Hafensommer Würzburg geht nur mit roten Zahlen – mein Standpunkt

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Hafentour beim Hafensommer Wuerzburg 2017

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Hafensommer Würzburg geht (leider) nur mit roten Zahlen.
Der Artikel in der Main Post vom 3.11.2017 zum Thema Hafensommer Würzburg 2017 ist höchst irritierend


Würzburg (music-on-net) – Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich dem Hafensommer Würzburg bisher immer aufgeschlossen und loyal gegenüberstand. Viele Jahre habe ich dort fotografiert, kleinere Berichte verfasst. An der einen oder anderen Stelle floss vorsichtige Kritik ein. Das “Unternehmen Hafensommer Würzburg” wollte auch ich als kleiner Blogger schließlich nicht im Ansatz gefährden. Ist mir verschiedentlich Kritik bis hin zur subtilen Anfeindung aus der Würzburger Szene dem Veranstalter gegenüber immer wieder zu Ohren gekommen.

Wenn nun die Main-Post in ihrer Ausgabe vom 3. November 2017 titelt:

“Hafensommer geht auch ohne rote Zahlen”,

macht mich ein solcher Artikel, verfasst vom geschätzten Karl-Georg Rötter, besonders neugierig, zumal mich erste Informationen über das Defizit beim diesjährigen Hafensommer Würzburg bereits eine Woche zuvor sehr plakativ erreicht hatten.

Radio Charivari bezeichnete den Hafensommer Würzburg 2017 am 26.10.2017 schlichtweg als ein bleibendes “Draufzahl-Geschäft”.

Auch die Main Post jonglierte in der jüngsten Vergangenheit beim Thema Hafensommer immer wieder mit unterschiedlichen Zahlen.

Demnach kostete der Hafensommer 2016 die Stadt Würzburg zunächst 165.000 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie die Summe, die der Stadtrat zunächst zur Verfügung gestellt hatte. 265.000 Euro Gewinn stünden insgesamt 430.000 Euro an Ausgaben gegenüber.

Quelle: Main Post, 12.10.2016, Manuela Göbel

Sechs Wochen später gab es, entweder beim Veranstalter oder bei der Main Post, neue Erkenntnisse. Der Hafensommer 2016 hätte nach Abschluss aller Rechnungen nun doch mehr Gewinn erzielt, nämlich 307.000 Euro. Dabei seien auch die Ausgaben auf 587.000 Euro gestiegen, so dass für die Stadt Würzburg eine Deckungslücke von etwa 280.000 Euro bliebe.

Quelle: Main-Post, 29.11.2016, Manuela Göbel

In der Konsequenz hatte der Stadtrat für den Hafensommer 2017 gleich 247.000 Euro im Haushalt berücksichtigt, was nur logisch war, wenn man man aus leidvoller Erfahrung lernen wollte.

Wenn nun die Abweichung zwischen Soll und Ist beim tatsächlichen – von der Stadt mit öffentlichen Mitteln – zu leistenden Zuschuss marginal ist, so darf man sich darüber durchaus freuen.

Zehn Jahre zuvor ist der Hafensommer Würzburg regelmäßig wesentlich dürftiger mit öffentlichen Mitteln ausgestattet worden. Die nachträgliche Bilanzierung hat dann regelmäßig deutliche Mittelverstärkungen durch die Stadt Würzburg nötig gemacht. Im Januar 2016 kam es dann mehr oder weniger zum allseits bekannten Eklat, auf den ich hier gar nicht nochmals eingehen möchte.

Hätten die kommunalen Entscheidungsträger samt dem Würzburger Stadtrat schon früher auf eine entsprechende finanzielle Ausstattung des Würzburger Kulturereignisses hingewirkt, so hätte auch ein künstlerischer Leiter namens Jürgen Königer, dem im oben genannten  Beitrag  der Main Post sehr einseitig und persönlich ein kollektives Versagen des “alten” Hafensommer Teams angelastet wird, anders wirtschaften können.

Die notwendige Einflussnahme auf die programmatische Ausrichtung des Hafensommers wurde eben leider nicht frühzeitig bei einer durchaus streitbaren Person, wie Jürgen Königer sie nun mal ist, im nötigen Maße durch die Stadt Würzburg ausgeübt.

Mittlerweile ist offensichtlich auch dem Würzburger Stadtrat klar geworden, dass ein Hafensommer Würzburg, will die Stadt Würzburg weiterhin als Veranstalter auftreten, nicht zum Nulltarif zu haben ist. Hier kann man keinerlei Hoffnung machen, dass sich der jährlich zu leistende kommunale Betrag künftig weiter reduzieren lässt. Ein erweitertes Team Hafensommer arbeitet eben keineswegs umsonst, sondern verständlicherweise gegen Honorar.

Die in diesem Jahr engagierten Künstler haben den Hafensommer ein Stück weit vom früher gerne so titulierten “Entdeckerfestival” weggeführt zu einer Veranstaltung, die sicherlich noch immer mit Blick auf die künstlerische Qualität, aber ebenso unter dem Aspekt, möglichst viele neue Zuhörer anzusprechen, deutlich stärker auf Breitenwirksamkeit setzt.

Das muss nicht zwangsläufig einen Qualitätsverlust bedeuten, eine möglichst durchgängige Handschrift des Veranstalters, wie sie die Jahre zuvor zweifellos vorhanden war, ist dabei durchaus abhanden gekommen.

Tatsächlich hatte der neue Hafensommer mehr Besucher als die Jahre zuvor und erfreut sich somit sowohl einer höheren Akzeptanz bei der Würzburger Bevölkerung als auch bei ihrem gewählten Stadtrat. Darüber freue auch ich mich selbstverständlich.

Den alten Hafensommer nachträglich schlecht zu reden und dabei den damaligen künstlerischen Leiter Jürgen Königer als alleinverantwortlich öffentlich an den Pranger zu stellen, auch noch in der Überschrift zu behaupten, der Hafensommer Würzburg geht – bei 253.000 Euro städtischem Zuschuss – auch ohne rote Zahlen, ist für mich allerdings eine völlig inakzeptable Beschreibung des Ist-Zustandes.

Der Hafensommer Würzburg wird unter Beibehaltung der Stadt Würzburg als Veranstalter, die zwangsläufig auf vielerlei Externe zurückgreifen muss, immer ein Zuschuss-Unternehmen sein.

Der Hafensommer Würzburg ist aber auch seit mehr als zehn Jahren eine sehr positive Werbung für meine Heimatstadt Würzburg, der ich mich nach wie vor verbunden fühle.

Der alte künstlerische Leiter des Hafensommers, Jürgen Königer, hat zu dieser positiven Außenwirkung über viel Jahre hinweg einen viel zu bedeutenden Beitrag geleistet, um in einer solchen, die Tatsachen auf den Kopf stellenden, Form redaktionell abgewatscht zu werden.

© Gerald Langer


 

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