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Taubertal-Festival 2015 – Review – ein persönlicher Rückblick

Festivalbericht  mit Konzertfotos
Ein persönlicher Rückblick auf das 20. Taubertal-Festival 2015
Mein erstes Taubertal-Festival 


Rothenburg ob der Tauber (music-on-net) – Ein bisschen Nostalgie überkommt mich beim Schreiben dieser Zeilen. Damals in der Grundschule war meist die erste Aufgabe nach den Sommerferien einen Aufsatz über das schönste Ferienerlebnis zu verfassen. Nun bin ich zwar Student und kein Grundschüler mehr, aber dennoch kann ich wohl mit Recht behaupten, dass das Taubertal-Festival 2015 zu meinen schönsten Erlebnissen in den Semesterferien zählen wird.

Nun aber von Anfang an:

Da ich zum ersten Mal auf dem Taubertal-Festival war, wollte ich es auch komplett genießen. Das heißt, ich habe mich mit meinem besten Freund bereits am Donnerstag auf dem Weg nach Rothenburg ob der Tauber gemacht. Dadurch, dass wir so früh angereist sind, hatten wir auch wenig Stress beim Abholen der Presse-Pässe und konnten uns schon einmal einen ersten Eindruck über die Parkplatzsituation machen, die, wie ich finde, beim Taubertal Festival besser gelöst werden könnte.

An einen Shuttle-Bus haben wir am Donnerstag noch gar nicht gedacht und so ging er los, der halbstündige Fußmarsch von der Stadt hinauf in den Steinbruch, in dem am Donnerstag eine Art Warm-Up-Party mit Boppin’ B, Sondaschule und DJ Freez stattfand. Diese hab ich allerdings als „normaler“ Medienvertreter besucht, die Kamera ließ ich am Donnerstag noch zu Hause. Boppin’ B war mir gänzlich unbekannt und Sondaschule kannte ich auch nur vom Namen. Beide haben mich restlos überzeugt. Boppin’ B klingt mehr nach Trucker-Musik, wie man sie aus den Staaten kennt, aber sie verbreitet gute Stimmung und ist tanzbar. Was will man den mehr? Sondaschule geht mehr in Richtung Punk. Ihre Texte prägen sich schnell ein und mitsingen wird obligatorisch. Auf DJ Freez haben wir nicht mehr gewartet, aber wir schlossen den Tag trotzdem mit einem ersten positiven Fazit ab:

Das Taubertal Festival 2015 wird auf jeden Fall ein tolles Wochenende.

Der Plan für den ersten offiziellen Tag auf dem Gelände war gemacht:

Am Freitag sollte es mit Heisskalt auf der Nebenbühne losgehen. Die Jungs aus Stuttgart sind mir bereits seit längerem bekannt. Sie haben sogar schon in Würzburg gespielt, dieses Konzert konnte ich leider nicht besuchen. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich das auf dem Taubertal Festival nachholen konnte. Actionreich ging es gleich zu Beginn los. Bereits bei der ersten Band hab ich das erste Sprungbild gemacht. Lustigerweise vom Bassisten. Lustig deshalb, da Bassisten sonst immer sehr „bodenständig“ sind. Die Action übertrugen die Jungs auch auf ihr Publikum. Sänger Mathias Bloech konnte es sich nicht nehmen lassen, gemeinsam mit seinen Fans zu pogen.

Die Zeit war reif für den ersten Auftritt auf der Hauptbühne. Django 3000 durften den Reigen feierlich mit einer Gitarre, einem Schlagzeug, einem Kontrabass und einer Geige eröffnen. Ich dachte mir: was passiert jetzt und ertappe mich selbst dabei, dass ich bereits nach wenigen Takten selbst mitwippe.  Auch mit klassischen Instrumenten lässt sich eben tanzbare Musik spielen.

Kurzer Umbau, es geht weiter mit The Majority Says. Ein zartes Mädchen verbreitet auf der Eiswiese, warme Klänge, gepaart mit weichen Rhythmen. Es klingt schön, ist aber wohl mehr zum Schmusen für Paare geeignet. Die Single-Rate auf dem Taubertal-Festival schien allerdings sehr groß zu sein, weshalb das Publikum bei diesem Auftritt doch sehr überschaubar war. Mir persönlich war die Musik auch zu soft. Dennoch fand ich es etwas schade.

Der Auftritt von Farin Urlaub verlief hingegen komplett anders. Der Platz vor der Hauptbühne war gut gefüllt, darunter auch viele Ärzte-Fans. Farin selbst wirkt ein bisschen in die Jahre gekommen, aber das scheint nur von optischer Natur zu sein. Stimmung kann er immer noch gut verbreiten und die Menge feiert ihn. Schade, dass ich ihn nicht fotografieren durfte. Das war mir aber bereits im Voraus klar, nachdem ich bereits beim Southside-Festival seinen Vertrag für Fotografen gelesen habe. Er wirkt freundlich, hat es aber “faustdick hinter den Ohren”.

Zum Fotografieren bin ich dann wieder auf die Nebenbühne gewandert, wo der Auftritt der Emergenza-Teilnehmer Casablanca Drivers stattfand. Dieser Auftritt hat mir unglaublich gut gefallen! Coole Jungs, coole Musik und was mir am wichtigsten war: Es entstanden richtig coole Fotos! Noch dazu wirkten sie auf der Bühne sehr sympatisch. Ich wünsche ihnen eine große Karriere im Musikgeschäft.

Gefolgt wurde ihr Auftritt von RDGLDGRN, ausgesprochen red, gold, green. So präsentierten sich die Jungs auch auf der Bühne, im roten, goldenen und grünen Shirt. Sie spielen eine sehr spezielle Mischung aus Rock und Oldschool-Hip-Hop. “Sehr geil”, wenn ich das einmal so sagen darf. Die drei Songs im Graben vergingen in Windeseile und wir haben sie uns auch danach noch lange angehört. Bis zum Auftritt von The Offspring hatten wir ja auch noch Zeit.

Ähnlich wie bei Farin Urlaub verhielt es sich auch bei The Offspring mit dem Fotografieren. Ich durfte nicht! Also stellte ich mich ins Publikum und genoss die Stimmung. Diese übertrug sich auch schnell auf uns. Auch wenn man lange nichts mehr von The Offspring gehört hat, sie haben es nicht verlernt, gute Konzerte zu spielen.

Das Konzert von Kraftklub kann ich nur in den höchsten Tönen loben. Es ist mir immer eine Freude, sie live zu sehen, weil ihre Shows so Energie geladen sind und sie die Massen bewegen. Leider konnte ich mir nicht das ganze Konzert ansehen. Nach den drei Songs im Graben fuhr ich schnell mit dem Bus in die Stadt, verfrachtete Kameratasche und Teleobjektiv im Auto, damit  wir auf dem Weg in den Steinbruch  nicht so schwer zu tragen haben.

Man muss dazu sagen, dass ich spätestens nach einer halben Stunde wieder zurück war. Dafür ein großes Lob an den Shuttle-Service. Wieder vor der Hauptbühne angekommen, konnte ich mich nicht mehr zurück halten. Ich feierte mit den Fans besonders beim Song „Randale“. Ob das mein Chef auch immer gemacht hat, wenn er beim Taubertal-Festival war? Ich will es doch hoffen! Meine Stimme war noch dem Auftritt nicht mehr hörenswert und die ersten schmerzen in der Wade vom Springen machten sich breit.

Nichtsdestotrotz ging der Weg weiter in den Steinbruch, wo die Drunken Masters auflegten. Es macht mir immer Spaß,  sie zu sehen. Dass ich sie in dieser Nacht noch besonders lange sehen würde, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Die Fans rasteten sofort aus, der Steinbruch hat gebebt und weitere Fans wurden wegen Überfüllung gar nicht mehr reingelassen. Ich selbst habe im Graben getanzt, da man bei DJ’s nicht so viel fotografieren kann. Nach der Viertel Stunde, die ich im Graben fotografieren durfte, stand ich dann ebenfalls wie mein Kumpel in der ersten Reihe und hab das Vibrieren des Basses in meinem Körper genossen. So lange, bis die Nachricht auf meinem Handy erschien, ob ich denn die Drunken Masters mit nach Würzburg nehmen könne. Der Abend konnte nicht mehr besser werden. Es wurde ein langer und perfekter Abend.

Müde und die letzte Nacht noch in den Knochen schleppten wir uns auch am Samstag wieder auf das Festivalgelände. Der Hype wegen der Drunken Masters in der letzten Nacht war noch sehr groß.

Zu Beginn des zweiten Tages gönnte ich mir dennoch erst einmal eine ruhige Band. Acollective sollte es sein. Diese waren mir allerdings dann doch zu ruhig auf der Bühne. Tolle Musik, aber nichts, was ich auf Dauer hören kann.

Etwas lebendiger ging es dann schon bei Against Me! zu. Harte Gitarrenriffs, Energie auf der Bühne und Action im Publikum. Schon besser, dachte ich mir. Der Platz vor der Bühne war auch schon gut gefüllt und es wurde ausgelassen gefeiert.

Diese Stimmung zog sich den kompletten Abend durch. Der Platz füllte sich immer weiter. Bei Madsen war dann schon eine Menge los, was mich sehr freute, da ich diese Band sehr gerne höre und schätze. Bei Marteria platzte das Gelände dann aus allen Nähten. Gefühlt standen alle Besucher an der Hauptbühne, bouncten und feierten zu den Texten von Marteria und seinem Alter Ego Marsimoto. Die Stimmung war unbeschreiblich. Egal ob es um die lila Wolken nach einer durchfeierten Nacht oder die Legalisierung von Gras ging, damit Kiffer etwas besonderes bleiben: die Fans drehen durch. Selbst eine Zugabe wird gespielt, bei der niemand mehr zu halten war. Shirts wirbelten durch die Luft, Becher flogen auf ein Schlauchboot von Viva con Aqua, dass sich seinen Weg über die Hände der Fans bahnte. Einfach unbeschreiblich!

Zum Abschluss spielte noch die Antilopen Gang im Steinbruch. Laufen wollte nach dem Auftritt von Marteria wohl niemand mehr, aber dennoch ist der Steinbruch wieder gut gefüllt. Ich kannte sie schon länger, für meinen Kumpel, der seit Mitternacht seinen Geburtstag auf dem Taubertal-Festival feiern konnte, war es ein tolles Geschenk und die Antilopen Gang hat einen neuen Fan gewonnen.

“Dienstlich” war der Abend nach dem Auftritt der Antilopen Gang gelaufen, aber wir blieben noch eine Zeit lang beim folgenden Auftritt eines Djs von BR puls. Pressearbeit muss eben nicht nur Arbeit sein, sondern darf auch mit Spaß verbunden werden. Das Tanzen mit Kamera erwies sich zwar als schwierig, aber war dennoch machbar.

Letzter Tag, einmal noch Gas geben – ausruhen kann man sich noch am Montag. So war das Motto für den Sonntag. Der begann auch gleich mit einer Menge Action bei Ferris MC. Bekannt ist er durch die Elektro-Rapper Deichkind. Heute rappt er jedoch nicht auf Elektro-Beats sondern auf harte Gitarrenriffs. Mal was anderes als sonst, aber dennoch hat er mich überzeugt. Ferris MC ist zurecht ein nicht wegzudenkender Teil von Deichkind.

Von den Dropkick Murphys hatte ich bis Sonntag kein einziges Lied gekannt. Das hat sich mittlerweile geändert. Sie haben mit mir einen neuen Fan gewonnen und wenn man sich das Publikum einmal angesehen hat, wurde sofort klar, dass ich nur einer von vielen Fans bin. Al Barr bringt unglaublich viel Bewegung auf die Bühne, auch wenn er sich nicht sehr häufig auf selbiger aufhält. Die meiste Zeit nutzt er die Bassboxen im Graben als Podest, um näher bei seinen Fans zu sein.

So handhabte es aber auch Arnim Teutoburg-Weiß, Sänger und Gitarrist der Beatsteaks. Für ihn wurde sogar noch ein zusätzliches kleines Podest im Graben aufgebaut. Es wurde ein feuchtfröhliches Erlebnis für Fans und Fotografen.

Auf dem Podest stehend schnappt er sich nämlich einen Gartenschlauch und spritzt das Publikum nass. Eine kleine Erfrischung tut bei den heißen Temperaturen auch sehr gut. In den längsten Biergarten Rothenburgs der schon seit Freitag in der Tauber installiert ist, konnte sich beim Auftritt der Beatsteaks ja niemand setzen. Wer möchte schon den Auftritt eines Headliners verpassen. Alle Fotografen stürmen in Richtung Podest mit dem Gedanken „er spritzt die Leute nass – das gibt tolle Bilder“.

Nur wir haben die Rechnung nicht mit Arnim gemacht. Plötzlich dreht er sich um und lies auch uns an dem feuchtfröhlichen Spaß teilhaben. Der Ausrüstung tut Wasser sicher nicht gut, aber er ist so ein sympathischer Kerl, der nichts gegen das Fotografengedränge im Graben hat. Im Gegenteil, beim Rock’n’Heim 2014 klatschte er sogar jeden Fotografen, den er erwischen konnte persönlich ab. Man kann ihm deshalb also wirklich nicht böse sein.

Selbst ohne Wasser dreht das Publikum ordentlich durch – Crowdsurfen erwünscht und gerne gesehen! Immer mehr Leute lassen sich über die Hände tragen und der eine oder andere möchte sein besonders sehenswertes Kostüm, wie das eines Spartaners, besonders gerne zeigen und surft mehr als einmal. Mosh- und Circle-Pits entstehen, man springt gemeinsam, man gröhlt gemeinsam. Es fühlte sich toll an, ein Teil dieser Gemeinschaft zu sein.

Ein Auftritt noch, dann wäre das Taubertal-Festival 2015 geschafft. AnnenMayKanntereit solte es sein. Ein Tim Bendzko-Verschnitt mit einer Stimme von Joe Cocker. Unglaublich! Ich persönlich muss jedoch sagen, dass die Musik für seine Stimme zu ruhig ist. Natürlich kann man auch einmal Balladen spielen, seine Stimme braucht aber etwas Fetzigeres.

Bei dem Song „Hurra, die Welt geht unter“ von K.I.Z. find ich sie besser aufgehoben, aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Ein würdiger Abschluss für das Taubertal-Festival ist die Band AnnenMayKantereit allemal und so ist auch der Platz vor der Nebenbühne noch einmal restlos gefüllt.

Es war so ein tolles Festival! Klar, dass niemand schnellstmöglich nach Hause möchte.

Bleibt zu hoffen, dass uns allen das Taubertal-Festival noch unzählige Jahre erhalten bleibt und es auch noch das 30. und 40. Jubiläum erleben darf. Dann aber hoffentlich nicht mehr bei unerträglichen knapp 40 Grad Lufttemperatur.

© Lukas Seufert


Alle Konzertberichte und Konzertfotos © Lukas Seufert (music-on-net)


Links zu den verschiedenen Beiträgen

Freitag, 07.August 2015

Kraftklub

Heisskalt

The Majority Says

Casablanca Drivers

Drunken Masters

RDGLDGRN

Django 3000

Samstag, 08. August 2015

Against Me!

Antilopen Gang

Acollective

Madsen

Marteria

Sonntag, 09. August 2015

Ferris MC

AnnenMayKantereit

Beatsteaks

Dropkick Murphys

 

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