Akku Quintet – Aeon (2017) – Album – Review

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Akku Quintet--Aeon (2017)
Akku Quintet--Aeon (2017)

Akku Quintet – Aeon
– Format: CD, Vinyl, Digital
– VÖ: 24.03.2017
– Label: Morpheus Records (Broken Silence)
– Website: Akku Quintet

Review / Tonträger / Album © Gerald Langer


(music-on-net) – Vor einigen Wochen hatte ich bereits das aktuelle Album von Maja Nydeggers BlaerOut Of Silence –  besprochen und dabei angekündigt, dass ein weiteres Album des Label’s Morpheus Records folgen wird.

Es ist die Neuveröffentlichung des Label-Betreibers Manuel Pasquinelli und seiner Band Akku Quintet – Aeon.

Aeon – der Versuch einer Begriffsbestimmung

Aeon ist als Begriff mehrdeutig. Zum einen bezeichnet Aeon einen geologisch mehrere Millionen Jahre umfassenden Zeitabschnitt bei der Entstehung unseres Planeten Erde. In der Philosophie der griechischen Antike ist es zum anderen ein Begriff für Ewigkeit. Aeon hält sich auch weiterhin als theologischer Terminus zur Beschreibung von überschaubaren Zeitabschnitten menschlichen Lebens eben bis hin zur – unser Vorstellungsvermögen übersteigenden – Unendlichkeit von Raum und Zeit.

Morpheus Records als Netzwerk

Morpheus Records versteht sich sowohl als Plattform wie auch als Netzwerk versierter junger Musiker. Als Kollektiv Gleichgesinnter sind die dort vertretenen Klangkünstler in verschiedenen Formationen dieses Labels tätig. Ihr Können bringen sie in unterschiedlichen Bands ein, um gewonnene neue Erfahrungen wiederum in andere Projekte zu investieren, so dass für alle Beteiligten eine “Win-Win-Situation” entsteht.

Akku Quintett – Aeon – Das Album

„Als Hörer taucht man sofort ein in den hypnotischen Fluss der Musik. Das Spiel zwischen den verschiedenen Bandmitgliedern funktioniert hervorragend.“

So die Berner Kulturagenda im Mai 2013. Das Debütalbum Stages of Sleep, das menschliche Schlafphasen in Klang übersetzt, war gerade erschienen, Molecules folgte zu Beginn des Jahres 2015.

Das bereits vor einigen Wochen veröffentlichte dritte Werk Aeon setzt den ohnehin hohen Qualitätsstandard der beiden vorausgegangenen Alben fort.

Die Band um Komponist und Schlagzeuger Manuel Pasquinelli hat inhaltlich wiederum einen Monolithen geschaffen, der einen allerdings keineswegs zu erdrücken droht, sondern sich eher an prägenden Filmsequenzen aus Stanley Kubrick’ s Odyssee 2001, wie zum Beispiel der Anführer der Affenherde seinen zuvor als Waffe mißbrauchten Knochen in den Himmel schleudert, zu orientieren scheint.

Die dreiteilige Titelkomposition Aeon bietet in der Sequenz Aeon II diese legendären Zeitlupenmomente, in denen Pasquinelli das Schlagzeug zwar kontinuierlich bedient, Aeon II dennoch fast “stecken zu bleiben” droht, bevor wir dann mit Aeon III bei Michael Gilsenans fantastischem Saxophonspiel davonfliegen. Manche Passage erinnert dabei an das 1977er Album Ataraxia des deutschen Jazzsaxophonisten Klaus Doldinger.

Das gut zehnminütige Polar besteht ebenfalls aus verschiedenen Sequenzen, enthält auch einige Momente, die sich dem Genre Ambient-Musik annähern.

Flying Low ist indes stärker Rhythmus betont, eine Schlagzeug-Nummer, die im Mittelteil der verzerrt kreischenden E-Gitarre von Markus Ischer Raum gibt. Mit Satellite umkreisen wir Mutter Erde. Ein letzter Blick zurück.

Das finale Waves mit einer Laufzeit von 21 Minuten ist der Soundtrack für den Aufbruch in unbekannte neue musikalische Galaxien, bei dem wir am Ende schwerelos davon schweben. Begriffe, wie Raum und Zeit, spielen keine Rolle mehr. Klang gewordene Transzendenz!

Aeon, als Koproduktion mit Radio SRF2 Kultur entstanden, ist zwar komplex, aber keineswegs verkopfte Musik. Ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit fordert uns das neue Album über 68 Minuten sehr wohl ab. Dafür gibt es viel zu entdecken.

Der ZKB Jazzpreis 2017

Seit 15 Jahren fördert die Zürcher Kantonalbank junge, innovative Schweizer Bands mit dem ZKB Jazzpreis im Moods. Er soll die Vielfalt der Schweizer Jazz-Szene bereichern. Mittlerweile gilt er als wichtige Förderinstitution und ist aus der Schweizer Jazz-Agenda nicht mehr wegzudenken.

Der Preis hat bereits einiges erreicht: Oft wurden ausgezeichnete Bands in die prioritäre Jazz-Förderung der Stiftung Pro Helvetia aufgenommen, womit sie auch in der internationalen Jazz-Szene Beachtung und Anerkennung fanden.

Vom 30. April bis 5. Mai 2017 findet im Moods der Wettbewerb um den ZKB Jazzpreis 2017 als sechstägiges Festival statt. Von den sechs Bands, die daran teilnehmen, erreichen die beiden besten das Finale. Sie spielen um den höchstdotierten Jazzpreis der Schweiz: 15 000 Franken für den ersten Rang und 5 000 Franken für den zweiten.

Die Preisgelder sollen für die Musik eingesetzt werden: für Studioproduktionen, CD- und Label-Kosten, für Instrumente, Werbung oder Bookings. Die Siegerband erhält zudem das Privileg, am jazznojazz-Festival in Zürich aufzutreten.

(entnommen dem Internetauftritt des ZKB Jazzpreis 2017)

Am 1. Mai 2017 ist beim Wettbewerb um den ZKB Jazzpreis 2017 auch das Akku-Quintet am Start. Bis dahin dürfte Manuel Pasquinelli von seiner Japan-Tour mit der von mir ebenfalls sehr geschätzten Band Sonar zurückgekehrt sein.

Ich drücke jedenfalls von hier aus ganz fest die Daumen.


Credits

Recorded Oct. 10-12 2016 At Hardstudios Switzerland
Recording. Andy Neresheimer & Chris Diggelmann
Mix: Chris Diggelmann (DASKLANGEREIGNIS)
Mastering: Serge Christen (Mazzive Sound GmbH)
Design: Sandro Galli (GALLOGRAFIX)


Mit der freundlichen Unterstützung von:

Burgergemeinde Bern
Fondation Suisa
Prohelvetia Kulturstiftung
Schweizerische Interpretenstiftung
Stadt Bern
Kanton Bern
Ernst Göhner Stiftung


Line-Up

Manuel Pasquinelli – drums, composition
Michael Gilsenan – Saxophone
Markus Ischer – guitar
Maja Nydegger – keys
Andi Schellmann – bass


Tracklist

Aeon Pat I
Aeon Part II
Aeon Part III
Polar
Flying Low
Satellite
Waves


Meine Anspiel-Tipps fett – sollte am Stück gehört werden.


Akku Quintet - Pressefoto
Akku Quintet – Pressefoto
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