Sivert Høyem – Lioness (2016) – Album – Review

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Sivert Hoyen- Lioness (2016)
Sivert Hoyen- Lioness (2016)

Sivert Høyem – Lioness
VÖ: 29.01.2016
Label: Hektor Grammophon
Vertrieb: Rough Trade
Formate: digitaler Download, CD, Vinyl

Review / Tonträger / Album © Gerald Langer

(music-on-net) – „Lioness“, die Löwin, nennt Sivert Høyem sein aktuelles Album. Es ist sein sechster Longplayer. Seine Solo-Karriere hatte Sivert Høyem schon als Frontmann der 2008 aufgelösten Kultband Madrugada im Blick. Lioness (The Hidden Treasures) heißt auch das vor einigen Jahren posthum veröffentlichte Album der britischen Soul-Ikone Amy Winehouse. Während letztgenanntes Werk primär das kommerzielle Ausschlachten einer großen Stimme, die schlussendlich das einfache Leben nicht in den Griff bekam, zum Ziel hatte, hält Sivert Høyem die Fäden seiner Karriere schon immer fest in der eigenen Hand.

Als feinfühliger Sänger und Songwriter verfügt er allein mit seinem variablen warmen Bariton über soviel musikalisches Kapital, dass Fehlgriffe fast nur noch durch ungeeignete Zusammenstellung der Studioband auftreten können. Derartige Missgriffe passieren ihm natürlich nicht.

Über zehn Songs seines exquisiten Albums hinweg dirigiert er mit Stimme und Akustikgitarre seine musikalischen Mitstreiter, unter anderem den Gitarristen und Keyboarder Christer Knutsen, der zusammen mit Høyem „Lioness“ produziert hat, Øystein Franzvåg am Bass und Børge Fjordheim am Schlagzeug durch sein sehr emotionales Werk. Die beiden Letztgenannten gehören auch zu seiner Touring-Band.

Die besondere Würze bekommt das Album allerdings mit den hinzugezogenen Gastmusikern und deren Streichinstrumenten, die manchen Ansatz von Rockmusik in die Kammermusik umleiten.

In dieser gemischten Instrumentierung wird „Lioness“ zu einem puren Hörvergnügen. Die mir vorliegende CD klingt schon außergewöhnlich „warm“. Was darf man da wohl von der ebenfalls verfügbaren Vinyl-Pressung erst erwarten?

Kaum hat man die CD eingelegt, gegebenenfalls die Nadel des Plattenspielers sauber in die Außenrille gesetzt, beginnt auch schon der vokale Einsatz von Sivert Høyem beim ersten Song „Sleepwalking Man“.

Als ausgesprochenes Nordlicht wurde Sivert Høyem sicherlich auch von den besonderen Tageslichtverhältnissen und der friedvollen Natur seiner Heimat Norwegen geprägt. Dies alles mündet bei Høyem jedoch nicht in bloße, schwer zu ertragende, Melancholie, sondern immer wieder funkelt auch etwas Licht durch.

„……I want to see the morning
I want to see the light ……“

singt er in V.O.I.D, nur einer von zehn überragenden Songs dieses mystischen Albums, dass sich zum einem mit den Themenkreisen von Nacht und Schlaf, zum anderen mit unserem „dämmrigen“ Bewusstseinszustand in der Phase zwischen zwei Tagen auseinandersetzt. Lioness ist sozusagen ein Mittsommernachtsfest für unsere Ohren und Seele. Die Texte bleiben am Ende immer individuell interpretierbar.

So ist auch „Riviera Of Hades“ wohl eine Anspielung auf eine Äußerung von Winston Churchill während des zweiten Weltkrieges, lässt aber auch gleichzeitig eine Auslegung in Richtung „Flüchtlingsdramen“ im Mittelmeerraum zu.

Das Album-Cover von „Lioness“ zeigt die künstlerisch gestaltete fotografische Transformation eines Frauenportraits in einen imaginären Löwenkopf. Die Löwin sozusagen als Symbol für Attraktivität und Unberechenbarkeit.

Musikbegeisterte, die Nick Cave, die Tindersticks und Kurt Wagner’s Lambchop mögen, haben am Freitag, den 29. Januar 2016, eigentlich nur ein Problem:

Die Wahl des geeigneten Formates – digitaler Download, CD oder LP? Dieses Problem sollte sich lösen lassen.

An „Lioness“ selbst führt ansonsten kaum ein Weg vorbei!

© Gerald Langer


Tracklist

Sleepwalking Man
Fool To Your Crown
Lioness
It belongs To Me
My Thieving Heart (Feat. Marie Munroe)
V.O.I.D
The Boss Bossa Nova
Oh, Spider!
The Riviera Of Hades
Silences


Keine Anspiel-Tipps – alles fett!


Diskografie

Ladies and Gentlemen of the Opposition (2004)
Exiles (mit den Volunteers, 2006)
Moon Landing (2009)
Long Slow Distance (2011)
Endless Love (2014)


Tour-Daten | Lioness Tour 2016

10.03.2016  D-Dresden, Beatpol
11.03.2016  D-Berlin, Heimathafen Neukölln
12.03.2016  D-Hamburg, Uebel & Gefährlich
14.03.2016  D-Köln, Stadtgarten
18.03.2016  D-Frankfurt, Brotfabrik
19.03.2016  CH-Zürich, Plaza
www.siverthoyem.com


 

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