Agorà Ensemble – Agorà – 2013 – Album – Review

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Agorà Ensemble - Agorà - 2014
Agorà Ensemble - Agorà - 2014

Agorà Ensemble – Agorà
VÖ: 17.01.2013
Label: n.n.
Format: CD, Digital

Review / Tonträger / Album  © Gerald Langer

(music-on-net) – Eine zeitgenössische Band junger Musiker ausgerechnet Agorà Ensemble zu nennen, lässt nicht vermuten, dass die Namensgebung das Ergebnis eines weinseligen Beisammenseins und damit eine spontane Entscheidung war. Die Bezeichnung Agorà, wie einst der historische griechische Versammlungs- und Marktplatz, macht auf jeden Fall neugierig, sich mit dem Erstlingswerk dieses schweizerischen Septetts auseinanderzusetzen.

Der erste Titel des Albums I’m New Here, eine Neuinterpretation von Gil Scott-Heron’s Lied, umreißt zum Auftakt das breite musikalische Spektrum der Band.

Eine jazzige Grundstimmung am Piano, Streicher die sanft hinzu gefügt werden, nach einer Minute erst die klare Stimme von Andreas Lareida. Nichts drängt sich in den Vordergrund, sozusagen ein erstes Kennenlernen auf dem Marktplatz der sanften Töne.

Bring Me The King ist das Cover eines Songs, welcher im Original von David Bowie stammt, bei Agorà mit viel Gefühl in eine noch jazzigere Version transformiert wird. Hier kann Andreas Lareida die Bandbreite seiner Stimme als maßgebliches Instrument seines Ensembles nutzen. Man kann nur hoffen, dass David Robert Jones die sieben Minuten Zeit finden wird, sich diese Interpretation seines Songs einmal genüsslich anzuhören. Er dürfte ebenso begeistert sein.

Vila Madalena mag in seiner fröhlichen Art das bunte Treiben im Künstlerviertel von  São Paulo beschreiben. Auf jeden Fall ein geeigneter Treffpunkt für Lareida’s Jazzgesang mit dem klassischen Instrumentarium seines Kollektivs.

Bei Liar’s Dice spürt man förmlich die Spannung beim Würfelpokerspiel, das Klappern der Würfel im Becher und am Ende wohl auch den Verlust der Spielpartie.

Absence Of Gravity – Kammerjazz mit wunderbaren Streichern, schönem Bassspiel, etwas Piano und einem sich häufig auf die Becken konzentrierenden Schlagzeugspiel. Zum Wegträumen und Abheben.

Ha Gente Aqui, im Original vom portugiesichen Jazzpianisten Mario Laginha, wird bei Agora mit Streichern angereichert und gewinnt damit noch an Temperament.

Misfaith – hier wird die Stimme von Lareida zunächst in die Streicher eingebettet, bis Piano und Bass die Richtung mehrfach ändern und die kammermusikalische Exkursion nach kurzweiligen fünfzig Minuten beenden.

Das Zusammenspiel des Ensembles hat tatsächlich einiges mit dem Schlendern über einen Marktplatz gemein. Plötzlich entdeckt man dort etwas Interessantes, bleibt stehen und schlägt plötzlich überraschend gemeinsam eine neue Richtung ein. Die Kunst, sich dabei nicht zu verlaufen, beherrschen die jungen Musiker souverän.

Agorà legen hier definitiv kein Album zum „Nebenbei-Hören“ vor, sondern fordern dem Hörer volle Konzentration ab, die allerdings mit der Entdeckung wunderbarer Details belohnt wird. Satthören kann man sich bei der Fülle an Tönen und Klängen wohl kaum.

© Gerald Langer ( 26-02-2014)

Beitrag erschien ursprünglich auf music-on-net.com!


Line-Up | Agorà | Die Band

Andreas Lareida – Stimme

Roman Tulei – Piano

Christoph Utzinger – Bass

Manuel Pasquinelli – Schlagzeug

Raphael Heggendorn – Cello

Claudia Marino – Viola

Samuel Jungen – Violine


Tracklist

 1. I’m New Here

2. Bring Me The Disco King

3. Vila Madalena

4. Liar’s Dice

5. Absence Of Gravity

6. Ha Gente Aqui

7. Misfaith


Meine Anspieltipps sind fett gedruckt!


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