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HAZMAT MODINE – Blues-Club Baden-Baden 2018 – Konzertbericht

Konzertbericht und Konzertfotos.
Hazmat Modine am 26. Mai 2018 im Blues-Club Baden-Baden
“Baden-Baden, New York, New York”


Baden-Baden (music-on-net) Eine renommierte New Yorker Band im Vorprogramm einer lokalen Cover-Combo? Alles eine Frage der Prioritäten:

Bereits vor drei Jahren waren Hazmat Modine hier auf der Bühne. Ich hatte nur das Plakat gesehen mit 7 Musikern samt diesem Tuba-Teil und mir war klar, dass man diese Truppe um Wade Schuman unbedingt gehört und auch gesehen haben muss. Irgendwas war damals wichtiger. Als ich die Band im aktuellen Programm des Blues-Clubs Baden-Baden wiederentdecke, habe ich mir den Termin in den Kalender zementiert, komme was wolle.

Es kamen: eine spontane Einladung zu einem runden Geburtstag an einem Traum-Sommerabend und ein Champions-League Finale. Der Fußball ist mir wurscht, und der Jubilar wird auch nach dem Konzert noch eine Wurscht und ein Bier für mich haben … die lokale Band spielt dann sicher auch noch.

Also mische ich mich unter die halbwegs zahlreichen Nicht-Fußballer, die mit den gleichen Prioritäten den Weg in den Löwensaal gefunden haben. Darunter offensichtliche Prioritäten-Profis, wie eine Hochzeits-Gesellschaft samt Braut in Weiß sowie ein 60. Geburtstag.

Wie schon auf dem Plakat erahnt, bietet der Abend vielfältige Kost, die vom üblichen Blues-Club Programm deutlich abweicht – soweit man das sagen kann, denn das Spektrum des Clubs ist schon recht weit gespannt. Vor allem aber lässt sich das Ganze nicht wirklich beschreiben.

Optisch wird die Mixtur dominiert vom John Daleys Sousaphon; das Blechmonster dürfte als Vater ein übergewichtiges Jagdhorn und als Mutter eine Tuba gehabt haben. Zuständig ganz unterschwellig für den Bass. Das unsichtbarste Instrument – Wade Schumans Mundharmonika – spielt dagegen mit Hilfe umfangreicher Effektpedale … jetzt versuche ich doch, das Unbeschreibliche zu beschreiben und werde gleich in den Wald kommen damit. Zumal die Hazmat Modine-Besetzung nicht wirklich starr ist und immer wieder Musiker aller möglichen Stilrichtungen zusammenbringt. Auf dem ewigen Line-up der Homepage finden sich wohl sämtliche Instrumente, die jemals auf diesem Erdball aus Holz geschnitzt oder Blech gedengelt worden sind.

Hazmat Modine – Blues-Club Baden-Baden 2018 © Joerg Neuner

Bildergalerie Hazmat Modine

Ist für diesen Abend auch völlig egal, weil viel zu kopfmäßig. Der Bauch reagiert ganz spontan auf diesen überkochenden New Yorker Schmelztiegel aller Genres, die sich gar nicht so wirklich verorten lassen wollen – und brauchen. Schon im ersten Set wird in den ersten Reihen kräftig gezuckt, am Ende tobt der Club wie schon lange nicht mehr.

Denn da kommt mal ein saftiges Stück gut abgehangener Blues daher – Schumans musikalischem Grundrezept – und das Sousaphon legt ordentlich dunkle würzige Soße darunter … dann kommt von Pam Fleming und Steve Elson an Trompete und Sax eine frische Beilage mit jazzigem Topping dazu. Co-Writer Erik Della Penna serviert eine Scheibe Santana auf der Gitarre und ebnet den Weg in Richtung Calypso-Seafood. Dann wechselt er zur 6-seitigen Banjitar für eine Hillbilly-Nummer, die sich ganz auf den Bluegrass reduziert, … bis wieder die Bläser einen großen Löffel Jambalaya drüberhauen gefolgt von einem Nachtisch aus schrägem Klezmer-Geschrammel. Ein Filetstück des American Songbook bekommt ein würziges Balkan-Dressing, verfeinert mit einem kräftigem Blues-Yodel… Die Speisekarte ist reichhaltig.

Schuman beugt sich schreiend übers Mikro, kniet vor dem Sousaphon; sitzt auf seinem Stuhl, die Fiddle dirigierend, und steht im nächsten Moment darauf im Kampf gegen das Saxophon. Das Sousaphon gurrt wie eine Taube, die Schumans Adlerschrei erschrocken vom Himmel fallen lässt. Patrick Simar vertont am Schlagzeug einen frechen Dachs, der sich immer wieder unerwischt davon stiehlt … die Geschichte eines Stücks befasst sich mit der Perspektive eines ausgestopften Tieres, das in New York gerne mal an die Stoßstange eines LKW gezurrt wird… apropos New York: Schuman stellt amüsiert fest, dass unser vermeintlich verdoppeltes Baden-Baden grad eben dem New York, NY entspricht.

Schräge Geschichten, charismatisch artikuliert von Schuman, der mitunter ganz nahe an Tom Waits herankrächzt; begleitet von Charlie Burnhams Streichen, Zupfen und Schlagen auf der elektrischen Geige; warme Untermalung, wenn Steve Elson vom Saxophon zur Klarinette wechselt; ausgerechnet mit der Flöte wird es dann richtig rockig, wenn Schuman eben mal Richtung Jethro Tull abbiegt.

Vor dem akustischen Auge erscheinen New Yorker Straßenschluchten, Pariser Cafés, orientalische Bazare oder karibische Strände. Trotzdem fühlt man sich bei aller Exotik nicht völlig überfordert, da sich alles klanglich nicht allzu weit außerhalb der Komfortzone von Blues-Rock-Jazz-Latin-Hörern abspielt. Alles in allem eine mitreißende Tour durch die Genres, die Appetit auf Musik jenseits des Tellerrandes macht. Die Prioritäten für den Abend waren richtig gesetzt.

Und ja, ich habe auf dem Geburtstag noch ein Bier bekommen und auch die Band hat noch gespielt.

© Jörg Neuner


Nächste Konzerte 2018 von Hazmat Modine:

3.6. Fabrik, Pfullendorf
5.6. Treibhaus, Innsbruck (AT)
6.6. Fabrik, Hamburg
7.6. Lutterbecker, Lutterbeck, Kiel
8.6. Music Hall, Worpswede
9.6. Audimax, Hildesheim
10.6. Jazzclub Tonne, Dresden
14.6. Kino Traumstern, Lich
16.6. Glockengiesserei, Saarburg
17.6. St. Katharina Open Air, Nürnberg
19.6. Stadttheater, Landsberg/Lech


Line-up Hazmat Modine

Wade Schuman – vocals, diatonic harmonica, guitar, flute

Eric Della Penna – guitar, banjitar, vocals

Joseph Daley – sousaphone

Pamela Fleming – trumpet

Steve Elson – saxophone, clarinette

Charles Burnham – electric violin

Patrick Simard – drums


Setlist

Set 1

Be There

Your Sister

Plans

So Far So Good

Lonely Man

To Fat To Fly

Doctor’s Wife

Hoarder

Dark River

Delivery Man

Set 2

Box of Breath

In Our Home

Ain’t Going That Way

Whiskey Bird

Get Get Out

Moving Stones

End Of Sweet Dreams

Crust Of Bread

Encore

Everybody Loves You

Bahamut

Ein Kommentar

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