühne musste man seitdem in die Event-Akademie ausweichen, die nun an gleich zwei Abenden hintereinander ausverkauft ist – und das trotz reichlich Konkurrenz-Programm. Bei mir war an dem Samstag eigentlich der Blues-Club geplant, einen Ort weiter gibt es eine Rock-Nacht durch alle Bars und es hätte noch weiter interessante Alternativen gegeben. Trotzdem sind die 300 Besucher an jedem Abend net bloß die Leut vom eigene Dorf, lasse ich mir erklären.

Ass Fiddle Johnsons – Baden-Baden (2018) © Joerg Neuner

Stevie Wonder eröffnet schwungvoll den Reigen des gemischten Programms. Danach Baker Street, das Klaus Schneider als erster Gastmusiker mit seinem Saxophon-Solo gehörig aufmischt. Across The Universe durchflutet den Raum dagegen fast ganz alleine mit Christian Hirths ruhiger Stimme und Helmuth Hirths Akustik-Gitarre.

Noch nicht ganz so alt oder tot wie die Pilzköpfe aber doch schon in der Ü60-Klasse – das ist betreutes Musizieren. So freuen sich die Herren seit Jahren über die Treue ihrer jüngeren Gastmusiker. Emi Ühlinger reist immer wieder extra aus der Schweiz an, um außer mit den Pailetten ihrer Beinkleider mit ergreifenden Geigensoli zu glänzen – und im Hintergrund den Songs einen klassischen Touch zu geben. Der vierstimmige Bläsersatz betont die jazzigen und bluesigen Partien und trägt wesentlich zum vollen Sound der Band bei.

Im Highlight des ersten Sets spielen die Töne im Hintergrund die herausragende Rolle. Vom exotischen, galoppierenden Ride To Agadir gleiten die Bläser über Violine und Cello direkt ins schleppend getragene Whiter Shade Of Pale, das von Georg Wandler noch mit einem passenden E-Gitarren-Solo angereichert wird. Die Setlist hat jetzt nicht unbedingt einen knallroten Faden, aber das ist schon ein deutlicher Ticken mehr, als Mainstream-Covers der Reihe nach runter zu nudeln.

Bob Segers Turn The Page erzählt über den Musiker auf Tour. Regelmäßig waren auch die Ass Fiddle Johnsons unterwegs durch alle badischen Regionalkulturen und haben die Hallen und Arenen der umliegenden -bachs, -heims, -hursts und –au‘s gefüllt und begeistert … die Europa- Tour ins elsässische Sturzelbronn …einmalig! Zahlreiche Geschichten aus dem aufregenden Tourleben, die Sänger Christian Hirth mit Abenteuern aus dem für Tour-Musiker so banalen Familienleben vermischt und fast gar nicht ironisch zwischen den Nummern einstreut.

Drum-Solo? Aber klar. Cathedral bietet bestens Gelegenheit für Marcus Otto Müller, das Publikum zur Pause Richtung Bar zu prügeln. Statt eines Gongs holt Ühlinger die Gäste mit ihrer Violine wieder in den Saal zurück, begleitet nur von Hans Peter Wowerath am Keyboard.

Schon lässt die Querflöte Shine On You Crazy Diamond einschweben, das dann in Originallänge von Klaus Hermann und Georg Wandler zwischen den beiden E-Gitarren genüsslich zerlegt wird. Dazu gesellt sich noch Schneider mit gleich zwei Saxophonen behängt, um sich auch noch ein paar Filetstücke zu schnappen … unbedingt das Highlight der Show.

Mit New York, New York gibt es eine swingende Überleitung in den Blues, der besetzungsmäßig eine gewisse Herausforderung darstellt: Für I’d Rather Go Blind muss Wandler die derzeit höchsten Gitarren-Sphären erklimmen, während sich Bassist Gerhard Kloé ganz locker in tiefste Grabeslaute singt, bei denen Beth Harts bunte Tattoos vor Neid ganz blass würden.

Danach: Hermanns Guitar Gently Weeps den Blues von der Bühne und auch das Publikum wird hinter die Bühne eingeladen zum VIP-Backstage-Paket mit reichlich Drinks – morgen früh ab 10 zum Aufräumen, angebrochene Flaschen sind sicher reichlich vorhanden … echtes Musiker-Leben eben.

Christian Hirth beherrscht die passenden Zwischentöne zwischen den Songs, seine wandlungsfähige Stimme gibt den Songs aber immer auch Authentizität, am überzeugendsten bei Purple Rain.

On The Turning Away – sicher der ungewöhnlichste Song in diesem Programm. Kommt aber überzeugend rüber mit seinem getragenen Sound der Gitarren und Woweraths Keyboards.

Richtung Ende kommen dann die Sing-alongs. Wandler greift zur Mandoline und bringt The Great Song Of indifference in Schwung. Rader Love hat noch jedes gesetzte Publikum von den Stühlen geholt, Helmut Hirth mutiert vom Gitarren-Akustiker zum Rocker am Mikro. Und mittendrin, trotz allem Trubel – Helmut Krumm an den Percussions bleibt die Ruhe selbst und hält die Truppe rhythmisch beieinander.

Dann gibt es kein Halten mehr –Sympathy For The Devil mit Mick und Keith im Hintergrund lachend schallt’s lange vor der Bühne noch: Woo woo, woo woo !

Kürzlich habe ich irgendwo von eine Studie gelesen, dass der Besuch eines Live-Konzertes das Leben um 9 Tage verlängert. Also: Support your local heroes! Keep the small stages!

Und ja, natürlich gibt’s auch hier noch einen Zugabe. Nach dem Boat On The River kommen wie versprochen noch die Leut von Ebberschde zu Wort. Der Eberbach ist zwar nicht ganz 500 Miles lang, aber in dem Proclaimers-Song lassen sich so ziemlich alle Haubenebersteiner Familien unterbringen und so nehmen wir noch ein kleines Stück Heimatkunde mit nach Hause.

© Jörg Neuner


Line-up | Ass Fiddle Johnsons & Friends

Christian Hirth  –  vocals

Klaus Hermann  –  guitar, vocals

Helmut Hirth   –   acoustic guitar, vocals

Georg Wandler  –   guitar, mandoline

Gerhard Kloé   –   bass, vocals

Helmut Krumm   –   percussion, vocals

Marcus Otto Müller  –  drums

Special guests

Hans Peter Wowerath  –  keyboard

Klaus Schneider  –  saxophon

Silvia Dinger  –   saxophone, flute

Mario Ströhm   –   trombone

Sven Buse    –    trumpet

Emi Ühlinger   –    fiddle

Isabelle Turibio  –   fiddle

Katharina Ganz  –  Cello


Setlist

Set 1

Got To Get You Into My Life – Stevie Wonder

Baker Street – Gerry Rafferty

Across The Universe – Beatles

Ride to Agadir – Mike Batt

A Whiter Shade Of Pale – Procul Harum

Cold Day In Hell – Gary Moore

Turn The Page – Bob Seger

Crystallize – Lindsay Sterling

Don’t Look Back in Anger – Oasis

Cathedral – Crosby, Stills & Nash

The Letter – The Box Tops

Set 2

Intro

Shine On You Crazy Diamond – Pink Floyd

New York, New York – Frank Sinatra

I’d Rather Go Blind – Joe Bonamassa & Beth Hart

While My Guitar Gently Weeps – Beatles

Great Song Of Indifference – Bob Geldof

On The Turning Away – Pink Floyd

Radar Love – Golden Earring

Purple Rain – Prince

Hajo – Gerhard Cloé

Sympathy For The Devil – Rolling Stones

Encore

Boat On The River – Styx

500 Miles (Eberbachlied) – The Proclaimers


Bildergalerie | Ass Fiddle Johnsons & Friends 


Konzertbericht mit Bildern © Jörg Neuner

NITROTRIGGER – Blues-Club Baden-Baden 2018 – Konzertbericht

Konzertbericht mit Konzertfotos.
NITROTRIGGER am 7. Dezember 2018 im Blues-Club Baden-Baden – Löwensaal.
“Kawumm!”


Baden-Baden (music-on-net) Den ersten Teil der Sprengung habe ich vorsichtshalber noch in Deckung verbracht und erscheine erst in der Pause zum zweiten Set. Der Blues-Club steht noch, aber auf der Bühne ist wohl einiges umeinander geflogen – das Drumset steht rechts vorne am Bühnenrand, als wäre es von der Detonation des Nitros aus dem Hintergrund nach vorne geschleudert worden und gerade noch vor dem Abgrund zum Halten gekommen. Das Sortiment Gitarren daneben steht allerdings recht geordnet im Rack und auch die zwei Mikro-Ständer mit reichlich Effektpedalen darunter sehen ganz akkurat platziert aus. Also freue ich mich einfach darauf, dass man mir den Schlagzeuger mal näher an die Linse gerückt hat.

Nitrotrigger aus der Pfalz ist ein neues Projekt mit bewährtem Fundament. Man könnte sagen, da ist wieder die Johnny Rieger Band mit neuem Bassisten. Schon 2013 hat hier Gitarrist Johnny Rieger mit Michael Jochum an den Drums aufgespielt. Heute neu dabei: Moritz Grenzmann am Bass.

Und vor allem: Kawumm !!

Vom melodischen Blues-Rock der alten Formation ist zumindest im zweiten Set nicht mehr viel übrig. Rieger haut jetzt deutlich heftiger in die Saiten, und auch seine Gitarren-Gymnastik erinnert an die glorreichen Tage, als sich die ersten Hardrock-Bands aus dem Blues herausarbeiteten. Und so arbeiten sich die drei Sprengmeister auch aus dem Einfluss ihres damaligen Produzenten Timo Gross heraus, der ihren Sound doch recht stark geprägt hatte.

Rieger und Jochum teilen sich den Großteil der vocals, mitunter auch zeilenweise wechselnd innerhalb der Songs. Beide machen dabei ordentlich Druck, das Schlagzeug hämmert die Lieder voran und kippt vielleicht doch noch ins Publikum. Der wummernde Bass ist in diesem Dreier-Set äußerst präsent und auch Grenzmann mischt beim Gesang sonor mit.

Alle Stücke sind eigenes Material. Die Band ist dabei, eine neue Richtung zu entwickeln und sie waren damit wohl auch schon weltweit unterwegs. Eine CD ist auch bereits im Kasten und wird Anfang nächsten Jahres erscheinen. Mal gespannt, wie sich das im Laufe der Zeit entwickelt, wenn die Jungs vielleicht von Zeit zu Zeit wieder mal im Löwensaal reinschauen.

© Jörg Neuner


Line-up:

Johnny Rieger  –  guitar, vocals

Michael Jochum  – drums, vocals

Moritz Grenzmann – bass, vocals


Website:

www.nitrotrigger.de


Setlist

Set 1

You Are Not The One

Firegirl

Anybody Out There

Secret

Say My Name

Tamble And Fall

Once

Erase You

Set 2

Home

More Or Less

Whatever / Stoner

Mayday

No Water

Be What You Want / Hippie

The Truth About 

Fucking Love You

Love And Freedom

Something of Everything

Encore

Blue On Black


Bildergalerie


Konzertbericht und Konzertfotos © Jörg Neuner

The Cashbags – The Johnny Cash Show – Bürgerhaus Bühl (2018) – Konzertbericht

Konzertbericht mit Konzertfotos.
The Cashbags mit ihrer Johnny Cash Show am 23. November 2018 im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl.
“Augen zu und … durch und durch Johnny Cash”


Bühl (music-on-net) – Die Johnny Cash Show war eine Fernseh-Show von 69 bis 71, übertragen aus der legendären Gran Ole Opry in Nashville, in der Cash als etablierter Country-Star den ein oder anderen Coup gelandet hat, um Newcomern den Weg ins Musik-Business zu ebnen.

The Cashbags sind keine Coverband, die bekannte Stücke in Eigeninterpretation nachspielt. The Johnny Cash Show presented by The Cashbags ist … ein Mini-Musical zum Gesamtwerk des unvergleichlichen Gespanns Johnny Cash/June Carter Cash. Kein aufgeblasenes Andrew Lloyd Webber-Gedöns, sondern ehrlich handgemacht und direkt, so wie die beiden nun mal waren. In der Pause treffe ich draußen auf einen, der 1981 das Konzert mit Johnny Cash, Carl Perkins und Jerry Lee Lewis in der Sporthalle Böblingen miterlebt hat. Er hat ein verklärtes Lächeln im Gesicht.

Nein, man muss die Augen nicht mal ganz zu machen. Vielleicht ein bisschen zusammenkneifen. Und aus blond ein bl…ack machen. Als hartgesottener Cash-Carter-Connaisseur sich dann noch klarmachen, dass die letzte ergreifende Erinnerung an die originale Voice-of-Cash die Stimme eines über 60-jährigen war.

Mit diesem Setting steigt man in eine Zeitmaschine, Zielgebiet 60ies. Über der leeren Bühne mit dazu passendem Hintergrund  ertönt die leicht scheppernde Ansage des Fernsehsprechers zur Johnny Cash Show. Die Band ohne Cash läuft ein und Carl Perkins rockt auf seiner großen halbakustischen Epiphone Blue Suede Shoes. Die Eröffnungsnummer erinnert an die Zeit in den 50ern, als der Rock’n‘Roll begann, auf einem Bein schwarzem Blues, auf einem Bein weißem Hillbilly und Elvis‘ wackelnden Hüften erste Schritte zu gehen.

In der zweiten Nummer macht Valeska Kunath schnell klar, dass ihre Stimme so schön druckvoll rüberkommt wie die von June Carter Cash.

„Hello, we’re the Cashbags!“ Frontman Robert Tyson steigt nach der obligatorischen Begrüßung gleich mit Folsom Prison Blues ein, um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass er die Rolle seines Kindheit-Idols absolut verinnerlicht hat. Mimik und Gestik, die Stimme am nächsten am Original in den tiefen Lagen. Dazu der typische Sound der Tennesse Three im Hintergrund–Brenny Brenner als Marshall Grant am Bass, Tobias Fuchs als W.S. Holland am Schlagzeug. Der stoische Stephan Ckoehler mit seiner Telecaster nimmt sich optisch ganz zurück–aber die Live-Show offenbart, dass die prägnanten Riffs der Klassiker von Lead-Gitarrist Luther Perkins‘ E-Gitarre beigesteuert werden.

Cash rollt das ganze Repertoire aus. Mit zwei Harps steuert er den Orange Blossom Special durch die Prärie. Augenrollen beim Cocaine Blues, die Gitarre im Anschlag nach vorne und zurück nach hinten, nach oben gerissen, um sie meistens auf dem Hals zu spielen. Die tragischen Geschichten wie Give My Love To Rose–Gänsehaut…

Dann kommt seine June dazu und der herrische Macho wird in Jackson herzlich verlacht. Die Duette sind ganz wie damals die Highlights der Show. Die beiden ziehen sich an, weisen sich ab, umtanzen sich, der Rock wirbelt um ihre Knie. Kunath hat die fröhlich-bestimmte Carter-Attitude, die ihren Johnny letztlich im Griff hat und ihm Halt gibt. Für ihre Solonummer Wildwood Flower liegt auch eine Autoharp bereit.

Der Chicka-Boom-Sound wird natürlich auch zelebriert. Eine kleine Session vor der Pause in der kleinen Ur-Besetzung der Tennessee Two. Grant mit Akustik-Bass, Luther Perkins und – noch kein Schlagzeug. Das improvisiert Cash mit einer Dollarnote unter den Saiten–die gedämpften Seiten verstärken den Rhythmus-Effekt der Akustik-Gitarre. So spielten sie 1956 die erste Nr. 1-Single I Walk The Line mit der B-Seite Get Rhythm ein.  Mit diesem ersten Höhepunkt der Karriere geht es in die Pause.

Im zweiten Set geht es mir mit den Kristofferson-Songs wie mit den Originalen: Sunday Mornin’ Coming Down und Me And Bobby McGee fehlt mir in den Cash-Versionen die Melancholie.

Dazwischen feuert Carl Perkins‘ Matchbox nochmal eine fetzige Rockabilly-Nummer. Josh Angus erweist sich ebenfalls als eine geniale Besetzung für diesen frühen Rock’n’Roller, auch vom Typ sehr nah am Vorbild.

Viele Tempiwechsel nach der Pause: Peace In The Valley und Open Road bremsen den Speed ein, den Hey Porter, Long-Legged Guitar-Pickin‘ Man vorgeben. A Boy Named Sue oder Five Feet High And Rising erzählen komische Geschichten. Weitere Signature-Songs: Ring Of Fire über Cashs dramatische Biographie, Man in Black beschreibt sein soziales Engagement–in diesen Songs kommt Tysons Stimme mit am besten rüber.

Als Zugabe kommen noch die Ghostriders In The Sky als Mitsing-Nummer, und mit It Ain’t Me Babe noch ein schmissiges Duett mit Carter. Nach ordentlich Standing Ovations greift das Publikum beschwingt nach den Jacken …Da kommt Tyson nochmal alleine zurück, setzt sich auf den Hocker. Hurt war der letzte Höhepunkt kurz vor Cashs Tod. Und gibt der Johnny Cash Show presented by The Cashbags den würdigen Schlusspunkt.

© Jörg Neuner


Line-up:

Robert Tyson – Johnny Cash – vocals, guitar

Valeska Kunath – June Carter Cash – vocals, autoharp

Josh Angus – Carl Perkins – guitar, vocals

 

The Tennessee Three

Stephan Ckoehler – Luther Perkins – guitar, vocals

Brenny Brenner – Marshall Grant – bass

Tobias Fuchs – W.S. Holland – drums

 

Setlist:

Set 1

Blue Suede Shoes

Losing You

Juke Box Blues

Folsom Prison Blues

Dark As A Dungeon

I Still Miss Someone

Cocaine Blues

25 Minutes To Go

Orange Blossom Special

The Long Black Veil

The Wall

Dirty Old Egg-Suckin’ Dog

Home Of The Blues

Give My Love To Rose

Jackson

I Got A Woman

I Got Stripes

Time’s A Wastin’

Get Rhythm!

I Walk The Line

Set 2

A Boy Named Sue

Sunday Morning Coming Down

Matchbox

Me And Bobby McGee

Wide Open Road

Peace In The Valley

The Outside Lookin’ In

Come Along And Ride This Train

Five Feet High And Rising

Pickin’ Time

Hey Porter

Darlin’ Companion

If I Were A Carpenter

Long-Legged Guitar-Pickin’ Man

Rig Of Fire

Man In Black

Wildwood Flower

Daddy Sang Bass

The Old Account Was Settled Long Ago

Medley: Folsom Prison Blues/I Walk The Line/Bonanza

Encore

Ghostriders In The Sky

It Ain’t Me Babe

Final

Hurt


Nächste Konzerte 2018:

7.12.        Grosses Haus Halberstadt, Halberstadt

8.12.       Tagungs- Und Kongresszentrum, Bad Sassendorf

9.12.       Stadthalle Kleve, Kleve


Bildergalerie:


 

SWEET BOURBON AND THE BOURBONETTES – Baden-Baden 2018 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Sweet Bourbon And The Bourbonettes am 20. Oktober 2018 im Blues-Club Baden-Baden
“New Blues Sound – Musik aus dem anderen Delta”


Der Blues-Club Baden-Baden startet in seine 20. Saison. Neuerdings hängen Konzertplakate aus diesen zwei Jahrzehnten an den Wänden des Löwens in Lichtental. Sie erzählen die Geschichte einer recht erfolgreichen Entwicklung. Noch unbekannte Bands aus den Anfangsjahren sind der kleinen Bühne treu geblieben, obwohl sie mittlerweile eigentlich vor größerem Publikum spielen.

Henrik Freischlader ist so einer, und er ist auch diese Saison wieder dabei. Andere große Namen sind hinzugekommen: Klaus Major Heuser von BAP. Hamburg Blues Band. Timo Gross spielt hier seine Live-Alben ein … die große Blues-Dame des Nordens Erja Lyytinen war da. Philip Fankhauser aus der Schweiz. Dänemark und Italien schicken immer wieder gerne Thorbjørn Risager und Vdelli …und auch der Ärmelkanal und der große Teich werden fleißig überquert, um den Blues ans Ufer der Oos zu bringen – Brian Auger orgelte hier. Hazmat Modine kamen letztens zum zweiten Mal aus New York. Popa Chubby traktierte seine alte Strat. Big Daddy Wilson zupft immer wieder auf seiner Zigarrenkiste und auch Larry Garner wird sich im März wieder mit Norman Beaker zur US-UK Blues Night treffen.

Heute kommt die Band quasi aus dem Delta … Sweet Bourbon, das riecht nach dicker, süßer Soße aus dem Süden – Bourbonettes klingt noch ein wenig süßer.  Es ist vielleicht nicht jedem so bewusst, aber auch Holland hat ein Delta. Ja, und Nijmwegen liegt kurz davor – da, wo der Rhein noch halbwegs beieinander ist. Der angekündigte New Blues Sound kommt also aus Holland.

Also, hört sich auf Spotify recht vielversprechend an – schräge Slide, fliegende Orgel, Stimme mit ordentlich Druck. Auf der Theke im Club liegen gar Band-eigene Bierdeckel – Ok, an alles gedacht. Auf der Bühne reckt links eine ansehnliche Sammlung Gitarren die Hälse in die Luft … Fender, Gibson, Ibanez, Yamaha. Sieht mal auch alles ganz ordentlich aus.

Chris Janssen eröffnet solo mit der blauen Strat und die Band läuft ein. Rene van Onna postiert sich am Mikro, flankiert von den beiden Bourbonettes Susan Wattimena und Laura van der Wange – ganz ungewohnt hier, so viele Leute ganz ohne Instrumente. Na, nicht ganz – van Onna schnappt sich zu Blue Wonder die akustische Yamaha.

VOR der Bühne finden sich gleich ein paar Tänzer. AUF der Bühne  kristallisieren sich recht schnell zwei Größen heraus. Bourbonette Wattimena zieht mit ihrer strahlenden Mimik und Gestik optisch den Focus auf sich – solange nicht Willem van der Schoof an der Hammond-Orgel alle Register zieht und die akustische Hoheit beansprucht.

Die Saiteninstrumente haben ein wenig die üblichen Rollen vertauscht. Janssen ist beinahe stoisch in seine  Gitarre vertieft, während der Bass von Roeland  van Laer ungewohnt agil bewegt wird.

Die Bandbreite der Lieder – überwiegend eigenes Material – reicht vom Blues über Soul bis zum Jazz. This Year’s Destination könnte auch von Manhattan Transfer kommen.

Rausragende Stücke für mich: Swan und I Don’t Care, für die Janssen zum Bottleneck-Spiel die Telecaster aus dem Regal holt – ansonsten sind die schönen Stücke nur Deko. Und Got To Say Goodbye To You, das ganz getragen beginnt. Dann gibt Ruben Ramirez an den Drums mit seinem vernehmlichsten Schlag des Abends das Feuer frei für eine weitere Power-Session der Orgel. Nacheinander richtet van der Schoof  sein furioses Spiel gegen alle auf der Bühne – die Nummer läuft gefühlte 15 Minuten – auch auf dem aktuellen Album Night Turned Into Day sind es fast acht.

Alles in allem: ein hörenswertes Album, das in der Live-Darbietung noch etwas Potential hat – so ganz intensiv ist der Funke nicht übergesprungen.

© Jörg Neuner


Bildergalerie | Sweet Bourbon And The Bourbonettes


Line up | Sweet Bourbon And The Bourbonettes

Rene van Onna – vocals, guitar

Chris Janssen – guitar

Roeland van Laer  – bass

Willem van der Schoof – Hammond organ, keyboard

Ruben Ramirez – drums

Suzan Wattimena – backing vocals

Laura van der Vange – backing vocals


Setlist |Sweet Bourbon And The Bourbonettes

Set 1

2nd Wall Street

To The Devil For A Dime

Lie No Better

Kicked Me Out

Texas Woman

This Year’s Destination

Blue Wonder

Swan

Cool Down

Set 2

20/20

On Top Of The World

Blinded

Stoop Down Baby

T For Texas

Got To Say Goodbye

Cut You loose

You Don’t Love Me

I Don’t Care

I Don’t Need No Doctor

Encore

2nd Wall Street


Nächstes Konzert | Sweet Bourbon And The Bourbonettes

11.10.19                     Troisdorfer Bluesclub, Troisdorf


Nächste Bands im Blues-Club Baden-Baden:

www.blues-club-baden-baden-de

10.11.18                   The Blue Poets, DE

7.12.18                     Nitro Trigger, DE

19.1.19                     Jimmy Cornett & The Deadmen, DE

9.2.19                      Meena & Chris Fillmore Band, AT

16.3.19                    Blues Night – Stompin’ Heat, DE
Larry Garner & Norman Beaker Band, US & UK

30.3.19                    The BluesBones, BE

13.4.19                    Henrik Freischlader Band, DE

11.5.19                     Delta Moon, US


Bericht und Bilder © Jörg Neuner

HAZMAT MODINE – Blues-Club Baden-Baden 2018 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Hazmat Modine am 26. Mai 2018 im Blues-Club Baden-Baden
“Baden-Baden, New York, New York”


Baden-Baden (music-on-net) Eine renommierte New Yorker Band im Vorprogramm einer lokalen Cover-Combo? Alles eine Frage der Prioritäten:

Bereits vor drei Jahren waren Hazmat Modine hier auf der Bühne. Ich hatte nur das Plakat gesehen mit 7 Musikern samt diesem Tuba-Teil und mir war klar, dass man diese Truppe um Wade Schuman unbedingt gehört und auch gesehen haben muss. Irgendwas war damals wichtiger. Als ich die Band im aktuellen Programm des Blues-Clubs Baden-Baden wiederentdecke, habe ich mir den Termin in den Kalender zementiert, komme was wolle.

Es kamen: eine spontane Einladung zu einem runden Geburtstag an einem Traum-Sommerabend und ein Champions-League Finale. Der Fußball ist mir wurscht, und der Jubilar wird auch nach dem Konzert noch eine Wurscht und ein Bier für mich haben … die lokale Band spielt dann sicher auch noch.

Also mische ich mich unter die halbwegs zahlreichen Nicht-Fußballer, die mit den gleichen Prioritäten den Weg in den Löwensaal gefunden haben. Darunter offensichtliche Prioritäten-Profis, wie eine Hochzeits-Gesellschaft samt Braut in Weiß sowie ein 60. Geburtstag.

Wie schon auf dem Plakat erahnt, bietet der Abend vielfältige Kost, die vom üblichen Blues-Club Programm deutlich abweicht – soweit man das sagen kann, denn das Spektrum des Clubs ist schon recht weit gespannt. Vor allem aber lässt sich das Ganze nicht wirklich beschreiben.

Optisch wird die Mixtur dominiert vom John Daleys Sousaphon; das Blechmonster dürfte als Vater ein übergewichtiges Jagdhorn und als Mutter eine Tuba gehabt haben. Zuständig ganz unterschwellig für den Bass. Das unsichtbarste Instrument – Wade Schumans Mundharmonika – spielt dagegen mit Hilfe umfangreicher Effektpedale … jetzt versuche ich doch, das Unbeschreibliche zu beschreiben und werde gleich in den Wald kommen damit. Zumal die Hazmat Modine-Besetzung nicht wirklich starr ist und immer wieder Musiker aller möglichen Stilrichtungen zusammenbringt. Auf dem ewigen Line-up der Homepage finden sich wohl sämtliche Instrumente, die jemals auf diesem Erdball aus Holz geschnitzt oder Blech gedengelt worden sind.

Hazmat Modine – Blues-Club Baden-Baden 2018 © Joerg Neuner

Bildergalerie Hazmat Modine

Ist für diesen Abend auch völlig egal, weil viel zu kopfmäßig. Der Bauch reagiert ganz spontan auf diesen überkochenden New Yorker Schmelztiegel aller Genres, die sich gar nicht so wirklich verorten lassen wollen – und brauchen. Schon im ersten Set wird in den ersten Reihen kräftig gezuckt, am Ende tobt der Club wie schon lange nicht mehr.

Denn da kommt mal ein saftiges Stück gut abgehangener Blues daher – Schumans musikalischem Grundrezept – und das Sousaphon legt ordentlich dunkle würzige Soße darunter … dann kommt von Pam Fleming und Steve Elson an Trompete und Sax eine frische Beilage mit jazzigem Topping dazu. Co-Writer Erik Della Penna serviert eine Scheibe Santana auf der Gitarre und ebnet den Weg in Richtung Calypso-Seafood. Dann wechselt er zur 6-seitigen Banjitar für eine Hillbilly-Nummer, die sich ganz auf den Bluegrass reduziert, … bis wieder die Bläser einen großen Löffel Jambalaya drüberhauen gefolgt von einem Nachtisch aus schrägem Klezmer-Geschrammel. Ein Filetstück des American Songbook bekommt ein würziges Balkan-Dressing, verfeinert mit einem kräftigem Blues-Yodel… Die Speisekarte ist reichhaltig.

Schuman beugt sich schreiend übers Mikro, kniet vor dem Sousaphon; sitzt auf seinem Stuhl, die Fiddle dirigierend, und steht im nächsten Moment darauf im Kampf gegen das Saxophon. Das Sousaphon gurrt wie eine Taube, die Schumans Adlerschrei erschrocken vom Himmel fallen lässt. Patrick Simar vertont am Schlagzeug einen frechen Dachs, der sich immer wieder unerwischt davon stiehlt … die Geschichte eines Stücks befasst sich mit der Perspektive eines ausgestopften Tieres, das in New York gerne mal an die Stoßstange eines LKW gezurrt wird… apropos New York: Schuman stellt amüsiert fest, dass unser vermeintlich verdoppeltes Baden-Baden grad eben dem New York, NY entspricht.

Schräge Geschichten, charismatisch artikuliert von Schuman, der mitunter ganz nahe an Tom Waits herankrächzt; begleitet von Charlie Burnhams Streichen, Zupfen und Schlagen auf der elektrischen Geige; warme Untermalung, wenn Steve Elson vom Saxophon zur Klarinette wechselt; ausgerechnet mit der Flöte wird es dann richtig rockig, wenn Schuman eben mal Richtung Jethro Tull abbiegt.

Vor dem akustischen Auge erscheinen New Yorker Straßenschluchten, Pariser Cafés, orientalische Bazare oder karibische Strände. Trotzdem fühlt man sich bei aller Exotik nicht völlig überfordert, da sich alles klanglich nicht allzu weit außerhalb der Komfortzone von Blues-Rock-Jazz-Latin-Hörern abspielt. Alles in allem eine mitreißende Tour durch die Genres, die Appetit auf Musik jenseits des Tellerrandes macht. Die Prioritäten für den Abend waren richtig gesetzt.

Und ja, ich habe auf dem Geburtstag noch ein Bier bekommen und auch die Band hat noch gespielt.

© Jörg Neuner


Nächste Konzerte 2018 von Hazmat Modine:

3.6. Fabrik, Pfullendorf
5.6. Treibhaus, Innsbruck (AT)
6.6. Fabrik, Hamburg
7.6. Lutterbecker, Lutterbeck, Kiel
8.6. Music Hall, Worpswede
9.6. Audimax, Hildesheim
10.6. Jazzclub Tonne, Dresden
14.6. Kino Traumstern, Lich
16.6. Glockengiesserei, Saarburg
17.6. St. Katharina Open Air, Nürnberg
19.6. Stadttheater, Landsberg/Lech


Line-up Hazmat Modine

Wade Schuman – vocals, diatonic harmonica, guitar, flute

Eric Della Penna – guitar, banjitar, vocals

Joseph Daley – sousaphone

Pamela Fleming – trumpet

Steve Elson – saxophone, clarinette

Charles Burnham – electric violin

Patrick Simard – drums


Setlist

Set 1

Be There

Your Sister

Plans

So Far So Good

Lonely Man

To Fat To Fly

Doctor’s Wife

Hoarder

Dark River

Delivery Man

Set 2

Box of Breath

In Our Home

Ain’t Going That Way

Whiskey Bird

Get Get Out

Moving Stones

End Of Sweet Dreams

Crust Of Bread

Encore

Everybody Loves You

Bahamut


now the english version – translated by Jörg Neuner:

Hazmat Modine - Blues-Club Baden-Baden 2018 © Joerg Neuner
Hazmat Modine – Blues-Club Baden-Baden 2018 © Joerg Neuner

Baden-Baden – New York, New York


A renowned New York band opening for a local cover combo? Just a matter of priorities:

Hazmat Modine played this stage already three years ago. I just saw the poster of seven musicians including this tuba thing and I instantly realized I got to see and hear this troupe around Wade Schuman. Something more important came up these days. When I discovered the band announced again in the current program of the Blues Club  Baden-Baden I nailed down that date in my agenda, come what may.

It came: a really spontaneous 60th anniversary and a champion’s league final in football. I really don‘t care about football and the other guy at the age of 60 might be caring for me even later that night … the local combo might be fueled enough to be still playing then as well.

So I merge with the not so mighty crowd of non-footballers, sharing the same priorities to gather at the Löwensaal of Baden-Baden. Obviously amongst some priority pros such as a complete wedding ensemble–including the bride in white–and another 60ies birthday boy.

As the poster indicated, tonight‘s menu offers a wide variety which differs significantly from the Blues Club‘s standards–as far as there is a standard within the club‘s wide range of blues.

You will get in trouble trying to describe what happens on that stage. It is dominated by John Daley‘s Sousaphone, optically that is–the metal monster‘s father must have been an overweight hunting horn and a tuba serving as mother; responsible for barely audible bass lines. The most invisible instrument–Wade Schuman‘s Harmonica–rules the acoustic by help of certain effect pedals … and I‘m just about to get in trouble now, describing. Anyway, Hazmat Modine a cloud of musicians of all kind of genres. The eternal line-up on the homepage features surely every instrument on earth that has ever been carved in wood or tinkered of sheet metal.

But that doesn‘t matter this night, that‘s all heads. This over-boiling New York melting pot of all genres is all guts and doesn’t need any labels. The first set already gets everybody moving and at the end the club is rocking like I haven‘t seen for quite a while.

Here comes a juicy slab of well matured blues–Schuman‘s basic musical recipe–and the sousaphone accompanies dark gravy … whereas Pam Fleming‘s trumpet and Steve Elson‘s sax contribute some jazzy side dishes. Next co- writer Erik Della Penna serves a slice of Santana on the guitar and guides the direction to fresh calypso seafood. Then he changes to his six string Banjitar to roast a piece of hillbilly à la bluegrass, coming along a big portion of Jambalaya out of the horns. For desert the whole band strums into some queer klezmer. A filet of Great American Songbook seasoned with a hot blues yodel gets a spicy Puszta dressing.

The menu is rich and served devotedly. Schuman bends over the mic and even screams into his harp … then knees in front of the mighty sousaphone … sits relaxed on a chair and directs the fiddle … standing on it the next moment to fight the saxophone …the sousaphone coos like a pigeon that drops from midair by Schuman‘s scream of an eagle …

Like the sommelier describes the corresponding wines the stories of the songs are given in-between.

Here‘s the barefaced badger who always steals away–told by the empathically tapping drums of Patrick Simar. There‘s the stuffed animal they like to put on the front bumper of New York trucks. Apropos New York … Schuman amusedly states that our city’s double name Baden-Baden is just similar to New York, NY. Schräg

Odd stories, charismatically articulated by Schuman with a Tom Waits caw, accompanied by Charlie  Burnham’s picking and drumming on his electric violin; a warm underlining when Steve Elson changes from sax to clarinet; the most unsuspicious instrument goes rocking–Schuman‘s piccolo flute takes a turn to direction Jethro Tull.

The acoustic eye faces New York urban canyons, Paris board walk cafés, oriental bazars and Caribbean beaches. This exotic cocktail is not stressing though–the overall sound stays mostly within the musical comfort zone of the ambitioned blues-rock-jazz-latin auditorium. Overall an intoxicating ride through all genres appetizing for music outside the box. Finally Schuman had to promise to one guest to be right back next year.

And yes, the local band at the birthday party had not yet played the encore and still some beer was left. The priorities for that night were well adjusted.

© Jörg Neuner


Line-up

 

Wade Schuman – vocals, diatonic harmonica, guitar, flute

Eric Della Penna – guitar, banjitar, vocals

Joseph Daley – sousaphone

Pamela Fleming – trumpet

Steve Elson – saxophone, clarinette

Charles Burnham – electric violin

Patrick Simard – drums


Setlist

 

Set 1

Be There

Your Sister

Plans

So Far So Good

Lonely Man

To Fat To Fly

Doctor’s Wife

Hoarder

Dark River

Delivery Man

 

Set 2

Box of Breath

In Our Home

Ain’t Going That Way

Whiskey Bird

Get Get Out

Moving Stones

End Of Sweet Dreams

Crust Of Bread

 

Encore

Everybody Loves You

Bahamut

Bluegrass Festival Bühl 2018 – Pert Near Sandstone – Murder Murder – Review

Konzertbericht und Konzertfotos.
Bluegrass Festival Bühl 2018
Tag 1 – Josef Oechsle, Lagerhalle – 11.5.2018
Künstler: Pert Near Sandstone und Murder Murder
“Das Banjo war‘s”


Bluegrass für Dummies: Die komplette Mannschaft zupft äußerst virtuos an akustischen Saiten, ziemlich alle können singen, meist reicht ein Mikro – und das Banjo spielt immer der schräge Vogel.

Etwas umfassendere Genrebeschreibung: ländlicher Musikstil aus dem Südosten der USA, basierend auf den Einflüssen europäischer Einwanderer von Polka bis Klezmer. Regionaltypisch strenge Sittenkontrolle in Bezug auf Outfit, Attitude und stimmliche Ausprägung.

Aber auch: unterschwelliger bis unbändiger Humor, das Ganze etwas auf die Schippe zu nehmen oder einfach nur Spaß auf der Bühne zu haben. Sowie: Schmelztiegel für Musiker aller Gattungen, die sich mal wieder auf das Wesentliche besinnen wollen.

Bluegrass Festival Bühl: badische, 2-tägige Institution zur Rückführung obiger Musikrichtung in deren Ur-Ursprungsregion (Europa) in zweiter Generation und 16. Auflage. Mit besonderen Verdiensten für die nachhaltige Umgehung besagter Sittenkontrolle zwecks Erhaltung des Genres.

Noch stärker als letztes Jahr ist heute bei der Auftaktveranstaltung in der Werkstatthalle von Josef Oechsle Landmaschinen eine Verjüngung des Publikums von gefühlt anderthalb Generationen zu verspüren (s. auch Erhaltung des Genres). Dieses Jahr steht die Auftaktveranstaltung ganz im Zeichen der schrägen Vögel mit dem Banjo. Kleine Steigerung zu 2017: Beide Bands schon des Eröffnungsabends kommen über den Teich angereist. Auch im Publikum tummelt sich ein Grüppchen begeisterter Amis.

Pert Near Sandstone

Pert Near Sandstone – Bluegrass Festival Buehl 2018 © Joerg Neuner

Bldergalerie Pert Near Sandstone

Der Bandname Pert Near Sandstone bedeutet Ziemlich nah an Sandstone und besagt, dass Ihre Heimatstadt, die unbedeutende Metropole Minneapolis, nicht weit weg liegt von Sandstone, einem Minikaff ein Stück weiter nördlich … Bluegrass-Humor.

Hier im Mittelwesten haben sie jedenfalls genug Distanz zum Bluegrass-Geburtsstaat Kentucky, um einen artfremden Clogboard-Dancer den Rhythmus stampfen zu lassen. Die Stahlplatten an Matt Cartiers Schuhen bringen das hohle Holzbrett sofort in Wallung und schieben den Eröffnungssong gleich ordentlich an. Drei bis vier Sänger scharen sich um das einzige Mikro und shouten was das Zeug hält. J Lenz mit der Gitarre; Nat Sipe muss in dem Gedränge aufpassen, dass er mit dem Geigenbogen kein Auge aussticht; Justin Bruhn schleppt seinen upright Bass immer wieder von hinten nach vorne; dazwischen schielt Kevin Kniebel mit irrem Blick von einem zum anderen – er bräuchte nicht wirklich eine NASA-Cap, um der Welt etwas entrückt zu erscheinen.

Auf der Bühne ist Kniebel aber ein Mittelpunkt, steht immer wieder am Mikro, auch als Leadsänger. Und sein Banjo ist die treibende Kraft – außer natürlich, wenn sich Cartier auf dem Clogboard mal wieder überschlägt. Bei Appalachian Girl wird der dann mal in die Pause geschickt, die Gemüter kühlen etwas ab. Danach gibt es aber sofort weiter Partystimmung, bis zur Zugabe mit 20 Cups of Coffee hüpft das Publikum mit Cartier um die Wette und würde das wohl auch noch All Night Long machen.

Doch jetzt ist erstmal Pause, das Konzert-Konzept der offenen Halle wurde weiter verfeinert und die Flammkuchen mussten dieses Jahr einem stilgerechteren Burger-Foodtruck weichen. Das Wetter spielt übrigens wieder mit und auch während der Auftritte ist draußen am Bierstand reges Treiben. Das Ganze bekommt mehr und mehr Open-Air-Charakter.

Schon vor Beginn des zweiten Teils bestätigt sich die Furcht der Traditionalisten vor der rot-weißen Ahorn-Flagge. Auf der Bühne steht – ein Koffer. Kein Gitarren-, Banjo- oder Mandolinenkoffer, nein ein … kleiner Koffer – hochkant. Wäre allenfalls verwunderlich, wenn nicht darüber ein High-hat hinge und unter dem Shirt daneben etwas versteckt eine Snare-drum stünde. Vor dem Koffer ein Betonblock, dahinter ein Fußpedal. Die Kanadier haben wieder mal ein Schlagwerk eingeschleppt – mies getarnt noch dazu. Nicht so dezent wie einst 2012 die Quebec-Girls von My Darling mit Ihrem elektronischen Bass-pedal, als man sich noch gewundert hat, wo der kräftige Beat bloß herkommt. Aber seit The Dead South aus Ontario die letzten beiden Jahre mit ihrer kleinen gehörnten Bass-drum so richtig Stimmung gemacht haben, sind die Trommeln mehr oder weniger salonfähig geworden.

Murder Murder

Murder Murder – Bluesgrass Festival Buehl 2018 © Joerg Neuner

Bildergalerie Murder Murder

Festival-Mastermind Patrick Fuchs hat es bereits in seiner zweiten Auflage seit Übernahme vom Vater tatsächlich geschafft, sofort noch eine kräftige Schippe drauf zu legen. Die Jungs von Murder Murder kommen aus dem Norden Ontarios, der offensichtlich weniger tot ist als der Süden. Dabei ist der Tod ihr zentrales Thema. Die Jungs sind so begeistert von Räuberpistolen, dass der Name Programm ist – also umgekehrt. Alle Schauergeschichten sind rund um ihre Heimat angesiedelt.

Trotz des morbiden Themas, geht es hier um das Voranbringen von Traditionen. Muss ja kein totaler Bruch sein – nur ein bisschen Staub wegblasen. Die Kanadier wollen das dann auch nicht unbedingt als Bluegrass verstanden wissen, der ist mehr Inspiration. Sie nennen es Bloodgrass, Dirtgrass, Streetgrass…

Und um die Antwort auf die uralte Frage – Gärtner oder Butler – gleich vorweg zu nehmen: das Banjo war‘s. Wie bei Pert Near davor sticht der Mann am Banjo unter drei starken Sängern am stärksten hervor. Barry Miles ist so eine Mischung aus coolem Kevin Costner, der am Mikro mit durchdringender Falsett-Stimme und Turbo-Banjo-Picking zu einem irren Catweazle mutiert. Sam Cassio und Jon Danyliw geben mehr die dunklen und geheimnisvollen Sangesparts und wechseln sich alle paar Songs mit Mandoline und Gitarre ab – um das Publikum in die Irre zu führen?

Überwiegend ist aber Soundgewitter angesagt. Auch wenn Geoff McCausland mit der Geige mal fast klassische Geigentöne einstreicht, im nächsten Moment knallt Steph Duchesne einen Rahmenschlag auf die Snare, die drei anderen springen irgendwo auf der Bühne zusammen und über Hardrock-Riffs sind wir fast beim Punk.

Natürlich ist es vor allem der trockene Schlag auf den Koffer, der für Tempo sorgt. Die Dramatik kommt aber immer wieder vom durchdringenden Rhythmus des Banjos, das auch mal den Geiger in die Knie zwingt, dazu Miles‘ rollende Augen und schnarrende Stimme – deren Text man nicht immer versteht. Aber die Dramatik lässt keinen Zweifel daran, dass am Ende wieder einer verschwunden ist oder zumindest tot am Boden liegt.

Wobei … wenn Danyliw so an seiner Gitarre oder Mandoline rumzupfend schräg unter dem Hut vorlugt, weiß er sicher auch mehr, als er dem Mikro anvertraut.

Und … hat eigentlich jemand den Bassisten bemerkt? Kann jemand so unschuldig sein, wie Kris Dickson, der da hinten so gaaanz unbeteiligt an seinem Bass rumsteht?

Grandiose Show schon am ersten Abend des Festivals. Leider verpasse ich die Top Acts am Samstag. Nochmal zwei große Namen aus den USA, die zwei Generationen auf der Bühne zusammen bringen: Peter Rowan hat noch bei Altvater Bill Monroe gelernt, Jungstar Sierra Hull entlockt der Mandoline gänzlich neue, preisgekrönte Töne.

Man darf gespannt sein auf 2019!

© Jörg Neuner


Line-up – Pert Near Sandstone

Nat Sipe – mandolin, fiddle, vocals
Kevin Kniebel – banjo, vocals
J Lenz – guitar, vocals
Justin Bruhn – upright bass, vocals
Matt Cartier – clogboard

Setlist – Pert Near Sandstone

Paradise Hop
Okanagan Valley
Skillet
Wild Bill Jones
Animal Instinct
Bloom Again
Appalachian Girl
Bay Road
Uncover Me
Rattlesnake
Not Fault
Hell I Pan
Don’t Get Trouble
Ship of Fools
Shape I’m In
The Square

Encore

20 Cups Of Coffee
All Night Long

Nächste Termine:

27. Mai Sohren, Full Pull Festival


Line-Up – Murder Murder

Barry Miles – Vocals, Banjo
Jon Danyliw – Vocals, Guitar, Mandolin
Sam Cassio – Vocals, Guitar, Mandolin
Geoff McCausland – Fiddle
Kris Dickson – Upright Bass
Steph Duchesne – Percussion

Setlist – Murder Murder

Cypress
Jon And Mary
Duck Cove
The Last Daughter
Evil Wind
Half Hitch Knot
Bridge County, ‘41
Abilene
I’ve Always been A Gambler
Sharecropper’s Son
Movin’ On
Where The Water Runs Black
Cold Bartender’s Wife
When The Lord Calls Your Name
Pale Rider

Nächste Termine:

20. Mai Gaildorf, Carty Bar
21. Mai Moers Festival


Marc Marshall & All Stars Band – Mr. M’s Jazz Club Baden-Baden 2018 – Concert – Review

Konzertbericht und Konzertfotos.
Marc Marshall & All Stars Band.
Mr. M’s Jazz Club, Kurhaus, Baden-Baden, 8.-10.3.2018.
hier: 09.03.2018

Marc Marshall und die All Stars Band nebst dem einen oder anderen Gast


Baden-Baden (music-on-net) Was sie denn in Baden-Baden so treiben würden, wird Marc Marshall gerne mal gefragt, wenn er in der Weltgeschichte unterwegs ist.

„Wir feiern die Leidenschaft zur Musik.“ antwortet er dann.

Er muss es wissen, denn er hat einen wesentlichen Anteil daran. Alljährlich im März feiert er drei Abende lang die Leidenschaft für den Jazz nebst dem einen oder anderen Genre in seinem – Mr. M’s – Jazz Club. Im altehrwürdigen Kurhaus wird der Benazet-Saal nicht auf den Kopf gestellt, aber immerhin umgedreht. Nicht die große Bühne wird bespielt, sondern ein kleines intimes Wohnzimmer am anderen Ende des Saales. Auf zwei Sofas tummelt sich Mr. M’s mit seinen Musiker-Gästen, umringt von der All-Star-Band und auf Augenhöhe mit dem Publikum. Man plauscht Champagner-schlürfend miteinander und begibt sich in wechselnden Formationen an die Mikrofone und Instrumente.

Die Musiker genießen das offensichtlich, denn es gibt reichlich Wiederholungstäter auf der Setlist. Und dem Publikum gefällt es wohl auch ­– drei Tage hintereinander den Saal zu füllen, spricht für sich. Lediglich der Gastgeber sieht sich überfordert und bittet in seiner Eröffnungsnummer inständig schmachtend und rockend alle Anwesenden um Unterstützung mit Help Me Make It Through The Night – und stellt sich mit dem Country-Klassiker von Alt-Haudegen Kris Kristofferson ganz in die Tradition von Montreux; auch dort schaffen es schließlich völlig jazz-unverdächtige Acts wie ZZ-Top auf die Bühne.

Die andere – und eigentliche – Tradition der hier gefolgt wird, ist die des Jazz und Blues in Baden-Baden. Auch bei der nunmehr elften Auflage des kleinen Festivals wird der Joachim-Ernst-Berendt-Preis verliehen, um an die Ursprünge dieser Stilrichtungen in Europa anzuknüpfen. In Gedenken an den Baden-Badener Initiator der ersten Jazz und Blues-Konzerte in Deutschland wird dieser Preis an zeitgenössische  internationale Musiker verliehen – in diesem Jahr an Helge Schneider. Der fragte sich am Vorabend, ob die vom Künstler Markus Lüpertz gestaltete Trophäe denn nun aus Bronze oder Knetgummi gestaltet sei.

Der erste Gast dieses zweiten Abends ist der schwedische Saxophonist und Flötist Magnus Lindgren – weder verwandt noch verschwägert mit Pippi Langstrumpf. Oder vielleicht doch ein bisschen, denn er macht sich die Querflöte, wie sie ihm gefällt. Er ignoriert gleich mal völlig die eher klassische Prägung dieses Instruments, hantiert damit wie mit einer E-Gitarre und produziert reichlich untypische  gutturale und rockige Tone. Außerdem eignet sich der lange Stab bestens, um alle All-Star-Band-Mitglieder durch ihre Soli zu dirigieren. Hinterher erklärt er Mr. M. auf Deutsch, dass dieser Titel Message From Kaknäs  inspiriert wurde vom Blinksignal des Fernsehturms von Stockholm, das einfach einen unglaublichen Groove hat.

Torsten Goods braucht man hier eigentlich nicht mehr vorzustellen, er weiß selber nicht mehr genau, ob er nun zum fünften oder sechsten Mal seine grüne Jazz-Gitarre auf die Bühne trägt. Er ist immer wieder good für soulig gefühlvolle Stücke wie Sommer Lovin‘, kann aber auch kräftigst in die Saiten hauen und beatboxen.

Die Dame des Abends war auch schon mal da, allerdings ursprünglich im Publikum – wurde aber ausgespäht und auf die Bühne zitiert. Da machte Marialy Pacheco dann eine gute Figur und hat heute direkt einen Sofaplatz ergattert – beziehungsweise auf dem Pianohocker. Die zierliche Kubanerin wirbelt wild über die Tasten, wobei zwischendrin deutlich Töne Ihrer klassischen Ausbildung durchkommen.

Cosmo Klein ist der Exot im heutigen Sortiment. Unterwegs zwischen Rock, Pop, House und zuhause in internationalen Dance-Charts mit zahlreichen Projekten mit verschiedensten Künstlern. Mit lässig offenen Boots stiefelt er auf die Bühne und verkörpert leibhaftig den Troubleman – steigt auf einen gerade leeren Stuhl in der ersten Reihe und feuert das Publikum  zum Mitsingen an. Immer wieder erstaunlich, wie sich die Baden-Badener spontan begeistern lassen, wenn da einer kommt, der das überzeugend rüberbringt.

Mit typischer Mr. M-Dynamik kann es gleich danach wieder ganz sanft und melodisch werden mit Lindgrens Saxophon und Goods Gitarre und dann wieder überquellende kubanische Pacheco-Lebensfreude am Piano. Ein Highlight ist das Herbie-Mann-Medley von Lindgren: Die Querflöte explodiert förmlich, wird mit zusätzlichen Kehlkopflauten und überlagerten Loops fast zum Didgeridoo – und der Schwede windet sich um sein Instrument wie um eine Reckstange.

Das Bass Face Trio ist der Überraschungsgast – aber heute Abend nur ein Duett. Die beiden Musiker, die seit Jahren vor und nach dem eigentlichen Programm die Gäste an Flügel und Bass die Gäste unterhalten, werden heute erstmalig auf die Bühne gebracht. Und dürfen sich auch mal einen richtigen Applaus abholen.

Schöne Geschichten zur Musik gibt es auch: Goods kann zu Have I Told You Lately That I Love You berichten, dass seine Mutter die gleiche Schule in Irland besucht hat wie Van Morrisson, der es geschrieben hat. Und Pachecos Metro erzählt von der Geschichte der U-Bahn in Havanna, die Castro nie gebaut hat. Sie hat es mit 18 Jahren geschrieben, als sie immer frustriert auf den überfüllten Bus warten musste, und es verändert sich seitdem beständig, je nachdem, mit wem sie es spielt – heute ist das Simon Oslender an der Orgel. Ihr Piano hämmert den hektischen Verkehr in den Saal, die Orgel schwebt unbeeindruckt darüber hinweg oder schlängelt sich darunter hindurch.

Gegen Ende wird es dann wie gewöhnlich nochmal schneller und lauter und die Bühnen-Sofas immer leerer. Marshall und Goods vergreifen sich an U2’s When Love Comes To Town, wozu sich dann Bruno Müller zum Gitarren-Duell stellt. Mit Klein an der Spitze gipfelt der Abend im funkig-fetzigen Let’s Work von Prince. Mit der letzten Zugabe bedankt sich Marshall schließlich artig bei allen, die ihm durch die Nacht geholfen mit You’ve Got A Friend.

© Jörg Neuner


Tour-Daten 2018/2019

20.09.2018              Mr. M’s Vocal Jazz Club on tour, Augsburg, Kurhaus
14.-16.03.2019        Mr. M’s Jazz-Club, Baden-Baden, Kurhaus


Line up

Marc Marshall – vocals
Magnus Lindgren – flute, saxophone
Torsten Goods – vocals, guitar
Marialy Pacheco – piano
Cosmo Klein – vocals

All Stars Band

Simon Oslender – hammond organ, keyboards
Bruno H. M. Müller – guitar
Marty Klein – piano, keyboard
Michael Pauker – bass
Matse Meusel – drums
Frank Lauber – saxophon, arrangements


Setlist

MARC MARSHALL AND THE ALL STARS BAND – MR. M – JAZZ-CLUB BADEN_BADEN 2018 © JOERG NEUNER


Konzertbilder | Marc Marshall And The All Stars Band 2018




AYNSLEY LISTER – Blues-Club Baden-Baden 2018 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
AYNSLEY LISTER im Blues-Club Baden-Baden am 24.02.2018.
Eyes Wide Open Tour – totally plugged … and not seated.


Baden-Baden (music-on-net) –  Die Band wird heute nicht von Blues-Club Chef Klaus angekündigt, sondern von Andrea. Denn das ist ihr persönlicher Moment heute. 2005 ging sie zum ersten Mal in den Blues-Club. Aynsley Lister war damals auch zum ersten Mal dort. Andrea wusste vorher gar nicht, dass Blues ihr gefällt – und dass er ihr sehr laut gefällt. Lister ist heute zum wiederholten Mal hier und er spielt immer noch sehr laut. Andrea ist jetzt 2. Vorsitzende des Clubs.

Das ist doch eine wunderbare Geschichte, und so erwartet den gut gefüllten Löwensaal in Baden-Baden auch ein wunderbares Konzert. Mit voll eingestöpselter Gitarre und ohne Stuhl – kein Gipsbein wie 2015.  Dafür hat er zwei neue Nominierungen der British Blues Awards 2016 im Gepäck – für Best Male Vocalist und Best Guitarist – sowie sein mittlerweile zwölftes Studio-Album Eyes Wide Open.

Eigentlich hat er ja keine gar so bluesige Stimme, eher weich und hell. Die Studioversionen kommen dadurch sehr gefühlvoll rüber – und für laut reicht es auch; schwach klingt er keinesfalls. Auch auf der Bühne gibt es immer wieder ruhigere Momente, aber hier dominieren doch die rockigeren Stücke – oder die Live-Fassung hat deutlich mehr Dynamik und Speed als im Studio. Dabei sind die ausgedehnten Soli ausgefeilt und melodisch. Eine zweite Gitarre braucht es auf hier wirklich gar nicht, der Rhythmus kommt knackig und treibend von Steve Amadeo am Bass und Boneto Dryden an den Drums. Die Gäste vor der Bühne nehmen es dankbar tanzend auf.

Mit Andrew Price an den Keyboards spielt er sich immer wieder die Töne hin und her. Im Zusammenspiel hat es sogar mal einen Touch von Pink Floyd. Gary Moore kommt mir an anderer Stelle mal in den Sinn, wo das Solo durch wogende melodische Klanglandschaften wandert.

Immer wieder toll finde ich, wenn zwischen erfolgreichen neuen Nummern auch Stücke aus der Anfangszeit Bestand haben. Soundman von 1997 wird als einer der ersten selbstgeschriebenen Songs angekündigt und rockt ordentlich gegen das aktuelle Album an. Gegen Ende des leider recht kurzen Konzerts wird dann auch mal zum Anfangsriff von Summer of 69 gegriffen, um eine besonders krachende Nummer einzuleiten.  Und ganz am Schluss kommt wieder seine wunderbar gefühlvoll  abgestrippte Blues-Version von Purple Rain –  die darf er bitte gerne jedes Mal mitbringen!

© Jörg Neuner


Nächste Konzert-Termine von Aynsley Lister:

28.02.2018          Topos, Leverkusen

01.03.2018          Barnaby’s Blues Bar, Braunschweig

02.03.2018          Blues, Rhede

03.03. 2018         Ducsaal, Freudenburg


Line up:

Aynsley Lister – guitar, vocals
Steve Amadeo  – bass
Andrew Price – keyboard
Boneto Dryden – drums



weitere Konzertfotos auf music-on-net.photography

SHAWN HOLT AND THE TEARDROPS – Blues-Club Baden-Baden 2018 – Konzertbericht


Konzertbericht und Konzertfotos.
SHAWN HOLT AN THE TEAROPS im Blues-Club Baden-Baden am 20.01.2018.
Sweet Home Chicago.


Baden-Baden (music-on-net) – Baden-Baden hat mit der Windy-City am Michigansee nicht so wirklich viel gemein. An diesem Samstagabend fühlt man sich aber wirklich in einen kleinen Club im Süden oder Westen Chicagos versetzt. Auf der Bühne steht eine Band, die der Sohn vom Vater übernommen hat. Alle Musiker sind schwarz; besagter Vater war der 2013 verstorbene Morris Holt, besser bekannt als Magic Slim; die Band sind The Teardrops; deren Gitarrist hat noch von Jimmy Reed persönlich gelernt; der Sohn heißt Sean Holt.

Zusammen sind sie bestens eingespielt mit diesem unnachahmlich schleppenden Beat, der doch das Lied auch vorantreibt. Holt mit weicher Stimme und hartem Gitarrensound, unverzerrt, zuerst im Vordergrund. Er hat vom Vater auch den Stil übernommen mit einem Daumenpick und wirbelnden Fingern – manchmal ist er aber auch ganz ins Mikro vertieft und klimpert nur angelegentlich ein paar Riffs auf die Saiten. Wenn es mal sanfter klingen soll, wird der Pick kurz im Mund geparkt.

Jimi Primetime Smith an der zweiten Gitarre gibt den Rhythmus, bis dann nach ein paar Liedern auch er zur Stimme greift, die ein bisschen härter zur Sache geht. Von da wechseln sich die beiden mit dem Gesang ab und auch die Gitarren wechseln ihre Rollen – Rhythmus und Lead wandern immer wieder hin und her und keiner steht dem anderen so wirklich nach. Kris Jefferson am Bass und Allen Kirk am Schlagzeug agieren da mehr im Hintergrund, wobei die Drums akustisch immer absolut präsent sind mit harten und präzisen Schlägen zwischen den zwei Gitarren.

Die stehen natürlich klar im Vordergrund. Die Soli werden immer länger und intensiver, schließlich wir per Handtuch für Abkühlung gesorgt. Kurz denke ich dann „Playback, oder was?“ bis ich merke, dass Holt und Smith wie mit Geisterhand und grinsend nur mit der links auf dem Griffbrett spielen.

Trotz der mitreißenden Dynamik auf der Bühne gerät das Publikum erst spät so richtig in Bewegung – das mag aber hauptsächlich an ein paar Stühlen liegen, die sich  vor die erste Reihe der Stehtische verirrt haben und das Abrocken etwas ausbremsen. Während der Zugabe geht es dann aber richtig ab, der Bass wacht jetzt auf und zeigt, dass auch er ordentlich in die Saiten hauen kann.

© Jörg Neuner


In Deutschland nur noch ein Konzert, ansonsten in Belgien, Skandinavien und England unterwegs :

31.1.2018    Steinbruch, Duisburg

https://www.shawnholtandtheteardrops.com/calendar


Line up:

Shawn Holt – Guitar, Vocals
Jimi Primetime Smith – Guitar, Vocals
Allen Kirk – Drums, Vocals
Kris Jefferson – Bass



weitere Konzertfotos Shawn Holt And the Teardrops 

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